GEROLDSHAUSEN

Einkaufen und Kaffeetrinken im Dorfladen

Verkäuferin Lea Jahn im Einsatz im Dorfladen Geroldshausen. Foto: Johannes Kiefer

Eigeninitiative ist wichtig, sie kann vieles bewirken. So war es beim Dorfladen in Geroldshausen (Lkr. Würzburg). Wenn die Initiatoren geahnt hätten, was alles auf sie zukommt, hätten sie vielleicht nicht so gehandelt. Doch eine gute Idee bewirkt auch Gutes.

Ende 2017 war Schluss mit dem Gemischtwarenladen mit Bäckerei in Geroldshausen. Nach 110 Jahren hat Berthold Heunisch den Familienbetrieb geschlossen. Eigentlich war das Geschäft aus Geroldshausen gar nicht wegzudenken, doch Berthold Heunisch musste krankheitsbedingt aufhören.

Den Menschen in Geroldshausen fehlt der Lebensmittelmarkt, in dem es alles gab und auch die Bäckerei. Es wurde überlegt, was man machen könnte, um die Bevölkerung wieder vor Ort zu versorgen. Es wurde viel geredet und diskutiert. Drei Familien nahmen es in die Hand, und so entstand die Initiative für einen Dorfladen. Es wurden Informationen eingeholt, eine Unterschriftenaktion gestartet, das Projekt im Gemeinderat vorgestellt und eine Infoveranstaltung, zu der viele Bürger kamen, abgehalten.

Und so langsam kam Schwung in die Aktion. Berthold Heunisch unterstützte das Projekt und vermietete die Räume extrem günstig. Auch die Gemeinde zog mit und stellte 30 000 Euro Startkapital zur Verfügung. Doch damit verknüpft war der Anspruch, dass genauso viel Kapital von den Geroldshäuser Bürgern aufgebracht werden sollte. Und es haben sich viele bereiterklärt mitzumachen. Es wurden Erklärungen abgegeben und beim Notar eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) eingetragen. Und das Geld kam auch zusammen. Nach nur einigen Wochen waren bereits 17 000 Euro als Einlage auf dem Konto des Dorfladens eingegangen.

Unterstützung fanden die Initiatoren auch bei Berthold Heunisch, der ihnen wertvolle Informationen über den Verkauf lieferte. Er stattete sie mit Zahlen aus, so dass man wusste, was eingekauft werden muss und was die Kunden wollen. Es musste renoviert werden, was auch ein Kraftakt war. Aber viele Bürger, vor allem ältere Menschen, unterstützten das Projekt und boten Hilfe an, denn auch sie wollten das Geschäft in Geroldshausen erhalten.

Der Dorfladen, der mit viel Eigeninitiative entstand, bietet auch einen sozialen Aspekt. Da es im Ort keine Gaststätte mehr gibt, ist er auch eine Begegnungsstätte für Jung und Alt.

Man kauft ein, trifft sich, trinkt Kaffee, holt sich seine frischen Backwaren, die Kinder können im Dorf wieder selbst einkaufen und auch so den Wert des Geldes kennenlernen. Die drei Familien, die den Dorfladen auf den Weg gebracht haben, hatten einige Hürden zu überwinden. Doch der Dorfladen konnte am 24. Dezember 2018 eröffnet werden.

Es lief eigentlich auch anfangs alles gut. Aber dann kamen Schwierigkeiten. Die Kunden waren nicht mit den Backwaren zufrieden. Also musste ein neuer Bäckerlieferant gefunden werden. Dazu kam, dass der Warenlieferant in Konkurs ging. Es war nach dem tollen Start eine sehr schwierige Phase. Aber die drei Familien haben sie gemeinsam gemeistert. Der Dorfladen wird sehr gut angenommen. Es sind sechs Personen in Teilzeit beschäftigt. Aber es würde ohne die ehrenamtlichen Helfer nicht funktionieren. Zwölf Personen sind regelmäßig mit dabei und opfern ihre Freizeit, aber es gibt auch andere, die immer mal wieder mithelfen, damit der Dorfladen funktioniert. Es war ein harter Start gewesen. Es mussten Erfahrungen gesammelt und die Abläufe optimiert werden. Aber es ist tatsächlich gelungen.

Der Dorfladen ist inzwischen auch zum Senioren- und Frühstückstreff geworden. Die Kinder sind gerne unterwegs und holen sich Süßigkeiten oder auch ein Eis. Die ehrenamtliche Arbeit hat sich tatsächlich für die Bürger gelohnt. Ab 6 Uhr ist der Laden (außer Dienstag und Donnertag), geöffnet, was für Handwerker und Arbeiter ideal ist. Da findet man in der warmen und in der kalten Theke verschiedene Leckereien auch für Vegetarier.

Geöffnet ist der Dorfladen von 6 bis 12.30 und von 15 bis 18 Uhr. Dienstag und Donnerstag ist geschlossen. Am Samstag ist von 7 bis 12 Uhr geöffnet.

Der Dorfladen in Geroldshausen wird überwiegend von ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben. Die Crew von links nach rechts: Armin Gardill, Elvira Danch, Katrin Huber, Beatrix Gardill, Daniela Bouveret, Petra Steinbach, Christopher Bouveret, Christiane Golinski-Linke, Sander Linke Foto: Johannes Kiefer

Rückblick

  1. Preisträger Aktion Zeichen setzen: „Wertschätzung für unsere Arbeit“
  2. Aktion "Zeichen setzen": Applaus für die Rosa Hilfe
  3. Rosa Hilfe Würzburg: "Wir nehmen jedes Anliegen ernst"
  4. Fußballturnier für Kinder der Intensivstation
  5. 50 Jahre Seniorenkreis: Der Donnerstag als Höhepunkt der Woche
  6. Die Rettung altgedienter Haushaltshelfer
  7. Bad Königshöfer Promiband schunkelt für einen guten Zweck
  8. Ehrenamtliche helfen, damit der letzte Wunsch in Erfüllung geht
  9. Einkaufen und Kaffeetrinken im Dorfladen
  10. Der lange Atem der Auber Museumsmacher
  11. Hospizarbeit: Zeit schenken, zuhören und da sein
  12. Engagement für Herzensthemen
  13. Selbst aktiv werden für die Integration
  14. Erkennen, was Leben mit Behinderung heißt
  15. Ein wirklich vorbildliches Kirchturm-Denken
  16. Wunderbare Anerkennung für die Arbeit
  17. Landesbischof Bedford-Strohm begeistert die Ehrenamtlichen
  18. Viele Wege, anderen zu helfen
  19. „Wir wären nichts ohne das Ehrenamt“
  20. Gelebtes Miteinander im Café Diwan
  21. Betreuung mit Liebe und Zuwendung
  22. Ein „Buntes Netz“ der Hilfsbereitschaft
  23. Fränkische Passionsspiele: Eine Gemeinschaft von Freiwilligen
  24. Die helfenden Hände aus Mittelsinn
  25. Aus Liebe zum Leben: Ehrenamtliche begleiten gehörlose Sterbende
  26. Damit die Angst nicht siegt
  27. Wo man sich aussprechen kann
  28. Das Motto: Kümmern ums Landjugendhaus
  29. Zwei Frauen werden Freundinnen
  30. Ehrenamtliche stemmen ein ganzes Festival
  31. Gospelchor: Mehr als mitreißende Rhythmen
  32. Unterm Strich: Frittierte Sonnenstrahlen
  33. Aktion Zeichen setzen: Helfen, weil es Freu(n)de macht
  34. Aktion Zeichen setzen würdigt Ehrenamt
  35. Mutter Beimer: "Mir wurde geholfen, ich habe geholfen"
  36. Wozu wir den Wald brauchen
  37. Kreativwerkstatt für Selbermacher
  38. Ratgeber mit Erfahrung
  39. Waldbad Lengfurt: Ehrenamtlich zu Freibad-Experten werden
  40. Drei Seniorinnen kochen für alle
  41. Der Kampf gegen eine tückische Krankheit
  42. Ein Betrieb mit 150 freiwilligen Mitarbeitern
  43. Die Begeisterung verbindet
  44. Wildromantisches Paradies im Stadtgebiet
  45. Jeder geht seinen eigenen Jakobsweg
  46. Garten der Kulturen und der Begegnung
  47. Die „Lesehörnchen“ kommen ans Krankenbett
  48. Damit die fränkische Mundart bewahrt wird
  49. „Projekt Würzburg“: Spenden sammeln für soziale Aufgaben
  50. Aktion Zeichen setzen: Die Freude der Preisträger

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Geroldshausen
  • Uschi Merten
  • Begegnungsstätten
  • Bäckereien und Konditoreien
  • Bürger
  • Familien
  • Gaststätten und Restaurants
  • Handwerker
  • Kinder und Jugendliche
  • Kunden
  • Senioren
  • Vegetarier
  • Zeichen setzen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!