WÜRZBURG

Fahrlehrer: Riesen Schilder-Durcheinander

Michael Meyer, Regionalleiter des bayerischen Fahrlehrerverbandes, und Fahrschulinhaber Claus Kerschensteiner fordern klarere Verhältnisse in Sachen Beschilderung am Mittleren Ring. Im Fokus steht das Verkehrszeichen 253 – Verbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen, ausgenommen PKW und Kraftomnibusse. Foto: Detlef Zwirner

Die neue Beschilderung auf dem Mittleren Ring sorgt weiter für Wirbel und Gesprächsstoff. Sie wurde von der Stadt auf Beschluss des Stadtrats am 1. Februar installiert. Auf diese Weise soll der Lkw-Durchgangsverkehr aus der Stadt verbannt werden, um so die Feinstaubbelastung zu vermindern. Jetzt setzt auch harsche Kritik von Seiten örtlicher Fahrlehrer ein.

Die Fahrlehrer fordern den Würzburger Stadtrat auf, so schnell wie möglich für klare Verhältnisse zu sorgen. Der Grund: Die Anordnung der Verkehrsschilder vor allem auf dem Mittleren Ring (Stadtring Süd) sowie die Vorankündigungen an den Zufahrtsstraßen sei unlogisch und nicht nachvollziehbar. „Das ist ein Riesendurcheinander und keiner blickt mehr durch,“ bilanziert Michael Meyer, Regionalvorsitzender des bayerischen Fahrlehrerverbandes.

Im Fokus steht die lasche Handhabung des Verkehrszeichens 253 – das runde Schild mit rotem Rand und Lkw-Symbol. Es sei eine stark vereinfachte Darstellung, die als „Verbot für Lkw" angesehen wird – was nicht ganz den Kern der Sache trifft. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) bedeutet das Schild: „Verbot für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 t einschließlich ihrer Anhänger und Zugmaschinen, ausgenommen Personenkraftwagen und Kraftomnibusse“.

Das heißt: Ein Durchfahrtsverbot kann zum Beispiel für Sprinter, Wohnmobile, land- oder forstwirtschaftliche Zugmaschinen, Feuerwehr- und THW-Lkw, die nicht im Einsatz sind, aber auch für Fahrschul-Lkw gelten . „Im Grund alles, was den Führerschein-Klassen C1 und T zuzurechnen ist“, so Michael Meyer weiter.

Sofortigen Handlungsbedarf in Sachen „wild wucherndem Schilderwald“ sieht auch Claus Kerschensteiner, Geschäftsführer der Verkehrsbildungszentrum Mainfranken GmbH in Unterpleichfeld. Er bringt ein Beispiel: „In Unterpleichfeld an der B19 Richtung Würzburg steht das Verbotsschild ,12t-Durchgangsverkehr gesperrt', ein paar Kilometer weiter am Greinbergknoten wird der Fahrer eines 7,5-Tonners vom Verkehrszeichen 253 überrascht (Verbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 t usw.). Der Fahrer, der bis dahin alles richtig gemacht hat, dreht gezwungenermaßen eine Runde durch den Berliner Ring oder nutzt die Wendeschleife Grombühl und fährt dann nach der Shell-Tankstelle rechts wieder auf den Stadtring auf. Da steht kein Schild – wie an jeder Zufahrt zum Ring, von der Stadt oder vom Frauenland kommend.“

„Die Fahrer wählen Ausweichrouten durch die Stadt“
Claus Kerschensteiner VBZ Mainfranken GmbH

Das gleiche Spiel umgekehrt: Auf der A3 aus Richtung Kist kommend,

Autobahnausfahrt Heidingsfeld. Hier wird man mit der Schilderfolge

konfrontiert: „Nachtfahrverbot ab 7,5 Tonnen von 22 bis 6 Uhr“. Einpaar hundert Meter weiter: „Durchfahrtsverbot für 12-Tonner“ – und dann unangekündigt an der Konrad-Adenauer-Brücke: „Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen“. Die Konsequenz: Die Fahrer biegen kurzerhand ab, wählen Ausweichrouten durch die Stadt, und belasten damit in diesem Bereich zusehends die Luft. „Und die Landwirte und Lohnunternehmer, die einmal im Jahr ihre Vollernter und Erntemaschinen umsetzen, sollen sich dann wohl nach dem Willen der Stadt durch die City quetschen“, so Claus Kerschensteiner.

Fazit der Fahrlehrer: Um klare Verhältnisse mit korrekter Beschilderung zu schaffen, die jeder Bürger versteht, müssten viel mehr Verkehrszeichen 253 mit Zusatzschildern „Lieferverkehr in Stadt und Landkreis Würzburg frei“ aufgestellt werden, und zwar an sehr vielen Stellen in Würzburg. Des Weiteren sei es notwendig, die Sperrungen frühzeitig anzukündigen, damit der Lkw-Fahrer nicht plötzlich vor der Sperrung steht und keine Ausweichalternative hat. Vorankündigungen an Autobahnen und Bundesstraßen sollten tunlichst mit der innerstädtischen Ausschilderung in Einklang gebracht bzw. abgestimmt werden.

Nach allgemeiner Einschätzung sei die frühere Verbotsregelung für Lkw ab 12 Tonnen eindeutiger und und verständlicher gewesen – wurde allerdings wenig von der Polizei kontrolliert. Einige Fahrlehrer laden gern mal die Stadträte zu einer Probefahrt mit einem Lkw ein – um die Realität live zu erleben.

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