Würzburg

Fällt die Freibad-Saison wegen Corona ins Wasser?

Normalerweise startet im Mai der Badesommer. Unterfrankens Freibäder öffnen, an Seen herrscht Hochbetrieb. Nur: Geht das in Corona-Zeiten überhaupt? Und was, wenn nicht?
Eigentlich startet im Mai die Freibadsaison. Wegen der Corona-Krise sind derzeit allerdings alle öffentlichen Bäder in Bayern geschlossen.
Eigentlich startet im Mai die Freibadsaison. Wegen der Corona-Krise sind derzeit allerdings alle öffentlichen Bäder in Bayern geschlossen. Foto: Daniel Karmann, dpa

Die Chancen für Reisen stehen während der Corona-Krise schlecht, viele Unterfranken werden den Urlaub 2020 wohl in der Heimat verbringen müssen. Bei sonnig-heißem Wetter eigentlich kein Problem. Normalerweise startet im Mai ja auch schon die Badesaison, Freibäder öffnen, und an Ufern von Seen und Flüssen tummeln sich mehr und mehr Menschen.

Nur: Geht das in Corona-Zeiten überhaupt? Und wenn nicht, bedeutet das für finanziell klamme Schwimmbäder in der Region das Aus?

Derzeit gilt im ganzen Freistaat: Der Betrieb von Frei- und Strandbädern ist verboten. Wann sich das ändern wird, ist nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums noch nicht abzusehen. Das müsse in Abstimmung mit Experten aus den medizinischen und infektiologischen Fachbereichen entschieden werden, sagt ein Ministeriumssprecher. Sport und Bewegung an der frischen Luft sind jedenfalls erlaubt - alleine oder mit einer weiteren Person und "ohne jede sonstige Gruppenbildung", so das Ministerium. "Hierunter fällt auch das Schwimmen und Baden in einem Gewässer."

Wie hoch aber ist die Gefahr, sich beim Plantschen mit dem Coronavirus zu infizieren? "Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 in Schwimmbädern ist nicht höher als an anderen Orten im öffentlichen Raum", teilt das Landesamt für Gesundheit (LGL) mit. Das Wasser in den Becken wird laut Umweltbundesamt aufbereitet und desinfiziert. Deshalb könne man davon ausgehen, dass es auch gegen Coronaviren geschützt sei. Nur in Bädern mit biologischer Aufbereitung ohne Desinfektionsmittel könne ein gewisses Infektionsrisiko bestehen.

Dicht gedrängt auf der Wiese am Erlabrunner Badesee liegen – das ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie kaum vorstellbar.
Dicht gedrängt auf der Wiese am Erlabrunner Badesee liegen – das ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie kaum vorstellbar. Foto: Silvia Gralla

Auch wer sich in Flüssen oder Seen abkühlen will, muss keine Angst haben: Die Gefahr einer Ansteckung in natürlichen Gewässern ist aus Sicht der Experten "äußerst gering", unter anderem weil die Konzentration potenziell infektiöser Viruspartikel durch die Verdünnung im Wasser abnimmt.

Trotzdem werde es 2020 keine Badesaison wie bisher geben , sagt Michael Förster, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bayern. Handtuch an Handtuch eng beieinander auf der Wiese liegen, mit Freunden im Wasser toben – all das ist in Corona-Zeiten undenkbar. Der Mindestabstand lasse sich dabei kaum einhalten, so Förster.

"Wir haben Null Einnahmen und nur Ausgaben."
Wilko van Rijn, Geschäftsführer Wonnemar Marktheidenfeld

Du Grundsätzlich gilt daher auch bei schönstem Wetter: besser zu Hause bleiben. "Wen es allzu sehr zum Baden lockt, der sollte sich nur ausnahmsweise kurz erfrischen", sagt der DLRG-Sprecher. Und er sollte dabei Gefahren wie Steilufer oder Strömungen meiden, um keinen Rettungseinsatz zu provozieren. Auch das Ministerium empfiehlt, weiter auf Fahrten an typische Ausflugsorte zu verzichten und sich nur in der unmittelbaren näheren Umgebung im Freien zu bewegen.

Sollten die Becken den ganzen Sommer über leer bleiben, könnte das besonders für privat betriebene Bäder wie das Wonnemar in Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) fatale Folgen haben.
Sollten die Becken den ganzen Sommer über leer bleiben, könnte das besonders für privat betriebene Bäder wie das Wonnemar in Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) fatale Folgen haben. Foto: Berthold Diem

Die Prognose für Wasserratten ist in diesem Sommer also düster. Für Freibäder in Unterfranken könnte das fatale Folgen haben. Zahlreiche kommunale Einrichtungen schreiben auch ohne Corona Defizite. Viele Schwimmbäder sind sanierungsbedürftig, einige von der Schließung bedroht

Die Corona-Krise trifft nun vor allem privat betriebene Bäder hart. Beispiel Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart. "Wir haben Null Einnahmen und nur Ausgaben", sagt Wonnemar Geschäftsführer Wilko van Rijn. Fast alle Mitarbeiter sind bereits seit vier Wochen in Kurzarbeit. Von einer schnellen Wiedereröffnung geht er nicht aus. Wenn Reisen verboten bleiben und Bäder öffnen, "dann kommen Tausende und das ist nicht zu händeln". Sollte die Schließung jedoch Monate anhalten, "müssen wir gucken, wie wir über die Runden kommen". Zwar erhalten Schwimmbäder als Unternehmen die gleiche Unterstützung wie andere von der Pandemie betroffene Firmen. Ob das aber reicht, wenn die komplette Badesaison ins Wasser fällt? 

Das Dallenbergbad in Würzburg wird momentan auf eine Corona-Saison vorbereitet – ob und wann es aber wieder öffnen kann, ist nicht absehbar.
Das Dallenbergbad in Würzburg wird momentan auf eine Corona-Saison vorbereitet – ob und wann es aber wieder öffnen kann, ist nicht absehbar. Foto: Berthold Diem

Stadt und Landkreis Würzburg

In Würzburg feierte das neue Nautiland erst im November seine Eröffnung, das Dallenbergbad startet meist Anfang Mai in die Freibadsaison. Beide werden von der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) betrieben. Man hoffe auf eine Öffnung noch vor der Sommerpause, sagt Sprecherin Cornelia Wagner. Das Dallenbergbad werde derzeit vorbereitet. Wie hoch die finanziellen Einbußen in diesem Sommer sein werden, sei noch nicht absehbar. Für das Nautiland komme die Krise in jedem Fall "sehr ungünstig". Schon jetzt lägen die finanziellen Ausfälle "im sechsstelligen Bereich".

Veitshöchheims Bürgermeister Jürgen Götz hält es für "eher unwahrscheinlich, dass öffentliche Bäder in diesem Jahr öffnen können". Für seine Gemeinde, die das Geisbergbad betreibt, würde das ein Defizit bedeuten.

Stadt und Landkreis Schweinfurt

Ähnlich sieht es in Gerolzhofen im Geomaris aus. "In diesem Jahr werden wir das Freibad wohl überhaupt nicht öffnen können", sagt Bürgermeister Thorsten Wozniak. Es sei schwer zu prognostizieren, wie es weitergehe. Das Geomaris ist ein Zuschussbetrieb, die Schließung steigert das Defizit – laut Wozniak um 20 000 Euro pro Woche. Da beim Schwimmbad-Personal inzwischen alle Überstunden abgebaut seien, habe man Kurzarbeit beantragt.

Im Schweinfurter Silvana Sport- und Freizeitbad ist ebenfalls unklar, wann es wieder öffnen kann. Zu wirtschaftlichen Folgen könne noch keine Aussage gemacht werden, heißt es.

Das Bad Kissinger Terrassenschwimmbad schließt nach Angaben der Stadt jedes Jahr mit einem Defizit, auch ohne Corona.
Das Bad Kissinger Terrassenschwimmbad schließt nach Angaben der Stadt jedes Jahr mit einem Defizit, auch ohne Corona. Foto: ArchivPatty Varasano

Landkreis Bad Kissingen

Im Bäderlandkreis Bad Kissingen herrscht noch Unsicherheit, ob die Saison für das Terrassenbad und die KissSalis Therme schon vor dem Start vorbei ist. "Da spekulieren wir auch nicht", sagt Thomas Hack, Sprecher der Stadt Bad Kissingen, die das Terrassenbad betreibt. Das Freibad schließt nach Angaben von Hack jedes Jahr mit einem erheblichen Defizit. "Wie sich dieses Defizit entwickelt ohne Einnahmen und ohne einen Teil der Betriebskosten, kann man derzeit nicht seriös berechnen."

Die KissSalis Therme verzeichnete erst 2019 einen Besucherrekord. Wann sie im Corona-Jahr wieder öffnen kann, ist fraglich. Es sei aber ein Konzept entwickelt worden, um Gäste und Mitarbeiter zu schützen, sagt Betriebsleiter Richard Pucher.

Landkreis Kitzingen

Ziemlich sicher ist das Aus für die Badesaison in Volkach. Das Freibad wird nach Angaben der Verwaltungsgemeinschaft in diesem Sommer wohl nicht öffnen. Hier stehe unabhängig von Corona zunächst die Renovierung an.

Im Sommer 2019 war im Freibad in Haßfurt viel los. Heuer fürchten die Betreiber um die Badesaison.
Im Sommer 2019 war im Freibad in Haßfurt viel los. Heuer fürchten die Betreiber um die Badesaison. Foto: Johanna Heim

Landkreis Hassberge

In Haßfurt befürchtet man, dass das Freibad in die Kategorie Großveranstaltungen fällt und "damit bis mindestens 31. August kein Badebetrieb möglich ist", sagt Norbert Zösch, Geschäftsführer der Stadtwerke. Würde die komplette Saison ausfallen, rechnet Zösch mit einem Defizit von etwa 75 000 Euro. Getragen werden müsse das von Stadt und Stadtwerken gemeinsam. Eine dauerhafte Schließung müssten Wasserratten aber keinesfalls fürchten.

Landkreis Main-Spessart

Die Stadt Karlstadt hofft, wenigstens in den Sommerferien das Freibad öffnen zu können, wie Sprecherin Kornelia Winkler mitteilt: "Insbesondere da wir davon ausgehen, dass Urlaubsreisen in diesem Jahr wohl nur eingeschränkt, wenn überhaupt möglich sein werden." Die Mitarbeiter seien derzeit in Kurzarbeit, das Aus drohe dem Bad aber trotz Corona nicht.

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