Rittershausen

Ein neuer Zeitanzeiger für die Rittershäuser

Mit dem Einbau eines Uhrenschlagwerks beginnt für die Bewohner in dem Gaukönigshöfer Ortsteil zwar keine neue Zeit aber eine lange Ära der Zeitanzeige geht zu Ende. Das neue funkgesteuerte Schlagwerk, das auch das Läuten der Glocken regelt, ersetzt die alte Uhr, die als historisches Erbe weiterhin ihren Platz in dem 50 Meter hohen Kirchturm behält.

Die Kosten für die Anschaffung des Zeitmessers und eines neuen Ziffernblatts berechnete Bürgermeister Bernhard Rhein mit zirka 9000 Euro.

Der Einbau des Schlagwerkes erfolgt im Zuge der Turmsanierung. Dabei werden in Kürze drei alte Glocken ausgebaut werden und ein dreifaches neues Geläut Einzug halten. Wie Kirchenpfleger Erwin Hemm scherzhaft meinte, gehe mit dem neuen Zeitmesser auch ein Arbeitsplatz in der Gemeinde verloren.

Von Hand aufgezogen

Seit im Jahr 1904 die Uhr im Turm eingebaut worden ist, musste das damals sicher als das modernste Modell seiner Zeit geltende Uhrwerk, von Hand aufgezogen werden.

Erwin Hemm und Bernhard Rhein, die von Kindheit an damit vertraut sind, erklären die Uhrengeschichte: Jahraus, jahrein jeden Tag pünktlich zu einer bestimmten Stunde stieg ein "Uhrenaufzieher" die Stufen des Kirchturms hinauf.

Nach Manfred Deppisch, der rund 20 Jahre lang dieses Amt innehatte, kümmerte sich anschließend Edwin Deppisch für einige Jahr um die Uhr. Der letzte "Uhrenaufzieher" ist der 87-jährige Ferdinand Pfeufer, der jetzt nach 27 Jahren in den Ruhestand geht.

Eine Flasche Bier und eine Mark

Der "Lohn" für die Betreuer der Uhr in deren Händen die Zeit der Rittershäuser gelegen hat,war seit Urzeiten festgeschrieben: Täglich gab es für die Arbeit eine Flasche Bier und eine Mark. Später wurde daraus ein Euro.

Bei dem Gang hinauf auf den Turm fallen die drei dicken Steine auf die an Ketten an der Wand hängen. Diese schweren Brocken, über die eine Büste des Würzburger Bischofs Valentin Reißmann (1807-1875) wacht, der 1875 das Gotteshaus dem Heiligen Matthäus geweiht hat, hingen früher an dem Uhrwerk. Später wurden diese Steine durch Metallgewichte ersetzt.

Immer pünktlich

Weiter oben im Turm ist in einem Schrank das mächtige Werk der Uhr untergebracht. Bestens gewartet und wie Erwin Hemm sagt " immer pünktlich" funktioniert das Uhrwerk, das mit einer Kurbel aufgezogen wird.

Dreimal muss gekurbelt werden und danach läuft die Uhr bis zum nächsten Tag auf die Minute genau. Jetzt hat er ausgedient, der Zeitmesser, der seit nunmehr 115 Jahren den Rittershäusern angezeigt hat, was die Stunde geschlagen hat.

Das mächtige Uhrwerk das nach 115 Jahren ausgedient hat, behält als Zeugnis aus der Vergangenheit seinen Platz im Turm d... Foto: Hannelore Grimm
Diese Steingewichte die Erwin Hemm kaum heben kann hingen ursprünglich am Uhrwerk im Kirchturm der Rittershäuser Kirche. Foto: Hannelore Grimm
Später bewegten, Gewichte aus Metall wie Bernhard Rhein erklärt, den Rittershäuser Zeitmesser. Foto: Hannelore Grimm

Schlagworte

  • Rittershausen
  • Hannelore Grimm
  • Arbeit und Beruf
  • Arbeitsplätze
  • Bernhard Rhein
  • Kirchliche Bauwerke
  • Ortsteil
  • Türme
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!