REGION WÜRZBURG

Erst das Abc lernen, dann das Schwimmen

Nasser Unterricht: Svenja Zihsler und Lena Kalla (von links, im Wasser am Beckenrand stehend) mit Schülern sowie „Gallionsfigur“ Thomas Lurz (2. von links), OB Georg Rosenthal und SV 05-Präsident Reinhart Stumpf (rechts daneben) und weiteren Gästen. Foto: SV 05 Würzburg

„Tauch' nicht ab! Lern Schwimmen!“, heißt eine von Stadt und Landkreis Würzburg in Zusammenarbeit mit Schulbehörden, Organisationen, Vereinen und ehrenamtlichen Helfern ins Leben gerufene Aktion. Die Erprobungsphase soll im Februar beginnen. „Gallionsfigur“ ist der zehnfache Schwimmweltmeister und Silbermedaillengewinner Thomas Lurz.

Derzeit bewerben sich Grundschulklassen für die zehn Plätze auf den Startblöcken. Ist die breit angelegte Kampagne erfolgreich, sollen im Schuljahr 2013/2014 möglichst viele Grundschulklassen ins Wasser springen. Das Ziel: Jedes Kind soll am Ende der vierten Jahrgangsstufe das Jugendschwimmabzeichen in Bronze haben.

Umfragen haben ergeben, dass ein Drittel der Grundschüler nicht schwimmen kann. „Das ist die schlechte Nachricht“, sagte Oberbürgermeister Georg Rosenthal bei der Auftaktveranstaltung. Die gute Nachricht: „Schwimmen macht fit und kann Leben retten“.

Deshalb wurde unter Leitung des städtischen Schul- und Sportreferats und dem Amt für Jugend und Familie des Landkreises der „Kooperationskreis Schwimmfähigkeit“ aus der Taufe gehoben. Mit im Boot sitzen das staatliche Schulamt, Gesundheitsamt, Wasserwacht, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Kindertageseinrichtungen und Schwimmvereine.

Landrat Eberhard Nuß betonte, man wolle die große Zahl der Nichtschwimmer im Grundschulalter nicht einfach hinnehmen, sondern aktiv Gegenmaßnahmen verwirklichen. Dabei ging er durchaus selbstkritisch ans Thema heran, denn seiner Ansicht nach ist eine der Hauptursachen das „Fehlen von Schwimmflächen“. Während voraussichtlich am Ende des nächsten Sommers das von 16x8 auf 25x10 Meter vergrößerte Schwimmbad in der Ochsenfurter Realschule wiedereröffnet wird und damit die Situation verbessert, wünschte er sich ein Schwimmbad im nördlichen Teil des Landkreises.

Thomas Lurz erinnerte sich daran, dass er bei der DLRG die ersten Armzüge und Beinschläge gelernt hat und danach wegen der guten Bedingungen beim SV 05 Würzburg zum Leistungssportler wurde. „Es ist normal, Respekt vor dem Wasser – dem anderen Element – zu haben“, brach er eine Lanze für die vorsichtigen und zurückhaltenden Nichtschwimmer. Aber so wie beim Fahrradfahrens sollten sie über ihren Schatten springen und den Mut aufbringen, das Schwimmen zu lernen. „Wenn man es dann kann, lacht man nur noch über seine vorhergegangenen Befürchtungen.“

Durch „Tauch' nicht ab! Lern' Schwimmen!“ sollen Schulen, die bisher keinen Schwimmunterricht angeboten haben, motiviert werden, dies künftig zu tun. Im Idealfall erhält eine erste Klasse zehn Wasserstunden zur Gewöhnung. Dabei unterstützt ein dafür ausgebildeter ehrenamtlicher Helfer/Rettungsschwimmer die Lehrkraft. Zurzeit befinden sich schon 18 ehrenamtliche Helfer kurz vor ihrer Abschlussprüfung, weitere werden folgen.

In der zweiten Jahrgangsstufe stehen erneut zehn Schwimmstunden auf dem Stundenplan; Ziel ist es, dass alle das „Seepferdchen“ (25 Meter schwimmen) erreichen. In der dritten Jahrgangsstufe bekommen die Schüler wiederum zehn Schwimmstunden, in denen möglichst alle das Jugendschwimmabzeichen in Bronze schaffen sollten (200 Meter schwimmen, Sprung ins Wasser, Tauchen und Kenntnisse über Baderegeln).

Für Kinder, die mehr Schwimmstunden benötigen, werden nach der Pilotphase in Zusammenarbeit mit den Schwimmabteilungen der Sportvereine extra und kostenlose außerschulische Kurse angeboten. Die Sparkassenstiftungen in Stadt und Landkreis unterstützen die Aktion mit Finanzspritzen.

Mit einer breit angelegten Öffentlichkeitskampagne sollen vor allem Eltern auf die Wihtigkeit des Themas aufmerksam gemacht werden. Werbewirksame Aktivitäten wie beispielsweise die Übergabe der Schwimmabzeichen an die Kinder sind ebenso Bestandteil wie auch Schwimmfeste und Aktivitäten mit dem „Gesicht der Kampagne“ – Thomas Lurz.

Daneben unterstützt ein Kreis aus Eltern, Mandatsträgern, Sportvereinsvorsitzenden und Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft das Projekt ideell und finanziell. Außer den genannten Grundbausteinen gibt es noch weiterführende Ideen – Schwimmen für Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung – die nach Etablierung des Schulkonzepts weiter ausgebaut werden könnten.

SV 05-Schwimmkurse

Mit einem eigenen Teilprojekt beteiligt sich der SV 05 Würzburg an der groß angelegten Aktion: Der Schwimmverein arbeitet mit benachbarten Schulen im Frauenland zusammen und führt mit ihnen die Kurse selbstständig durch. „Aufgrund der jahrelangen Erfahrung benötigt der SV 05 unsere Unterstützung natürlich nicht, weshalb wir unsere Energie dort einsetzen, wo die Voraussetzungen nicht so gut sind, und die kommunale Hilfe gebraucht wird“, erklärte Senja Töpfer vom Würzburger Schul- und Sportreferat.

Rainer Griebl, Vizepräsident des SV 05 Würzburg, nannte Einzelheiten zu den Schwimmkursen, mit denen der Verein bereits begonnen hat: Zunächst stehen Lerneinheiten im nassen Element für Mädchen und Jungen der Kepler- und Goetheschule auf dem Stundenplan, danach folgen die Mönchberg- und Waldorfschule. Ab sofort gibt es Schwimmunterricht an drei Wochentagen.

Laut Griebl hat der Verein in den vergangenen fünf Jahren fast 2600 Kindern das Schwimmen vermittelt.

Nicht wasserscheu: Zum Auftakt der Aktion zeigte der SV 05-Nachwuchs, der im Verein das Schwimmen schon gelernt hat, wie eine Schwimmstunde aussehen kann. Mit von der Partie waren vorne von links C-Trainerin (weitergebildete Übungsleiterin) Svenja Zihsler mit Lili Baumeister sowie C-Trainerin Lena Kalla mit Felix Baumeister. Foto: Franz Nickel

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