WÜRZBURG

Ein leuchtendes Wunderland entsteht

Leuchtendes Wunderland.

Der Eingang ist unscheinbar. Doch was sich hinter der Tür eines Gebäudes der Posthallen verbirgt, ist atemberaubend. Hier bauen mehrere Künstler seit einem halben Jahr die „Schwarzlichtfabrik“ – ein knallbunter Spielplatz fernab der alltäglichen Welt. Herzstück ist eine 3D-Minigolf-Anlage, dazu gibt es ein Pit-Pat-Areal und einen Rätselraum. Hauptbetreiber ist Fabian Baumgärtner, der bereits solch eine Anlage in Nürnberg betreibt. Er gewährt ausnahmsweise einen Vorabblick in die fast fertige Schwarzlichtfabrik.

Beim Betreten der Minigolfanlage taucht man in eine andere Welt ein. Fantastische Kunstwerke aus Neon-Farben zieren die geschwungenen Räume. Hier eine knallrote Blume, die vor dem grünen Hintergrund zu schweben scheint. Dort ein riesiger Fisch, dessen Ende sich in nicht mit Worten zu beschreibende Formen auflöst. Obwohl es bis auf Schwarzlicht keine Lampen gibt, ist es nicht dunkel, so intensiv leuchten die Farben an den Wänden. Doch jetzt geht es erst richtig los. Baumgärtner reicht eine Plastikbrille – und plötzlich ist die bunte Farbenpracht dreidimensional, die Motive in den Bildern scheinen im Raum zu schweben.

Auf etwa 750 Quadratmeter erstreckt sich dieses gigantische Kunstwerk. Laut Betreiber wird es vermutlich die größte Anlange dieser Art in Deutschland. Die Wandmalereien sind in die Themenräume Märchenwald, Weltall, Unterwasser und Höhle unterteilt. „Ich versuche jeden Raum so zu machen, dass die Leute sagen: Das habe ich noch nie gesehen!“, erklärt Micha Krebs, der neben Kathrin Weiland einer der beiden Hauptkünstler ist. Dabei stellt der 51-jährige Berliner mit Künstlernamen Colory nicht ein Motiv nach dem anderen fertig, sondern werkelt an allen gleichzeitig.

„Jeder Raum hat seine eigenen Gegebenheiten“, erklärt Krebs. Das Zusammenspiel von im Raum stehenden Objekten, geschwungenen Wänden und 3D-Malerei lasse sich unmöglich auf Papier planen. So entstand auch der riesige Fisch in der Unterwasserwelt zufällig: „Fabi malte einen Regenbogen“, erzählt Krebs. Seine Künstlerkollegin Weiland machte weiter. „Und dann ist sie ausgeflippt“, sagt der Berliner und zeigt begeistert auf die surreale, metergroße Farbexplosion.

In der 3D-Malerei sind die Farbtöne das Entscheidende: „Pink und Rot treten am stärksten nach vorne“, erklärt Krebs. Es folgen Gelb, Grün und Blau. „Das kennt man auch in der Natur. Der blaue Himmel vermittelt Tiefe, Rotes sticht uns dagegen sofort ins Auge.“ Daher wirken die Bilder schon ohne Brille dreidimensional, mit ihr aber noch viel stärker. Die Kunst bei dieser Art der Malerei ist, die Intensität aus Farben, Formen und 3D-Effekt in Harmonie zu bringen, erklärt Krebs. „Das begeistert mich immer wieder aufs Neue. Ich liebe intensive Farben – und intensiver geht?s nicht.“

Durch das Minigolf-Prinzip soll die Kunst erst richtig zu Geltung kommen, erklärt Baumgärtner. „Minigolf hat einen geselligen Aspekt, es wird immer in der Gruppe gespielt. Man steht eine Weile, redet miteinander, schlägt ab und zu einen Ball.“ Indem man dort Zeit verbringt, die Stimmung aufsaugt und mit Freunden die unzähligen Details in den Gemälden erkundet, kann sich das 3D-Kunstwerk erst so richtig entfalten, meint Baumgärtner. „Wir kombinieren Kunstausstellung mit Zeitvertreib. Nach einer halben Stunde hier drin verlieren sich Zeit und Raum.“

Künstler Micha Krebs, der schon seit Monaten in dieser quietschbunten Fantasiewelt arbeitet, macht das nichts aus – im Gegenteil. „Ich fühle mich immer wohl hier. Das Licht hat eine positive Wirkung, glaube ich.“ Seine Inspiration zieht er aus Musik. „Dadurch will ich ein gewisses Lebensgefühl in die Gemälde einbringen, eine positive Stimmung.“ Je nach Farbgebung hört er unterschiedliche Genres von Rock bis Ambient. Letzteres soll dann auch erklingen, wenn bis zu 56 Besucher gleichzeitig die 18 Minigolfbahnen bespielen.

Auch die Bahnen verzieren die Künstler so, dass die Hindernisse sich nahtlos in die gemalten Welten an den Wänden einfügen. Zusätzlich baut das Team beleuchtete Sitzmöbel. Die sind wie alles in der Schwarzlichtfabrik Handarbeit und Unikate. Das gehöre zum Gesamtkonzept, ebenso wie die Möglichkeit für Besucher, bei Wartezeiten selbst 3D-Kunstmalerei auszuprobieren, erklärt Baumgärtner.

Der 34-Jährige ist da Idealist. „Es gibt auch solche Anlagen, wo einfach ein paar geometrische Figuren an die Wand geklebt sind.“ Doch das sei nicht das, was er machen wolle. „Alle Details müssen stimmen. Jeder, der herkommt, soll sagen können: ,gut gemacht‘.“ Ihm gehe es um die Kunst, es solle ein „Farbenland“ für jedermann entstehen: „Ich will die Menschen außerhalb der bekannten Bemessungsgrundlagen inspirieren.“ Die Schwarzlichtfabrik richtet sich an alle Altersklassen, ist barrierefrei und kostet acht Euro Eintritt.

Die Idee, so etwas zu bauen, ist dem 34-Jährigen nach einem Besuch in einer ähnlichen Anlage in Berlin gekommen. Eigentlich ist er gelernter Informatiker. „Eines Tages saß ich an meinem viereckigen Schreibtisch, vor einer viereckigen Tastatur, vor einem viereckigen Bildschirm, in dem ich in viereckigen Fenstern arbeitete“, erzählt Baumgärtner. „Dann hat es Klick gemacht.“ Er schmiss den Job als Softwareentwickler hin und fing an, 3D-Minigolfanlagen zu bauen. Dort gibt es keine Ecken mehr – alles ist rund und geschwungen. Neon-Farben habe er ohnehin schon immer geliebt, war bereits als Kind ganz verrückt danach. Hier kann er seinen Traum ausleben.

Neben dem Herzstück Minigolfanlage entsteht in der 1600 Quadratmeter großen Schwarzlichtfabrik ein Pit-Pat-Areal von Nebenbetreiber Michael Schöll. Pit-Pat spielt sich ähnlich wie Minigolf, nur bewegt man den Ball mit einem Queue – so wie beim Billard. Der Künstler Peter Momoshi hat hier in einem 400 Quadratmeter großen Raum sowohl Wände als auch Boden und die 18 Pit-Pat Bahnen in seinem Stil bemalt. Die Motive sind knuffige Figuren in warmen Farben. In den Boden sollen noch bunte Chips eingelassen werden. „Wir können es einfach nicht lassen, in alles Effekte reinzubringen“, meint Baumgärtner schmunzelnd.

Ein weiterer Betreiber ist der 22-jährige Hendrik Reuß. Der gelernte Industriemechatroniker baut Rätselräume. „Auch hier wollen wir etwas Einzigartiges zu erschaffen“, sagt Reuß. Gruppen von zwei bis sechs Personen müssen in den Rätselräumen wie in einem Abenteuer-Computerspiel intuitiv Aufgaben lösen, bei denen man mit dem Raum interagiert und um die Ecke denken muss. Die Belohnung ist eine sich daraus entwickelnde Geschichte um einen verschwundenen Professor.

Wann die Schwarzlichtfabrik fertig ist, weiß Baumgärtner noch nicht genau. Noch gibt es einige Baustellen, an denen die Künstler arbeiten. „Wir hoffen auf baldige Eröffnung noch in diesem Jahr.“ Doch sobald er in Würzburg fertig ist, will er woanders eine neue Anlage bauen. Er möchte mit seinem Team weitere Kunstwerke schaffen, sodass die Besucher wieder sagen: „Das habe ich noch nie gesehen!“

Noch ist es Baustelle: der künftige 3D-Minigolf-Platz auf dem Gelände der Posthalle. Doch dieses bunte Kunstwerk lässt s... Foto: Patty Varasano
Arbeitsplatz im Schwarzlicht.

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