Lindflur

Ein komplexes Ökosystem wird aufgefrischt

Mit naturnaher Heckenpflege startete die Gemeinde Reichenberg in Lindflur ein Pilotprojekt. Jochen Deppisch, Bürgermeister Stefan Hemmerich, Niels Kölbl, Jo Busch und Charly Fleischmann (von links) erläuterten den Plan zur Pflege. Foto: Wilma Wolf

Naturgerechte Heckenpflege hat sich die Gemeinde Reichenberg für die Zukunft auf die Fahne geschrieben. Ein Pilotprojekt startete dazu jetzt in Lindflur.

Der Eichengraben in Lindflur ist eigentlich keine Hecke, sondern ein Gehölz. Mit Heckenstrukturen, Streuobststrukturen und Waldstrukturen, sagt Niels Kölbl vom Landschaftspflegeverband. Bei derartigen Gehölzen müsse man sehr genau hinschauen und sensibel vorgehen, denn es soll nicht einfach abgeholzt werden, sondern naturverträglich geschnitten werden.

So werden die alten Streuobstbäume, überwiegend Apfelsorten, die derzeit im dichten Unterwuchs zu ersticken drohen, von Sträuchern befreit, freigestellt und ausgelichtet, damit sie sich wieder erholen und Früchte tragen können. Dabei bleibt aber auch mal ein alter Ast stehen, weil das der Steinkauz gerne mag. Und der sei hier auch schon gesichtet worden.

Ein Drittel der Hecke wird auf Stock gesetzt

Für Bodenbrüter wie Zaunkönig und Goldammer wird ein Drittel der Hecke auf Stock gesetzt, der Rest bleibt stehen. Auch Amphibien wie Erdkröten fühlen sich wohl und ziehen sich im Sommer hier gerne zurück, weiß Kölbl.

Ein komplexes Ökosystem sei der Eichengraben, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, eine grüne Insel und ein Rückzugsort für Tiere mitten in der Feldflur, meint Bürgermeister Stefan Hemmerich. Um den Tieren und Pflanzen nicht den kompletten Lebensraum zu nehmen, wird die Pflege über einen Zeitraum von drei Jahren im Winter durchgeführt. Das sei optimal für die Natur, meint Kölbl.

Wichtig sei auch, dass der Saum an der Hecke entlang wieder entwickelt werde, denn der sei in den letzten Jahren total verbuscht. Ein intakter Heckensaum sei für alle Insekten wichtig, die den Halbschatten mögen, beispielsweise, Schachbrettfalter, Grillen und andere Falterarten. Auch Rebhuhn und andere Bodenbrüter lieben den Saum.

Im Eichengraben findet man auch Eschen. Sowohl vom Eschentriebsterben erkrankte, als auch gesunde Bäume. Das sei ein interessantes Phänomen, dass einige Eschen offensichtlich gegen den Erreger-Pilz sehr robust sind.

Landschaftspflegeverband übernimmt die Arbeit

Die Pflege des Eichengrabens hat der Landschaftspflegeverband im Auftrag und in enger Absprache mit der Gemeinde übernommen. Auch mit der Ortsgruppe des Bund Naturschutz und dem Obst- und Gartenbauverein Reichenberg würden derartige Maßnahmen durchgesprochen, sagt Hemmerich.

Über die Pflege hinaus soll in einem weiteren Schritt ein Baumkataster aller Bäume im Gemeindegebiet erstellt werden, so der Bürgermeister weiter. Und im Herbst sollen Pomologen, also Obstbaum-Experten, dann die Sorten bestimmen. Darüber hinaus gibt es "grobe" Überlegungen, die Obstbäume gegen einen Pauschalbetrag an Privatleute zu vermieten, die dafür das Obst ernten können. Mit dem gezahlten Betrag könnte die Gemeinde jemanden beauftragen, die Bäume zu pflegen.

Jetzt sei es wichtig, all die Hecken im Gemeindegebiet mal "aufzuarbeiten", um zu starke Verholzungen herauszunehmen. Und das seien immerhin 35 000 Quadratmeter. Es sei ein Pilotprojekt für den gesamten Landkreis, nicht nur, was die Pflege angeht, sondern auch, dass die Bäume im ganzen Gemeindegebiet erfasst werden, sagt Niels Kölbl. Wichtig dabei sei, dass alle Beteiligten, auch die Landwirte, deren Felder an die jeweiligen Hecken angrenzen, in einem Boot sitzen.

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