KÜRNACH

Entfachtes Gemäuer und Wolkenbügel

Raum für Gewerbe, eine Hebammenpraxis oder ein Tagescafé: An Ideen für die Nutzung des leer stehenden Kürnacher Anwesens in der Bergstraße 4 mangelt es nicht. Foto: Gemeinde

Wolkenbügel, entfachte Wände und Milchhäusle – solche Ideen kommen Architekten, setzen sie sich drei Tage lang intensiv mit einem Anwesen auseinander, in diesem Fall die leer stehende Bergstraße 4 in Kürnach. Der 513 Quadratmeter große Hof, nahezu identisch auf dem Kürnacher Ortsplan aus dem Jahr 1840 zu finden, war Gegenstand einer Planungswerkstatt. Drei Architekturbüros zogen dafür gemeinsam in das vorübergehende Planungsbüro in die Höllberghalle ein. Angeregt hatte diese Ideenwerkstatt Manfred Grüner von der Regierung von Unterfranken. Bürgermeister Thomas Eberth (CSU) und die Gemeinde Kürnach hatten den Vorschlag des Verantwortlichen für die Städtebauförderung bereitwillig aufgegriffen.

Die meisten Architektenwettbewerbe sehen anders aus, erläuterte Thomas Wirth, Moderator vom Büro arc.grün, am Samstagnachmittag bei der öffentlichen Präsentation der Ergebnisse vor rund 50 Interessenten. Meist sei die gewünschte Nutzung vorgegeben, die Anforderungen an das konkrete Raumprogramm klar umrissen.

In Kürnach war das anders. Vorgegeben war hier quasi nur der Altbestand. Gefragt waren Vorschläge, was davon man erhalten kann oder sollte, welche Funktionen oder Nutzungsmöglichkeiten denkbar seien. Das Ganze sollte sich zudem wirtschaftlich und zeitnah umsetzen lassen, möglichst barrierefrei erschließen und einpassen in die Umgebung. Denn die Bergstraße 4 weitet die neue Ortsmitte auf zu einem Dreieck, mit den bereits sanierten Eckpunkten an Rathaus und Kirchberg.

Neben ersten Ideen aus Gemeinderat und Verwaltung gab es auch erste Interessenten für Teile des Anwesens. Weitere kamen im Rahmen der Planungswerkstatt hinzu. Neben dem Wohnen steht der Einzug einer Hebammenpraxis im Raum. Auch ein kleines Tagescafé scheint möglich. Diese Funktionen, lautete die Vorgabe an die beteiligten Architekten, sollten ihre Entwürfe ermöglichen, aber trotzdem flexibel bleiben für eventuell anderes.

Statt einer Preisvergabe entscheidet am Ende der Gemeinderat über das weitere Vorgehen, nach der abschließenden Beurteilung der Jury. Diese wird am Freitag, 23. März, öffentlich bekannt gegeben und während der Osterferien im Rathaus ausgestellt. Umsetzen lassen sich auch Kombinationen der verschiedenen Entwürfe.

Um neben der Kreativität der Fachleute auch die Wünsche von Bürgern einzubeziehen, standen die Türen der Werkstatt in der Höllberghalle jedermann offen.

Neben der Jury, die in der Planungsphase Anregungen gab und Entwürfe diskutierte, konnten sich so auch die Kürnacher selbst an dem Prozess beteiligen. Das Interesse daran, bedauerte Ullrich, sei aber eher gering gewesen.

Zumindest bei der Abschlusspräsentation allerdings gab es Feedback. Erwärmen konnten sich die Kürnacher beispielsweise für die Idee des Büros Dold & Versbach (Gerbrunn), die alte Fachwerkscheune an der Straße stehen zu lassen, aber durch ein Haus-in-Haus-Prinzip und das Entleeren (Entfachen) des historischen Fachwerkgebälks eine Art Laubengang und damit den bisher fehlenden Gehweg zu schaffen.

Auch der Wolkenbügel des Büros WTJ plan 3 (Creglingen) fand Befürworter. Der als Ferienwohnung nutzbare Holz-Glas-Quader auf einer Stelze - als Ersatz für die Holzlege entlang der Straße - schaffe ebenfalls mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer. Beifall fand auch dessen Vorschlag, durch das Nutzen der Topografie sieben Stellplätze zu schaffen.

Die Idee für ein neues Milchhäusle - als Ersatzneubau für den Schweinestall aus den 1960er Jahren - hatte das Büro Georg Redelbach Architekten (Marktheidenfeld). Dort, so die Idee, könne Raum sein für Gewerbe, ein (ehrenamtliches) Café oder einen anders gearteten Treffpunkt.

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