Entsetzt über Sex-Comic auf Party

Kleinrinderfeld - "Feiern junge Leute jetzt so?" - Brigitte M. ist entsetzt. Die 38-Jährige hat am Wochenende eine öffentliche Party in der Mehrzweckhalle in Kleinrinderfeld besucht.

Was sie dort gesehen hat, macht sie sprachlos: Auf zwei Leinwänden liefen Comics mit Sexszenen, auf die Bühne wurde mit einem Lichtstrahl das Wort "Ficken" projiziert. Das Motto der Party: "November Vibrations". Veranstalter: der örtliche Verein "Musiktreff". "In dem Comic waren immer wieder richtige Sexszenen zu sehen: Sex in allen Stellungen, auch Oralsex", erzählt Brigitte M., die namentlich nicht in der Zeitung genannt werden will. "Erst habe ich noch gedacht: Was ist das? Pokémon?" Doch dann sei es im Zeichentrickfilm richtig zur Sache gegangen. "Anfangs habe ich noch gelacht und den Kopf geschüttelt" sagt sie. Dann hat sie versucht nicht mehr hinzuschauen. Das sei aber unmöglich gewesen, weil der Film groß auf zwei Leinwänden links und rechts des DJ-Pults gezeigt wurde. "Das wurde den Leuten regelrecht aufgedrängt", so Brigitte M.

Unnötig

Dabei sei das alles gar nicht nötig gewesen. "Die Stimmung war gut. Die Jugendlichen wollten Party machen. Sie haben nicht auf die Leinwand gestiert, eher verschämt gelächelt." Als sie gegen 22.30 Uhr mit zwei Freunden in der Mehrzweckhalle ankam, seien auch Jugendliche unter 18 Jahren dort gewesen. "Auch wenn ich 38 bin, ich geh immer noch weg, zum Beispiel in den Zauberberg in Würzburg. Aber so etwas hab' ich noch nicht gesehen", sagt sie. Sie und ihre Freunde hätten gar keine Lust mehr gehabt zu feiern. Gegen 1 Uhr fuhren sie nach Hause. "Wir waren entsetzt. Ist so etwas heutzutage üblich?" Das sind handelsübliche Manga-Comics gewesen, erklärt Timo Niederprüm, der Vorsitzende des Musiktreffs und Mitveranstalter der Party, auf Anfrage dieser Zeitung. Die Videos mit den japanischen Comics seien bereits bei den "November Vibrations" 2004 gezeigt worden. "Die Comics sind ab 16 Jahren freigegeben und wurden erst ab 24 Uhr gezeigt", so Niederprüm. Um Mitternacht hätten alle unter 18 Jahre die Veranstaltung verlassen müssen. Das sei streng kontrolliert worden. Vorher seien nur Werbung, Disney-Filme und Action-Szenen gezeigt worden. Ob in den Manga-Comics wirklich so heftige Sex-Szenen zu sehen waren, kann Timo Niederprüm nicht sagen: "Ich hab nicht hingeguckt, ich hatte zu tun." Davon, dass das Wort "Ficken" auf die Bühne gestrahlt wurde, weiß er nichts. Für Licht und Videos waren die drei DJs zuständig. "Bei mir hat sich keiner beschwert. Die Leute waren total begeistert." Bei den "November Vibrations" waren heuer 1200 Besucher. Auch Eva Linsenbreder, die Bürgermeisterin von Kleinrinderfeld, war bisher fast jedes Jahr auf dieser Party. "Heuer war ich allerdings verhindert", sagt sie. "Das ist eine harmlose, gut organisierte Veranstaltung." Sie habe mit vielen jungen Leuten und Kollegen gesprochen, die dort waren, und keinem sei etwas aufgefallen. Auch ihr nicht, als sie vorletztes Jahr da war. Und da sind _ laut Auskunft von Timo Niederprüm _ bereits die gleichen Manga-Comics gezeigt worden.

Geschmackssache

"Wenn keine Minderjährigen da sind und die Filme eine Altersfreigabe haben, ist das kein Thema", erklärt Stephan Junghans, der beim Landratsamt für Jugend und Familien zuständig ist. Auf Partys und in Discos werde so etwas immer häufiger gezeigt. "Das ist keine Jugendgefährdung, sondern eine Frage des guten Geschmacks", so Junghans. "Man kann sich darüber aufregen, aber was im Fernsehen ab 23 Uhr auf den privaten Kanälen läuft, ist auch nicht besser."

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