WÜRZBURG

Eine Steinplatte mahnt zur Versöhnung

Erinnerung bewahren, Versöhnung leben: Lord Bishop Cocksworth verlegte am Sonntag die 17. Tafel mit dieser Aufschrift am... Foto: Foto:

Mit einem eindringlichen Appell haben die Vertreter von Kirche und Stadt dazu aufgefordert, die Erinnerung an Krieg und Völkermord als Mahnung zu verstehen und alles zu tun, damit sich die Schrecken der nationalsozialistischen Vergangenheit nicht wiederholen. Es könne unter diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte keinen „bequemen Schlussstrich“ geben, betonte Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU). Anlass der Aufrufe war die Verlegung einer Steinplatte am gestrigen Sonntagvormittag auf dem „Denkmal der Versöhnung“.

Vor zahlreichen Würzburgern legte der anglikanische Theologe Christopher Cocksworth, Lord Bishop von Coventry, die Platte in den Boden am Wilhelm-Schwinn-Platz vor der Dekanatskirche Sankt Stephan. Es ist die 17. Steinplatte ihrer Art. „Erinnerung bewahren“ – dieses Motto der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft ziert nun die Steinplatte. Jetzt besteht das im Mai 2002 begonnene Werk aus Mosaiktafeln in 13 Sprachen sowie aus drei weiteren Platten, auf denen es um die Versöhnung mit der Natur, den Einsatz der Religionen für dieses Thema und die Eröffnung der Friedensdekade geht.

Während der Verlegung informierte Johanna Falk von der ökumenischen Nagelkreuzinitiative über die Bestandteile des „Denkmals der Versöhnung“. Auf jede Steinplatte wurde eine Blume gelegt und soweit möglich wurde auch das Wort Versöhnung in der jeweiligen Sprache ausgesprochen.

In seiner kurzen Ansprache sagte OB Schuchardt, man könne nicht wiedergutmachen, indem man das Geschehene rückgängig mache. Man könne jedoch versuchen, materielle Schäden auszugleichen. Aber damit die seelischen Wunden heilen können, müsse man sich um Versöhnung bemühen. „Deshalb kann es unter dem dunklen Kapitel unserer Geschichte keinen bequemen Schlussstrich geben“, so Schuchardt. Ihm zufolge heißt das Geheimnis der Versöhnung Erinnerung. Schuchardt: „Das Verdrängen und Vergessen verhindert Versöhnung. Und ohne Versöhnung ist eine gute gemeinsame Zukunft nicht möglich.“

„Das Verdrängen und Vergessen verhindert Versöhnung.“
Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU)

Aus der Sicht des OB ist das ein Grund, weshalb man insbesondere nicht in Vergessenheit geraten lassen dürfe, welches Leid der deutsche Staat in der Zeit des Nationalsozialismus über Millionen von Menschen im In- und Ausland gebracht habe. Die Erinnerung an Krieg und Völkermord sei eine eindringliche Mahnung an alle, alles zu tun, damit sich die Schrecken nicht wiederholen.

Der Verlegung der Platte voraus ging ein Festgottesdienst in der fast voll besetzten Dekanatskirche. In seiner Predigt betonte Bischof Cocksworth, die Geschichte Europas und der Bombardierung von Würzburg erzähle uns, dass „die Menschen Experten beim Herbeiführen des Todes“ seien. Wer glaube, dass die Menschheit diese Geschichte hinter sich gelassen habe, brauche nur in Richtung Irak, Syrien, Nigeria und Südsudan zu blicken; auf die Terrororganisationen Islamischer Staat und Boko Haram sowie Syriens Präsidenten Assad. „Für den Fall, dass wir uns in Europa überlegen fühlen, sollten wir auf die Urkraine schauen, auf das russische, britische, französische, deutsche und amerikanische militärische Gebaren.“

In ihrem Grußwort hob Dekanin Edda Weise hervor, dass die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur nicht mehr verschwiegen würden. So werde Vergangenheit vergegenwärtigt und Verantwortung übernommen. „Versöhnung wird gelebt“, unterstrich sie. Weltweit gibt es die Nagelkreuzgemeinschaft in 40 Ländern. Das Nagelkreuz habe viele Menschen inspiriert und ermutigt, Initiative zu ergreifen, um Frieden innerhalb ihrer Gemeinschaften zu schaffen, sagte Oliver Schuegraf aus Hannover, der Vorsitzende der deutschen Sektion. Man sei jeden Tag vor die Aufgabe gestellt, die „allzu oft vorherrschende Kultur des Krieges und der Zerstörung“ herauszufordern und in eine Kultur des Friedens umzuwandeln. „Nur wenn uns bewusst wird, was wir in der Geschichte falsch gemacht haben, welche Verfehlungen wir begangen haben, dann können wir daraus in Versöhnung leben und an Versöhnung arbeiten.“ Es treffe sich gut, dass die neue Tafel umgeben von Platten in anderen Sprachen sei.

Bereits am Samstag hatte Bischof Cocksworth das Zentrum für Körperbehinderte auf dem Heuchelhof besucht. 2005 überreichte der frühere Bischof von Coventry, Collin Bennetts das Wandernagelkreuz der Einrichtung.

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