OCHSENFURT

Eine Yoga-Stunde mit Ziegen

In Ochsenfurt geben die Ziegen den Ton an. Yoga-Lehrerin Sylvia Asmodena Kurtar lässt sie gewähren und unterbricht ihre Übung für eine Runde Ziegen-Kraulen. Foto: Ivana Biscan

Mimis gelbe Augen blicken dem fremden Menschen ins Gesicht, prüfend und unerschrocken. Dann richtet die Ziege ihre Aufmerksamkeit auf den Schreibblock der Reporterin. Entschlossen wird hineingebissen. Als Mimi das erbitterte Tauziehen um den Block endlich verliert, werden sechs Yoga-Schüler samt Lehrerin bereits von Lachkrämpfen geschüttelt. Ziegen-Yoga ist am lustigsten, wenn gerade jemand anders der Neugier der Tiere zum Opfer fällt.

Ziegen-Yoga? Die bizarr anmutende Kombination ergab sich, sagt Sylvia Asmodena Kurtar, eigentlich von selbst. Seit zehn Jahren betreibt sie in Ochsenfurt eine Yoga-Schule. Und seit vier Jahren ist sie stolze Besitzerin von sechs Ziegen. Drei Eingeborene und von einem Gnadenhof drei Neigschmeckte, wie der Franke sagt. Sylvia Kurtar wohnt in der Nähe eines Geländes in Kleinochsenfurt, auf dem ein Landwirt viele Jahre lang Ziegen hielt. Als die Yoga-Lehrerin erfuhr, dass der Mann die Tierhaltung aufgeben wollte, übernahm sie die Ziegen kurzerhand und kümmert sich seither mit Hilfe zahlreicher Freiwilliger um sie.

Ziegen haben statt Zähnen eine Kauplatte

„Ich wusste erst mal gar nichts über Ziegen“, erinnert sich Sylvia Kurtar. Sympathisch fand sie sie schon immer, aber Liebe allein macht noch keinen versierten Halter. Fasziniert entdeckte die Yoga-Lehrerin die Welt der Ziegen anhand eines Fachbuches. „Als ich gelesen habe, dass Ziegen im Oberkiefer keine Zähne, sondern nur eine Kauplatte haben, bin ich sofort zur Ziegenweide hin und habe nachgeguckt.“

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Om Tara Yogaschule: Yoga mit Ziegen - Die Om Tara Yogaschule in Ochsenfurt bietet Yoga mit Ziegen an. Die Tiere haben große therapeutische Fähigkeiten, wirken ausgleichend, beruhigend und belebend. Deshalb praktiziert Asmodena Kurtar Meditation und Yoga auf einer Ziegenwiese in Kleinochsenfurt durch.

Mehr noch als ihr Gebiss jedoch fasziniert das Wesen der Ziegen die Yoga-Lehrerin. Neugierig sind sie und eigenwillig und dabei ausgesprochen feinfühlig. Sylvia Kurtar hat selbst erlebt, wie das an Weihnachten geborene „Christkind“ die Nähe von Menschen suchte, die gerade Halt brauchten. Als Sylvia Kurtar die indische Tradition von Yogastunden im Freien aufgriff und im oberen Bereich der Ziegenweide eine Yoga-Wiese einrichtete, erwiesen sich die therapeutischen Fähigkeiten der Ziegen als positiv – allein ihre Anwesenheit hebt die Stimmung. Ein Blick ins Internet zeigt, dass auch andere Yoga-Schulen den Trend bereits für sich entdeckt haben.

Ziegen-Kraulen statt Körperübungen

Den Reiz des Ziegen-Yogas macht zu einem guten Teil das komische Talent der selbstbewussten Wiederkäuer aus. Während die Yoga-Schüler der Standfestigkeit des „Kriegers“ nachspüren, nimmt „Feger“ die Szene kauend in Augenschein und kommt dann zu dem Schluss, dass Rückenkratzen am Obstbaumstamm derzeit die interessantere Alternative darstellt.

Yoga-Stunde mit Ziegen
Yoga mal ganz anders: Ziegen-Yoga! Die bizarre Kombination gibt es in Ochsenfurt. Und die Teilnehmer haben einen Riesenspaß.
Nicht immer leisten die Ziegen den Yoga-Schülern bei ihren Übungen Gesellschaft. Wenn aber doch, dann fällt für den einen oder anderen die Yoga-Stunde auch mal aus. Stattdessen ist dann Ziegen-Kraulen angesagt. Mimi zum Beispiel möchte an diesem Tag von der Chefin persönlich bedient werden und nimmt vor der Yoga-Matte von Sylvia Kurtar Aufstellung. Dass dort auch prompt die Blasenentleerung vorgenommen wird, wirft die Yoga-Schüler nicht aus der Bahn.

Mit den Ziegen ist man näher an der Natur

Im Gegenteil. Elke Kronmüller fühlt sich beim Ziegen-Yoga näher an der Natur, und zu der gehören eben auch Ziegen-Köttel. „Ziegen haben etwas Wildes, Eigenwilliges, aber auch etwas Sanftes“, sagt die Teilnehmerin der Yoga-Stunde. Durch die Anwesenheit der Tiere fühlt sie sich geerdet. „Ihre Geräusche haben etwas unheimlich Beruhigendes. Da ist man komplett von allem weg.“ Außerdem lerne man, dass man den Tieren nicht den eigenen Willen aufzwingen könne.

Ziegen-Yoga: Sieht eigentlich ganz entspannt aus - sowohl für die Teilnehmer als auch für die Ziegen. Foto: Ivana Biscan

Grenzen setzen dürfen die Teilnehmer ihnen aber schon. Was angesichts ihrer Angewohnheit, fremde Besitztümer anzufressen, eine Form von Notwehr ist. Aus demselben Grund bedürfen aber auch die Ziegen des Schutzes. Viele Leute kommen zur Weide und füttern die Tiere – leider auch mit unbekömmlichen Nahrungsmitteln. „Brot zum Beispiel bringt den Pansen durcheinander“, sagt Sylvia Kurtar, die demnächst Warnschilder am Zaun aufstellen will.

In Indien hat sie jahrelang Yoga gelernt und erfahren, dass viele Yoga-Positionen von der Natur und von Tieren inspiriert sind. Nur die Yoga-Position „Ziege“, die gibt es ihres Wissens bislang nicht.

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