WÜRZBURG

Erweiterungsbau für das Fraunhofer-Institut

Ihre Bauten stehen in Metropolen wie Chicago, Doha, Mailand, Madrid, Rom, Montreal oder London. Jetzt baut das Büro der Stararchitektin Zaha Hadid – und das ist schon eine Sensation – in Würzburg.
Das Modell: Deutlich ist zu erkennen, wie der Erweiterungsbau den Verlauf der Luitpoldstraße aufnimmt. Foto: Zaha Hadid Ltd.

Und zwar den Erweiterungsbau für das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in der Luitpoldstraße am Rand der Zellerau.

Dass es von der weltweit renommierten Planerin, die 2004 den mit dem Nobelpreis vergleichbaren Pritzker-Preis gewann, keine Architektur von der Stange geben würde, war klar.

Und so wird der Fraunhofer-Neubau ein deutliches architektonisches Ausrufezeichen in Würzburg setzen.

15 Millionen Euro (ohne Innenausstattung) wird das markante Gebäude kosten, das in der Luitpoldstraße an das alte Fraunhofer-Gebäude „angedockt“ wird.

Finanziert wird der Neubau aus öffentlichen Geldern der europäischen Union, der Bundesrepublik und des Freistaats Bayern. Baubeginn wird im Juni sein.

Die Fertigstellung ist für 2012 geplant. Zaha Hadid und ihr Büro bekamen den Zuschlag für den Erweiterungsbau gemeinsam mit dem Würzburger Ingenieurbüro RAE bei einer europaweiten Ausschreibung im Winter 2008.

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Fraunhofer Institut

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Das Fraunhofer-Institut, das nach Ende des Zweiten Weltkriegs in dem markanten Klinkerbau an der Luitpoldstraße angesiedelt wurde, hat bereits 1996 und 2006 zwei Erweiterungsanbauten errichtet.

Doch jetzt leiden die Materialforscher wieder unter Platznot, denn das Institut wuchs in den letzten Jahren stetig weiter. Um Raum für die Entwicklung neuer Technologien zu schaffen, wird das Institut jetzt abermals um einen Neubau ergänzt.

Damit einher geht auch die Schaffung von 80 neuen Arbeitsplätzen, erklärt Marie-Luise Righi, zuständig für Marketing und Kommunikation im Fraunhofer Institut. Das Institut wird dann künftig 350 Mitarbeiter beschäftigen.

Der Neubau soll nicht nur ein architektonisches Glanzlicht werden, er wird auch in technischer Hinsicht modernste Standards erfüllen.

So wird zur Wärme-Kälte-Gewinnung moderne Solartechnik eingesetzt, das Raumklima wird durch eine Bauteiltemperierung unterstützt und die Lichtsteuerung erfolgt über Tageslichtsensoren und bewegungsabhängig.

Ziel ist es, Bau und Betrieb eines Laborgebäudes in dieser Größenordnung nachhaltig, also energieeffizient und ressourcenschonend zu realisieren. Deshalb sollen auch die bereits bestehenden Gebäude an die neue Technik angeschlossen werden.

In den neuen Laborräumen sollen künftig beispielsweise innovative Batterietechnologien zur Herstellung leistungsfähigerer Akkus erforscht werden. Außerdem geht es um neue Messtechniken für Keramikprozesse oder die Entwicklung neuer Materialien für die Medizindiagnostik.

Den Forschern stehen nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus dann zusätzliche 2000 Quadratmeter für Labor- und Technikumsflächen zur Verfügung.

Die Architektur


Der Entwurf des Büros Zaha Hadid beruht auf einem Prinzip, das die Entwürfe der Architektin immer wieder prägt: nämlich die Berücksichtigung der direkten Umgebung.

So nimmt der viergeschossige Baukörper den geschwungenen Verlauf der Luitpoldstraße auf und schwenkt dann auf die bestehenden Gebäude ein. Neubau und Altsubstanz werden mit einem Steg verbunden.

Außerdem entsteht an der Straßenseite ein großzügiger Vorplatz mit überdachter Zufahrt und neuem repräsentativem Haupteingangsbereich. Als Materialforschungsinstitut, das sich schwerpunktmäßig mit Glaswerkstoffen beschäftigt, wird sich der Neubau mit einer Gebäudehülle aus durchsichtigem und undurchsichtigem Glas präsentieren.

Dabei verändert sich die Eigenart der Verglasung je nachdem welche Funktionen die Fassade an einer bestimmten Stelle zu erfüllen hat.

Marie-Luise Righi sieht in dem Neubau zudem eine schlüssige Ergänzung zwischen dem architektonisch anspruchsvoll umgestalteten Heizkraftwerk auf der anderen Mainseite und dem Neubau des Vermessungsamtes in der Weißenburgstraße.

Architektur-Nobelpreis


Die Architektin Zaha Hadid wurde 1950 in Bagdad geboren. Sie studierte Architektur in Beirut und London, wo sie 1980 ihr eigenes Büro eröffnete. Zu ambitioniert waren anfangs ihre Entwürfe, mit denen sie allerdings zahlreiche Wettbewerbe gewann.

Realisiert wurde aber vorerst keine ihrer Planungen, weil sie nicht umsetzbar erschienen. Das hat sich zwischenzeitlich geändert. In Deutschland entwarf sie beispielsweise das viel beachtete BMW-Zentralgebäude in Leipzig und das Wissenschaftszentrum in Wolfsburg.

Als erste Architektin wurde Zaha Hadid 2004 mit dem Pritzker-Preis, dem Nobelpreis für Architektur, ausgezeichnet.

Die Vogelperspektive: Rechts neben dem bestehenden Fraunhofer-Institut ist der Bauplatz für die Erweiterung. Foto: K. Dobberke für Fraunhofer isc

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