Würzburg

Erzieher-Notstand: Kitas in der Krise?

Die Situation in den Kitas hat sich verschärft, es fehlt an Erzieherinnen und Erziehern. Auch in Unterfranken schlagen Betroffene Alarm. Sind Quereinsteiger die Lösung?
Viele Kinder, viele Aufgaben und viel zu wenige Erzieher: Auch in Unterfranken führt Personalmangel zu Engpässen in Kindertagesstätten. 
Viele Kinder, viele Aufgaben und viel zu wenige Erzieher: Auch in Unterfranken führt Personalmangel zu Engpässen in Kindertagesstätten.  Foto: Monika Skolimowska, dpa

Die Kindertagesstätten in Unterfranken sind proppenvoll, laut Statistischem Landesamt liegt der Landkreis Würzburg mit einer Betreuungsquote von über 40 Prozent bei Kindern unter drei Jahren bayernweit ganz vorne. Ein Anruf am Morgen reicht aus, um ein ganzes Kita-Team in Aufregung zu versetzen: Krankmeldung der Kollegin, Ausfall für eine Woche. "Wenn wir dann durch Urlaub oder Krankheit ohnehin schon dünn besetzt sind, wird es stressig", erzählt eine Kita-Leiterin aus Würzburg. Der schlimmste Fall sei zum Glück noch nicht eingetreten: die Einrichtung vorübergehend wegen Personalmangel schließen zu müssen.  

Weitere Ausfälle wahrscheinlich 

Im Jahr 2018 wurden nach Auskunft der Regierung von Unterfranken im gesamten Regierungsbezirk  55 972 Kinder in 896 Einrichtungen betreut, im Jahr zuvor waren es 54 148 Kinder in 883 Einrichtungen. "Wir arbeiten über lange Zeiträume mit weniger Erziehern als wir bräuchten. Es ist eine Frage der Zeit, bis das zu weiteren Ausfällen führt", berichtet die Kita-Leiterin. Quereinsteiger zu fördern, findet sie gut: "Wenn etwa ein Biologe einsteigt, kann das eine fantastische Bereicherung für die Kinder sein."

Doch die Abwärtsspirale ist in Bewegung: Die Anzahl der Mitarbeiter wächst nicht ausreichend mit der Zahl an zu betreuenden Kindern. Insgesamt wurden laut Statistischem Bundesamt am Stichtag 1. März 2019 in Bayern 590 901 Kinder in einer Kindertageseinrichtung betreut - gegenüber 2018 ein Plus von rund 3,2 Prozent. 

Der Fachkräftemangel, so sagt Christiane Höflein von der Kita-Fachberatung der Caritas in Unterfranken, ergebe sich insbesondere durch den Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren. Auch bei der Betreuung von Drei- bis Sechsjährigen liegt Unterfranken mit 35, 3 Prozent weit über dem bayerischen Schnitt von 28,5 Prozent. Ein Grund für die Personalknappheit ist laut Höflein das  Beschäftigungsverbot für Schwangere in Kitas, zudem arbeiteten mehr Beschäftigte in Teilzeit. Und: "Aufgrund der Arbeitsmarktsituation ist es möglich, spontan den Arbeitsplatz zu wechseln."      

Eltern buchen mehr Zeiten

Was also tun, in Zeiten, in denen die Aufgaben in Kitas durch immer mehr Krippenplätze, Inklusionskinder und Integrationsaufgaben stetig wachsen? Dass die Staatsregierung im Rahmen ihres gerade unterzeichneten "Gute-KiTa-Gesetzes" einen 100-Euro-Zuschuss nicht den Kitas für Personal zur Verfügung stelle, sondern die Beiträge für Eltern senke, führe nur zu noch mehr Problemen. Denn Eltern buchten dadurch längere Betreuungszeiten, in bestimmten Zeiträumen seien also mehr Kinder da als geplant, berichtet die Würzburger Kita-Leiterin. Zwar könne man durch eine Umverteilung der Arbeitszeit eine Betreuung gewährleisten, "doch dadurch haben wir ja nicht mehr Hände zur Verfügung". Langfristig müsse man auf Modellprojekte wie eine dreijährige Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen für Abiturienten setzen, die es auch in Unterfranken gibt. Normalerweise dauert die Erzieherausbildung fünf Jahre.           

GEW: "System der völligen Ausbeutung" 

Deutlich mehr Gehalt und eine Anhebung des Personalschlüssels – darin sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Unterfranken (GEW) den Weg zur Verbesserung der Lage. "Wir haben im Moment ein System der völligen Selbstausbeutung. Ob Krankheit oder Fortbildung, alles wird zurückgestellt", sagt GEW-Sprecher Jörg Nellen. Die Idee, Quereinsteiger für den Beruf zu begeistern, sehe die Gewerkschaft kritisch. Das sei allenfalls eine Notlösung.       

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