Würzburg

Ein neues Zuhause für das Würzburger Geburtshaus

Ab Februar sollen Schwangere im neuen mainGeburtshaus entbinden können. Doch vor dem Umzug gibt es einige Hürden - vor allem finanzielle Fragen sind noch offen.
Der Blick in eine ungewisse Zukunft: Noch untersucht Hebamme Sabrina Heinrich in den Räumen des Geburtshauses in Grombühl. Unklar ist, wie der Umzug in die Aumühle über das Crowdfunding-Projekt finanziert werden kann. Foto: Dita Vollmond

Neue Wände, neue Wasseranschlüsse, neue Geburtswannen, neue Betten: Die "Einkaufsliste" des Geburtshauses ließe sich mühelos fortsetzen. Denn die Hebammengemeinschaft aus Grombühl zieht um. Ab Mitte Februar sollen Schwangere in Lengfeld entbinden können. 

Die Geburtenzahlen im einzigen Geburtshaus Unterfrankens wachsen stetig. Seit dessen Gründung im Jahr 2012 hat sich die Zahl beinahe vervierfacht, aktuell sind es knapp 180 Geburten jährlich. "Wir brauchen mehr Platz. Nicht nur, um den Schwangeren mehr Ruhe während der Geburt zu bieten, sondern auch für unser Büro", sagt Hebamme Sabrina Heinrich, die seit 2014 Mitglied des Geburtshaus-Teams ist. 

Bislang teilen sich die inzwischen zehn Hebammen, - anfangs waren sie zu sechst -, ein etwa zehn Quadratmeter großes Büro.  Die Parkplatz-Situation in Grombühl sei darüber hinaus ebenso wenig zufriedenstellend wie die Treppen, die die Schwangeren erklimmen müssen, um die Geburts- und Beratungsräume zu erreichen. 

All das soll im neuen Geburtshaus in der Aumühle besser werden. "Die Geburtsräume sind dort im Erdgeschoss, und wir haben deutlich mehr Platz", erklärt Heinrich. 

Doch bis die Hebammengemeinschaft einziehen kann, gibt es einige Hürden zu überwinden.  Das neue Gebäude muss umgebaut, neue Wände hochgezogen werden. Zukünftig soll es in allen Geburtsräumen Geburtswannen geben, so dass entsprechende Wasseranschlüsse gelegt werden müssen. "Noch ist unklar, ob alle Bauarbeiten bis Mitte Februar abgeschlossen sind", sagt Kathrin Fleischmann, Hebamme im Geburtshaus und Sprecherin des bayerischen Hebammenverbandes für Würzburg.

Finanzierung des Umzugs noch nicht geklärt

Vor allem finanziell ist der Umzug längst nicht in trockenen Tüchern. Mit rund 50 000 Euro rechnet Hebamme Sabrina Heinrich. Eine Summe, die nicht allein aus den Rücklagen des Geburtshauses gestemmt werden könne. 

Das neue mainGeburtshaus in Lengfeld. Ab Mitte Februar 2019 zieht die Hebammengemeinschaft aus Grombühl in die Aumühle. Foto: mainGeburtshaus

Das Geburtshaus finanziert sich aus einer Pauschale von 700 Euro, die es pro geleisteter Geburt von den Krankenkassen bekommt. Davon zahlt das Geburtshaus nicht nur die Bereitschaftsdienste der Hebammen, sondern auch die laufenden Kosten. Rund 5000 Euro gehen unter anderem für Wasser, Miete und Strom jeden Monat ab. Das Gehalt der Hebammen, die alle selbstständig arbeiten, ergibt sich im Wesentlichen aus einer weiteren Auszahlung der Krankenkassen in Höhe von rund 600 Euro pro Geburt, plus der Honorierung von Bereitschaftsdiensten.

Forderung einer anteiligen Auszahlung aus dem Geburtsfonds

Da die Rücklagen nicht ausreichen, hat die Hebammengemeinschaft andere Wege der Finanzierung beschritten. Etwa eine Anfrage bei der Stadt, mit der Forderung einer anteiligen Auszahlung aus dem Geburtsfonds. "Wir leisten schließlich einen Beitrag zur wachsenden Zahl der Geburten in Würzburg", so Heinrich. Denn in derRichtlinie zur Förderung der Geburtshilfe in Bayernvom September 2018  ist unter anderem festgelegt, dass die Stadt pro Geburt einen Förderbetrag von rund 40 Euro vom Freistaat anfordern könne, so Christian Weiß, Pressesprecher der Stadt Würzburg. Dazu müsse die Stadt allerdings eine Eigenbeteiligung von mindestens zehn Prozent zahlen. Diese Eigenbeteiligung von 8500 Euro sei bereits im Haushalt eingeplant, der Antrag auf Förderung werde noch vor Weihnachten bei der Regierungsbehörde gestellt. Auch in kommenden Jahren sei geplant, diese Förderung anzufordern.

"Wir leisten schließlich einen Beitrag zur wachsenden Zahl der Geburten in Würzburg."
Hebamme Sabrina Heinrich, mainGeburtshaus

Die Förderung soll laut aktuellen Planungen jeweils zu einem Drittel an die beiden Würzburger Kliniken mit Entbindungsstationen, die Uni-Klinik und die Missio-Klinik, sowie an das Geburtshaus ausgezahlt werden. "Das haben die Beteiligten in einem gemeinsamen Gespräch festgelegt", sagt Weiß.

Wie hoch die tatsächliche Förderung ausfällt, hängt unter anderem davon ab, ob auch der Landkreis Gelder aus dem Geburtsfonds anfordert. Die Entscheidung darüber fällt nach den Haushaltsberatungen im Kreistag im März 2019. Beteiligt sich der Landkreis, belaufe sich der Betrag auf rund 180 000 Euro; bleibt es bei der Stadt, seien es rund 90 000 Euro, so Weiß weiter.

"Da wir jedoch nicht sicher wissen, wie viel Geld wir bekommen, und vor allem wann, mussten wir uns zur Finanzierung des Umzuges etwas anderes überlegen", erklärt Heinrich. Die Idee: Ein Crowdfunding-Projekt. Mindestens 20 000 Euro, besser noch 32 000 Euro, wollen die Hebammen bis zum 14. Januar sammeln. 

Hebamme Sabrina Heinrich bei einer Untersuchung in der Brücknerstraße. Foto: Dita Vollmond

Falls ihr Spendenziel nicht erreicht werde, wollen die Hebammen die offenen Kosten übernehmen. Etwa das "Söder-Geld, ein finanzielles Bonbon für die Hebammen", wie Heinrich es augenzwinkernd nennt, wollen sie investieren.

Die Staatsregierung hat im vergangenen Jahr einen bayerischen Hebammenbonus von 1000 Euro pro Jahr beschlossen. Er wird an Hebammen ausgezahlt, die im Jahr mindestens vier Geburten betreut haben.

Ebenso wie mit dem Geburtsfonds reagiert die bayerische Regierung damit auf den zunehmenden Hebammenmangel. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die geburtshilfliche Hebammenversorgung sowie die Wochenbettbetreuung durch Hebammen und Entbindungspfleger zu stärken und zu sichern, heißt es in der Richtlinie.

Hohe Versicherungsbeiträge sind eine Belastung für Hebammen

Auch in Unterfranken wird es für Schwangere immer schwieriger, eine Hebamme zu finden. Dabei ist nicht allein die Zahl der Hebammen ein Problem, sondern auch die veränderten Arbeitsbedingungen, die dazu führten, dass immer mehr Hebammen weniger Leistungen anbieten. Geburtsbegleitung und Hausgeburten etwa übernehmen immer weniger Hebammen. Belastend seien darüber hinaus die stark gestiegenen Haftpflichtversicherungsprämien, so Fleischmann. In den vergangenen Jahren haben sich die Prämien mehr als verzehnfacht - heute müssen freiberufliche Hebammen mehrere Tausend Euro jährlich nur für ihre Haftpflichtversicherung zahlen. 

Wie hoch die Eigenbeteiligung der Hebammen bei den Umzugskosten tatsächlich sein wird, bleibt offen. Die Fördergelder, die Spenden, die tatsächlichen Umbaukosten - der Umzug ist ein Vorhaben mit vielen, teils noch unbekannten Variablen. Doch zumindest ein Blick auf das aktuelle Spendenkonto lässt die Hebammen zuversichtlich in die Zukunft blicken: Nach knapp zwei Wochen sind bereits mehr als 11 000 Euro eingegangen (Stand: 16. Dezember).

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Sara Sophie Fessner
  • Auszahlungen
  • Förderung
  • Hebammen
  • Heinrich
  • Regierungsbehörden
  • Stadt Würzburg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
3 3
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!