Würzburg

Ein strippender Weihnachtsmann und allerlei Wunder

Premiere „Wer klopfet an?“ von Katrin Wiegand, Gwendolyn von Ambesser, im Theater Chambinzky Foto: Fotogruppe Vogel

Ein bisschen Weihnachtsstimmung kann nicht schaden. Meint Daniel und sucht in seinem Schrank nach ein paar Teelichtern, die neben der funzeligen Glühbirne über dem Schreibtisch ein bisschen Glanz in seine Stube bringen sollen. Er ist einer der drei fantastischen Protagonisten, die die Weihnachtskomödie "Wer klopfet an?" im Kellertheater des Chambinzky zu einem Dauervergnügen mit ernsthaften Einsprengseln werden lassen.

Nicht nur, dass Autorin Katrin Wiegand einen Text vorlegt, der es bei aller Gaudi in sich hat, wie nebenbei Grundbedürfnisse und Sehnsüchte auf den Punkt bringt und sich auch an Wundersames traut. Das Trio stellt die schräge Vorlage - von Regisseurin Gwendolyn von Ambesser in knackige Szenen gesetzt - temporeich und bis ins Detail aufgefeilt auf die kleine Bühne.

Warten auf den Geliebten

Dort sind in liebevollster Kleinarbeit zwei Mansardenwohnungen (Bühne: Ulli Schäfer, Alexander Knoll, Andreas Zehnder) mit individueller Einrichtung und Mansardenfenstern voller Schnee aufgebaut. Wand an Wand wohnen hier die schüchterne Franziska, die am Heiligen Abend in ihrer festlich geschmückten Wohnung sehnsuchtsvoll auf ihren Geliebten wartet, und auf der anderen Seite Daniel, der Weihnachten lediglich für kommerzielle Ausbeutung hält und vollständig ablehnt. Deshalb sitzt er am Heiligen Abend auch an seinem Schreibtisch, statt zu feiert. Bis es an der Türe rumpelt und der Weihnachtsmann über seine Arbeit hereinbricht. Schnell stellt der als strippender Weihnachtsmann Gebuchte fest, dass er beim falschen Adressaten gelandet ist. Denn er, der wie ein Prolet auftritt, sich aber für einen Performance-Künstler hält, sollte Franziska aufheitern -  im Auftrag ihres verheirateten Freundes, der das Fest der Liebe mit der Familie feiert und die zaghafte Franziska alleine sitzen lässt.

Kein Auge bleibt trocken

Wenn Andreas Münzel als Weihnachtsmann abwechselnd in der einen oder anderen Wohnung auftritt, bleibt kein Auge trocken. In seiner Rolle gibt er erlebte Weisheiten von sich, fläzt sich auf die eine oder andere Couch, kramt in fremden Schränken und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Dabei trampelt er Franziska und Daniel, die sich so gut wie nicht kennen, erst abwechselnd, dann zusammen auf den Nerven herum. Doch da er das Herz am rechten Fleck hat, weiß er genau, was den beiden fehlt, und sorgt letztendlich für allerlei Weihnachtswunder.

Victoria Schlier gibt die Franziska einfach nur entzückend. Ob als verzagte junge Frau, die duldsam mit ein paar Anrufen zwischen Familienfreuden zufrieden ist. Oder selbstbewußt - dem Weihnachtsmanns sei Dank -, wenn sie ihr wahres Glück in nächster Nähe entdeckt und beim Schopf packt. Auch Marcus Füller als Daniel bringt großes Spiel auf die Bühne. Sein gesamtes Innenleben trägt er nach außen, wenn er seine Miene verzieht, sich am Finger zupft, die Stirn runzelt, mit großen Augen in die Welt schaut oder mit rotem Kopf auf den Boden stampft.

Ein Weihnachtsstück ohne Sentimentalität, das Stimmung macht und bei der Premiere von den Zuschauern zu Recht mit jubelndem Applaus belohnt wird (auf dem Spielpland bis 4

Auf dem Spielplan ist das Stück bis 4. Januar, Kartentelefon: (0931)51212.

  

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