WÜRZBURG

Eine Kindheit zwischen Mandeln und Zuckerwatte

Sabine, Celina und Michael Färber arbeiten zusammen in ihrem „Knusperhaus“ auf dem Würzburger Kiliani. Das Knusperhaus ist eines von fünf Geschäften der Färbers. Foto: Thomas Obermeier

Celina Färber wurde vor 20 Jahren während des Kilianis geboren. Man könnte das fast als Zeichen werten. Mit acht Jahren hat sie alleine Zuckerwatte gedreht. Sie ist aufgewachsen zwischen gebrannten Mandeln, Popcorn und Lebkuchenherzen als Tochter einer traditionsreichen Schaustellerfamilie aus Würzburg und wird die Geschäfte ihrer Eltern Sabine und Michael bald sogar übernehmen. Mit ihr werden die „Vergnügungsbetriebe“ auch in der dann sechsten Generation in der Hand ihrer Familie bleiben.

Während Celina im „Knusperhaus“ Mandeln karamellisiert, Äpfel kandiert und die Süßigkeiten-Auslage mit allerhand Leckereien befüllt, stehen Sabine und Michael Färber wenige Meter neben dem Geschäft und schauen ihrer Tochter nicht ohne Stolz zu. Das Leben als Schaustellerfamilie mit einer Tochter war in der Vergangenheit nicht immer einfach.

Seit 23 Jahren gemeinsam unterwegs

Das Würzburger Ehepaar ist fast das gesamte Jahr über auf Achse. „Die Saison beginnt mit der Würzburger Frühjahrsmesse und endet mit dem Weihnachtsmarkt“, sagt Färber. Dazwischen geht es auf zehn weitere Volksfeste in Roth, Erlangen, Nördlingen oder Eichstätt. Und das machen sie gemeinsam schon seit 23 Jahren, genau so lange sind sie verheiratet. „Als Schausteller-Ehepaar ist man gefühlt drei Mal so lange verheiratet wie ein normales Paar“, sagt Sabine Färber und lächelt ihren Mann von der Seite an. 365 Tage im Jahr seien sie zusammen. Die meiste Zeit arbeiten sie gemeinsam in einem ihrer fünf Volksfest-Geschäfte, mit denen sie abwechselnd unterwegs sind. Darunter ein Spielpavillon von 1948 oder eine „Backstube“.

Keine Ausflüge an den Badesee

„Das ganze Familienleben findet auf dem Volksfest statt“, sagt Sabine Färber. Und das gilt natürlich auch für die Erziehung der Tochter. Sonntagsausflüge an den Badesee seien da kaum möglich.

„Das Geschäft ist darauf ausgelegt, dass wir eigentlich immer beide da sind“, sagt Michael Färber. „Da muss man versuchen, die Kinder spielerisch ins Geschäft einzubinden“, fügt seine Frau hinzu. Celina sei natürlich oft bei der Oma gewesen. Später war sie auch zwei Jahre im Internat. In Michael Färbers Erinnerung hat die Familie oft irgendwie umstrukturieren müssen: „Das mit der Schule war schon immer ein organisatorischer Hickhack.“ Theoretisch gibt es auf großen Volksfesten die Möglichkeit, einen Hilfslehrer für die Schaustellerkinder anzustellen. „Wenn sechs bis sieben Kinder vorab angemeldet werden, organisiert der Schaustellerbund einen Lehrer, der die Hausaufgabenbetreuung übernimmt.“ Diese Zeit haben die Färbers aber mittlerweile hinter sich gelassen. Celina hat die Schule erfolgreich abgeschlossen.

„Wir haben sie nicht dazu gezwungen.“

Die Eltern freuen sich sichtlich darüber, dass die Tochter die Geschäfte übernimmt. „Aber wir haben sie nicht dazu gezwungen“, stellt Sabine Färber klar. Celina seien alle Möglichkeiten offengestanden. Eine Sache war den Eltern jedoch besonders wichtig: Ihre Tochter musste auf jeden Fall zunächst eine Ausbildung abschließen. Das hat sie auch getan – eine kaufmännische Ausbildung im Einzelhandel.

„Celina wäre am liebsten direkt nach der Realschule ins Geschäft eingestiegen, aber das war uns zu unsicher“, sagt Michael Färber, der erst durch Sabine zur Schaustellerei gekommen ist. Im Moment würden die Geschäfte in der Schaustellerbranche sehr gut laufen, aber ob das auch in Zukunft so ist, wisse keiner. Daher sei es wichtig, dass sich Celina möglichst viele Wege offenhalte.

Als Sabine Färber im Geschäft ihrer Eltern aufwuchs, waren die Umstände noch ganz andere. Als geborene Sabine Michel ist sie die Tochter einer renommierten Schaustellerfamilie. Ihr Ururgroßvater hat um 1900 mit einem Karussell den Grundstein gelegt. Es kamen immer weitere Attraktionen dazu: Eine Schießbude oder eine Ringwurfhalle, mit der die Familie über 50 Jahre lang auf dem Kiliani vertreten war.

14 Mal im Jahr die Schule gewechselt

Sabine Färber musste zehn bis 14 Mal im Jahr die Schule wechseln. „Das war nicht einfach, aber ich wollte das so“, sagt sie. Ihr Bruder habe darauf keine Lust gehabt und sei deshalb im Internat gewesen.

In der Schule hatte sie jedoch mit so manchem Vorurteil zu kämpfen: „Die Lehrer dachten, dass sie mit uns sowieso nicht viel anfangen können.“ Als Schaustellerkind müsse man generell einen viel größeren Ehrgeiz in der Schule entwickeln – auch heute noch, fügt Michael Färber hinzu. „Viele können immer noch nichts mit uns anfangen“, sagt er, „aber die Vorurteile sind weniger geworden.

“ Die Toleranz gegenüber Schaustellern sei heute größer, die Besucher würden mehr nachfragen und sich für das Leben einer reisenden Schaustellerfamilie interessieren. „Das schafft Akzeptanz.“

Mit 14 Fahrzeugen unterwegs

Die Färbers wirken glücklich und zufrieden mit ihrer Arbeit, die ihr Leben ausfüllt. Es sei ein Knochenjob und eine logistische Meisterleistung, mit 14 Fahrzeugen von Volksfest zu Volksfest zu reisen. Ans Aufhören hätten sie dabei niemals gedacht, sagt Sabine Färber: „Die Gelegenheit dazu hat sich auch nie ergeben.“ Es war einfach immer genug zu tun.

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