Würzburg

Erste Hilfe: Wie erkenne ich, ob ein Schwimmer Hilfe braucht?

Wie rettet man Menschen vor dem Ertrinken? Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) üben Handgriffe, die im Ernstfall sitzen müssen.   Foto: Martin Lüders

Das schöne Wetter lockt die Menschen in Massen an die Badeseen der Region. Dort warten aber nicht nur Spaß und Abkühlung, es lauern auch Gefahren. Manchmal geht Ertrinken ganz schnell. Das Opfer hat gar keine Chance, groß nach Hilfe zu rufen. Es atmet Wasser statt Luft - und sinkt. "Lautloses Ertrinken" nennt das Michael Germer aus Würzburg. Germer ist der unterfränkische Bezirksvorsitzende der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft  (DLRG). Er erklärt, woran auch der Laie erkennt, ob ein Badender dringend Hilfe braucht.

Frage: Angenommen, ich schaue am Main Leuten beim Plantschen und Baden zu. Wie kann ich als Laie erkennen, ob jemand Probleme hat? Ob er vielleicht sogar kurz vorm Ertrinken ist?

Michael Germer: Wer beim Schwimmen Probleme hat – entweder wegen eines Krampfes oder wegen mangelnder Schwimmfähigkeiten– wird mit den Armen mehr in der Luft herumpaddeln als im Wasser. Das ist vom Ufer aus deutlich zu sehen. 

Mit Rettungsboje: DLRG-Bezirksvorsitzender Michael Germer gibt wichtige Tipps. Foto: Gisela Rauch

Woran merke ich, dass es ein Schwimmer nicht mehr allein ans Ufer schafft und dringend Hilfe braucht?

Germer: Der Mensch im Wasser wird mit aller Gewalt versuchen, sich über Wasser zu halten. Er wird versuchen, nach oben zu kommen, obwohl es ihn in die Tiefe zieht. Er wird also mit den Armen keine normalen Schwimmzüge machen, sondern seine Arme beschreiben unkontrollierte, kreisförmige Bewegungen. Wer das vom Ufer aus sieht, dem muss klar sein: Da braucht jemand Hilfe. Da ist jemand kurz vorm Ertrinken. Das kann schnell gehen. Wenn der Mensch unter Wasser gerät und dann dringend Luft braucht, aber nicht hochkommt, atmet er Wasser ein. Und ertrinkt lautlos. 

Was soll man als Laie in einer solchen Situation tun?

Germer: Zuerst einen Notruf absetzen! Schnell die 112 wählen und schildern, wo genau der Notfall passiert und wie viele Personen in Gefahr sind. Dann sollte man versuchen, dem Ertrinkenden einen Rettungsring oder eine Rettungsstange hinzureichen – gibt es beides nicht, sollte man sich nach einem Ast umschauen. 

Sollte man nicht selbst ins Wasser springen und den Ertrinkenden retten?

Germer: Das kommt darauf an. Man sollte sich selbst einschätzen können. Wer selbst kaum oder schlecht schwimmen kann, riskiert sein Leben. Denn Menschen in Panik entwickeln ungeahnte Kräfte. Es kann vorkommen, dass der Ertrinkende sich in seiner Angst an den Retter klammert und diesen dann mit runterzieht. Wer selbst schlecht schwimmen kann, handelt klüger, wenn er selbst nach Hilfe schreit und auf sich aufmerksam macht: Vielleicht gibt es ja einen starken Schwimmer irgendwo 50 Meter weiter. 

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Wenn ich selbst schwimmen gehe, im Main, im Badesee oder im Bad, worauf sollte ich denn besonders achten, um mich nicht selbst in Gefahr zu bringen?

Germer: Viele Menschen unterschätzen, was sie ihrem Körper antun, wenn sie nach langem Aufenthalt in der Sonne ins Wasser springen. Gerade jetzt bei den extremen Temperaturen ist der Körper stark aufgeheizt und es besteht natürlich die Gefahr, dass das auf die Pumpe geht, wenn man von glühend heißer Sonne in kaltes Wasser wechselt. Wer ins Wasser geht, soll sich vorher langsam abkühlen!

DLRG-Mitglieder patrouillieren an Sommerwochenenden regelmäßig auf dem Main. Welche Situationen sind erfahrungsgemäß besonders gefährlich? 

Germer: Wenn wir sehen, dass Leute mit Partyfloßen, Schlauchbooten oder Grillbooten auf den Main hinausfahren, dann wissen wir: Der Bootsführer hat keinen Bootsführerschein; denn Boote unter 15 PS gibt es nach einer kurzen Einweisung führerscheinfrei. Der Bootsführer hat also nicht unbedingt Erfahrung mit dem Wasser. Und Alkohol ist natürlich auf so einem Partyfloß oder Grillboot auch dabei. Also alles in allem eine nicht ungefährliche Kombination. Es gibt dann eben die Leute, die erst in der Hitze auf dem Wasser Alkohol trinken und sich dann ohne Abkühlung ins Wasser stürzen. Natürlich besteht da die Gefahr, dass sie kollabieren. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass der Bootsführer des Schlauchbootes oder Partybootes der Großschifffahrt in die Quere kommt und mitsamt Passagieren kentert. 

Ertrinken: Zahl der Opfer in Deutschland ist 2018 gestiegen
2017 sind nach Angaben der DLRG 404 Menschen ertrunken. Im Jahr 2018 mit dem besonders heißen Sommer ertranken 504 Personen. Nach Angaben der Rettungs-Gesellschaft waren drei von vier Ertrunkenen männlich. Unbewachte Binnengewässer sind laut DLRG die größte Gefahrenquelle. Drei Viertel der Ertrunkenen verloren ihr Leben in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen. 
"Leichtsinn, Übermut und Unkenntnis über Gefahren spielen dabei eine große Rolle", so DLRG-Sprecher Achim Wiese zu der hohen Zahl männlicher Ertrunkener. Senioren gehe schnell die Kraft aus, Herzprobleme oder Diabetes seien ebenfalls oft ein Problem. Darüber hinaus sei die Schwimmfähigkeit insgesamt rückläufig. Laut einer Eltern-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DLRG kann mehr als die Hälfte der Grundschüler in Deutschland nicht richtig schwimmen.

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