HELMSTADT

Elisabethen-Verein: Auflösung abgewendet

Acht der elf Vorsitzenden des Elisabethenvereins Helmstadt: (vorne, von links) Annette Wander, Tanja Lober und Siglinde Kees sowie (hinten, von links) Pfarrer Berthold Grönert, Marion Kaufmann, Sonja Höcher, Inge Gernhardt, Caroline Hetzer. Foto: Mechtild Buck

Die drohende Auflösung des Elisabethen-Vereins Helmstadt, Träger der örtlichen Kindertagesstätte, ist abgewendet. Nachdem zwei Vorstandswahlen mangels Kandidaten gescheitert waren, kam nun nach zähem Ringen eine Lösung zustande: Der Verein wird künftig von elf gleichberechtigten Vorstandsmitgliedern geführt.

Das neue Team formierte sich Anfang Mai. Neben dem bisherigen Vorsitzenden, Pfarrer Berthold Grönert, und seiner Stellvertreterin Gwendolyn Bender gehören ihm an: Inge Gernhardt, Sigrid Kraft-Wander, Julia Rappelt, Marion Kaufmann, Caroline Hetzer, Tanja Lober, Annette Wander, Sonja Höcher und Siglinde Kees.

Grönert rechnet damit, dass es noch etwa ein halbes Jahr dauert, bis sich das Team formiert und die Aufgaben verteilt hat. „Der Kindergarten ist ein mittelständisches Unternehmen mit 15 Angestellten“, verdeutlichte er auf Anfrage der Redaktion. Die Teamlösung habe er „aus der Not heraus entwickelt“.

Bei der ersten Versammlung Anfang des Jahres traten Bender und Kassiererin Sigrid Kraft-Wander aus beruflichen und privaten Gründen nicht mehr an. Beisitzerin Marita Seidenspinner schied nach langjähriger Zugehörigkeit ebenfalls aus. Jedoch hatte sich sich niemand bereit erklärt, die Führung des Vereins zu übernehmen.

Daran änderte sich auch nichts beim zweiten Anlauf Ende April: Wieder wollte keiner der rund 20 anwesenden Mitglieder für den Vorsitz kandidieren. Daraufhin schlug Grönert als Alternative vor, ein Vorstandsteam solle sich die Aufgaben nach ganz neuer Absprache teilen.

Ohne Vorstand, so hatte er deutlich gemacht, wäre der Verein handlungsunfähig. In diesem Fall müsse er binnen eines Monats eine erneute Versammlung einberufen, zu der mindestens 15 Prozent der 135 Mitglieder erscheinen müssten, um die Auflösung zu beschließen.

Für diesen Fall würde die Gemeinde nach einem neuen Träger suchen, hatte Bürgermeister Edgar Martin, der ebenfalls Vereinsmitglied ist, ergänzt. Dieser müsse frei-gemeinnützig anerkannt sein. Falls sich kein Träger fände, würde die Gemeinde selbst den Kindergarten übernehmen. Ein frei-gemeinnützige Träger aber habe rechtlich Vorrang vor der Gemeinde, hatte Martin betont.

Angesichts dieses drohenden Damoklesschwertes nahmen sich einige Frauen der Team-Gründung an. Bei der ersten Besprechung am 4. Mai wurden dann die elf Vorstandsmitglieder benannt, die in den nächsten drei Jahren die Geschicke des Vereins bestimmen sollen.

Bürgermeister Martin hatte sich bei der Jahresversammlung Ende April ausdrücklich beim bisherigen Vorstand bedankt, insbesondere bei Bender für die vorbildliche Arbeit: „Mein großes Kompliment geht an Frau Bender, sie hat ihre Arbeit sehr, sehr glänzend vollbracht.“

Ein weiteres Thema war der defizitäre Haushalt gewesen. Laut Kassiererin Sigrid Kraft-Wander wies die Jahresrechnung 2016 ein Minus von real 16 000 Euro auf. Hauptgrund seien die hohen und stetig steigenden Personalkosten. In diesem Jahr sind 100 000 Euro mehr zu erwarten. Die Gründe dafür liegen laut Bender vor allem darin, dass mehr kleine Kinder betreut werden und deren Betreuung personalintensiver ist. Auch Gehaltserhöhungen spielen eine Rolle.

„Wir werden den Kindergarten, so wie er im Moment läuft, nicht ohne Defizit fahren können“, hatte Grönert erklärt und mögliche Lösungen aufgezeigt: kürzere Öffnungszeiten, weniger Personal oder günstigere Kräfte (etwa auf 450-Euro-Basis), Die Eltern buchen mehr Zeiten oder zahlen höhere Beiträge. Bezüglich des Defizits von 2016 habe man bereits einen Übernahme-Antrag bei der Gemeinde gestellt.

Die Gemeinde lehne eine feste Defizitvereinbarung nicht grundsätzlich ab, hatte Martin signalisiert. Bisher sei diese nicht nötig gewesen. Die Gemeinde sei zu Verhandlungen bereit, eine Übernahme des gesamten Defizits sei aus rechtlichen Gründen jedoch nicht möglich.

Laut Bender arbeiteten 2015 fünf Erzieher, sechs Kinderpfleger, drei Vollzeitkräfte und eine Reinigungskraft in der Einrichtung, drei Erzieherinnen waren in Elternzeit. 2016 waren es fünf bis sechs Erzieher, sechs bis sieben Kinderpfleger, drei Vollzeitkräfte und zwei Reinigungskräfte sowie drei Erzieherinnen in Elternzeit. Derzeit sind sechs bis sieben Erzieher, sechs bis sieben Kinderpfleger, vier Vollzeitkräfte und zwei Reinigungskräfte tätig, zwei Erzieherinnen in Elternzeit.

Besuchten 2015 im Schnitt 57 Kinder die Kindertagesstätte (davon 15 bis 17 Krippenkinder), waren es in den folgenden Jahren 97 (davon 40 Krippenkinder) beziehungsweise 89 (davon 24 Krippenkinder). Vor zwei Jahren wurden zudem 35 Schulkinder betreut, was seit 2016 nicht mehr angeboten wird.

Bender betonte, dass in diesem Jahr voraussichtlich alle angemeldeten Kinder angenommen werden können.

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