Giebelstadt

Einmal Pilot sein

Blick vom Tower auf das Flugfeld Giebelstadt, das sich die zivile Luftfahrt und der Flugsportclub teilen.
Blick vom Tower auf das Flugfeld Giebelstadt, das sich die zivile Luftfahrt und der Flugsportclub teilen. Foto: Matthias Ernst

Mit 20 Teilnehmern aus der Region und dem angrenzenden Baden-Württemberg war der zweite  Schnuppertag des Flugsportclubs Giebelstadt ausgebucht. Bereits seit 1952 kann man auf dem Flugplatz in Giebelstadt mit dem Flugsportclub in die Luft gehen. Mit Segelflugzeugen. Anders als bei anderen Flugsportclubs erfolgt der Weg in die Luft nicht über ein motorgetriebenes Zugflugzeug, sondern über einen Windenstart. Das erfuhren die Teilnehmer des Schnuppertages. Sie wollten "einen Tag als Pilot" erleben, fühlen wie es ist, nur vom Wind getragen zu werden.

In der Vorbereitung hatten sich die über 60 aktiven Mitglieder des Vereins Gedanken gemacht, wie man das Fluggefühl am besten vermitteln kann. Vor allem jüngere Menschen sollten angesprochen werden. Es ging darum einen Eindruck von einem regulären Flugtag zu verschaffen und die Teilnehmer für den Flugsport zu begeistern.

Denn zu einem Flug gehört mehr als das bloße Abheben, Fliegen und Landen. Vor allem Teamwork ist gefragt, sei es bei der Bereitstellung der Flugzeuge aus dem Hangar, der Sicherheitsüberprüfung oder der Startvorbereitung. Rund 1600 Windenstarts werden jährlich durchgeführt. Auch dafür braucht man Personal, das ehrenamtlich arbeitet. Die Winde muss bedient, das Zugseil zum Segelflieger gebracht werden und dann muss das Flugzeug ausgerichtet und gehalten werden, bis es zum Start geht.

Durch die starke Zugkraft der Eigenkonstruktion der Winde hebt das leichte Segelflugzeug schon nach wenigen Metern ab und steigt gen Himmel. Dann klinkt das Zugseil bei 500 bis 900 Metern aus.  Moderne Segelflieger benötigen nur eine geringe Thermik, um sich in die Luft zu schrauben.

Trotzdem hat jeder Pilot die Wetterkarte studiert für die Strecke, die er fliegen möchte. Unliebsame Überraschungen sollen möglichst ausgeschlossen werden. Sicherheit ist das oberste Gebot beim Fliegen, erfuhren die Teilnehmer des Schnuppertages, und Präzision.

Bereits ab 14 Jahren kann man mit der Ausbildung beginnen, die einen Theorieteil beinhaltet und Flüge zusammen mit einem Fluglehrer. Erst wenn die sitzen, kommt es zu Alleinflügen mit den vereinseigenen Flugzeugen, immer unter Aufsicht und Kontrolle vom Boden aus. Zum Schluss erfolgt eine Prüfung und eine Lizenzausstellung, nachdem ein speziell ausgebildeter Flugarzt die Tauglichkeit festgestellt hat.

Doch damit ist noch nicht das Ende erreicht. Wie nach jeder Ausbildung kommt erst im Laufe des Übens die Routine und damit die Tauglichkeit für Streckenflüge. Segelflug wird also nie langweilig und die Gemeinschaft in Giebelstadt ist eingeschworen. Man kennt sich seit vielen Jahren, ist aber für neue Mitglieder immer offen. Auch deshalb organisieren die Giebelstadter die Schnupptertage.

Neben der Möglichkeit von zwei Rundflügen im Zweisitzer konnten die Teilnehmer auch den Tower besichtigen und die Flugzeughallen und die Feuerwache des zivil genutzten Flugplatzbereiches kennenlernen. Vor allem das Löschfahrzeug beeindruckte, kann man solche Fahrzeuge sonst nur auf den großen Verkehrsflughäfen sehen.

Doch auch die Flugzeughalle, das einzig erhaltene Gebäude aus den 1930er Jahren war einen Blick wert. Die Teilnehmer des Schnuppertages waren begeistert und mehrere überlegten ernsthaft dem Verein beizutreten und den Segelflugsport zu erlernen. Das sei übrigens nicht so teuer, wie man annehmen könnte. Durch die Vereinsstruktur könne sich fast jeder dieses Hobby leisten.

Informationen zum Club und den Möglichkeiten des Segelfliegens: www.fscg.de.

Segelflug ist Gemeinschaftsarbeit. Da muss jeder mithelfen, bis das Flugzeug endlich abheben kann
Segelflug ist Gemeinschaftsarbeit. Da muss jeder mithelfen, bis das Flugzeug endlich abheben kann Foto: Matthias Ernst
Sollte es zu einem Flugunfall kommen, steht ein professionelles Löschfahrzeug zur Verfügung. Es beschleunigt trotz der enormen Größe von null auf 80 in nur 26 Sekunden
Sollte es zu einem Flugunfall kommen, steht ein professionelles Löschfahrzeug zur Verfügung. Es beschleunigt trotz der enormen Größe von null auf 80 in nur 26 Sekunden Foto: Matthias Ernst
Die Landung  steht bevor.
Die Landung steht bevor. Foto: Matthias Ernst
Wenn das Zugseil ausklinkt (mit Landefallschirm), kann man mit dem Segelflugzeug frei über die Erde gleiten.
Wenn das Zugseil ausklinkt (mit Landefallschirm), kann man mit dem Segelflugzeug frei über die Erde gleiten. Foto: Matthias Ernst

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