OBERPLEICHFELD

Eine neue Baumallee für die Kreisstraße

Im Jahr 2000: Die Birnbaumallee an der Straße zwischen Oberpleichfeld und Seligenstadt war einst ein mächtiges Naturdenk... Foto: ArchivRainer Weis

Voller Wehmut denken die Oberpleichfelder an ihre landschaftsprägende ehemalige Birnbaumallee, die die Kreisstraße nach Seligenstadt säumte. Dort standen bis 2006 mehr als 100 mächtige Bäume. Sie prägten die Landschaft im nördlichen Landkreis Würzburg wie kein anderes Naturdenkmal.

Doch mit dem Feuerbrand, eine von Bakterien ausgelöste Baumkrankheit, kam das Ende der Allee. Auf dringenden Rat der Aufsichtsbehörde wurden Anfang 2006 nach und nach die kranken Bäume entfernt. Immer verbunden mit der Hoffnung, dass dieses Naturdenkmal wieder hergestellt wird. Viele Bürger, Landrat Eberhart Nuß und Kreisräte waren in der Folgezeit bestrebt, entlang der Straße neue Birnbäume zu pflanzen. Im Haushalt 2007 wurden vom damaligen Landrat Waldemar Zorn dafür sogar 93 000 Euro eingestellt.

Der Gemeinde Oberpleichfeld wurde mitgeteilt, dass zur Aufrechterhaltung einer verkehrssicheren Straße die Neuanpflanzung mindestens 7,5 Meter vom Fahrbahnrand entfernt sein muss, damit ausladende Äste den Verkehr nicht beeinträchtigen. Die Gemeinde hat zwar parallel zur Straße auf der ganzen Länge einen Anwandweg (Feldweg) von 3,5 Meter Breite, aber um die 7,5 Meter einzuhalten, reicht dies nicht aus. Der Rat des Landrats war: „Mit den Landwirten die Situation besprechen und sie bitten, doch einen Teil ihres Ackers zu verkaufen, um die nötige Breite für eine Neuanpflanzung zu erhalten“.

Die Landwirte lehnten mit der Begründung ab, dass der Quadratmeterpreis von 3,50 bis 4,50 Euro zu gering sei. In dieser Diskussion schlug Landwirt Gregor Weißenberger dann vor, linksseitig entlang der Straße eine kleine Flurbereinigung anzustreben und dabei den Feldweg in der nächsten Länge aufzulassen. Zusammen mit dem vorhandenen Erdweg entlang der Straße würden so rund sieben Meter für die Neupflanzung entstehen. Auch dieser Vorschlag hatte einen schweren Stand, denn die Landwirte wollten den hinteren Feldweg nicht wegfallen lassen.

In den Folgejahren wurde von allen Seiten – Landratsamt, Gemeinde und politischen Gruppierungen – immer wieder dieses Thema aufgegriffen und auf einen Vollzug gedrängt. In jüngster Zeit kam noch ein gewichtiges Argument der Landwirte hinzu, das da hieß: Im Zuge des Radwegs nach Bergtheim wurden für einen Teil des Weges 20 Euro pro Quadratmeter gezahlt und soviel wollen wir im Zuge der Gleichbehandlung auch. Das wären bei einer Breite von fünf Meter und einer Länge von zwei Kilometer 200 000 Euro.

Bürgermeister Raimund Hammer hat nun zu einem Ortstermin eingeladen, um neue Möglichkeiten auszuloten. Dazu kamen die stellvertretende Landrätin Karen Heußner mit Mitarbeitern aus dem Amt, Matthias Geiz vom Staatlichen Bauamt Würzburg und Kreisräte nach Oberpleichfeld.

„Wir sollten noch einmal wegen des Landerwerbs mit dem Landrat reden.“
Christoph Hammer Gemeinderat

Hammer skizzierte die derzeitige Lage und dass er von den Landwirten bisher nur ein „Nein“ zum Erwerb von Ackerflächen erhalten habe. Denkbar wäre auch nur einen Teil der Birnbaumallee wieder anzupflanzen.

Geiz sagte: „Es ist eigentlich egal, wie die Abstände von Baumgruppe zu Baumgruppe sind, denn es muss im jedem Fall der Abstand Baum zum Straßenrand eingehalten werden. Denn die Statistik zeigt, dass etwa 16 Prozent aller Verkehrsunfälle direkt oder indirekt im Zusammenhang mit Bäumen stehen. Deshalb sind wir von der obersten Straßenbaubehörde aufgefordert, den Abstand Baum zur Straße einzuhalten.“ Rainer Künzig, Kämmerer des Landkreises, meinte, „es liegt nicht an uns, die Wiederanpflanzung zu organisieren, denn der Landkreis hat die damalige Finanzierung mit 93 000 Euro fortgeschrieben und heute stehen für diese Maßnahme rund 150 000 Euro im Kreishaushalt.“

Eigentlich ist es Sache der Gemeinde, dafür zu sorgen, dass im Zuge des Landerwerbs die an der Straße angrenzenden Landwirte von der Maßnahme überzeugt werden. „Den Rest machen wir und stehen zu unserem Versprechen, die Wiederanpflanzung durchzuführen“, so Künzig weiter.

Gemeinderat Franz-Josef Hartlieb stellte die Frage: „Kann die Situation umgangen werden, wenn auf der ganzen Länge eine Leitplanke zwischen den Bäumen und der Straße angebracht wird?“ Dazu Künzig: „Die Kosten wären immens. Rechnen wir die Länge mit 2000 Meter mal 80 Euro pro laufenden Meter, dann wissen Sie genau, was dabei heraus kommt und sie haben immer noch die überhängenden Äste der Bäume, die in die Straße reichen und dabei den Verkehr behindern. Also so geht das nicht“.

Gemeinderat Christoph Hammer machte den Vorschlag, „wir sollten noch einmal wegen des Landerwerbs mit dem Landrat reden“. Künzig rät der Gemeinde eine Versammlung mit allen Landwirten einzuberufen und dabei die Situation klären, unter welcher Voraussetzung sie an die Flächen kommen kann. Danach sollte die Gemeinde nochmals einen Antrag stellen, inwieweit sich der Landkreis an den höheren Kosten für den Landerwerb beteiligt.

Karen Heußner schlug eine konzertierte Aktion vor. Grundbesitzer, Gemeinde, Landkreis, Flurbereinigungsamt und Naturschutzbehörden müssten sich zusammen setzen und die Finanzierung als auch die Machbarkeit ausloten. Allerdings müsste, um Bewegung in die Sache zu bringen, die Gemeinde den ersten Schritt tun.

Diese Idee wurde von den Beteiligten gutgeheißen und man war sich letztlich einig, dass alles versucht werden soll, das Naturdenkmal Birnbaumallee wieder herzustellen.

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