Würzburg

Fall Fajfr: Eiskunstlauftrainer bestreitet weitere Vorwürfe 

Gegen Karel Fajfr sind weitere Vorwürfe zu Tage getreten, die der Eislauftrainer bestreitet. Laut Staatsanwaltschaft in Kempten sollen noch acht Zeugen gehört werden.                         
Bundesleistungszentrum Oberstdorf: Welche Position nimmt der Deutsche Olympische Sportbund im Fall des umstrittenen Eiskunstlauftrainers Karel Fajfr ein?   Foto: Melanie Jäger

Im Oberstdorfer Eissportzentrum herrscht Eiszeit. Zumindest zwischen jenen, die den ehemaligen Würzburger Eiskunstlaufläufer Isaak Droysen (19) unterstützen und jenen, die hinter Trainer Karel Fajfr (76) stehen. Droysen wirft Fajfr körperliche und seelische Misshandlung vor, der jedoch bestreitet die Vorwürfe . Im aktuell laufenden Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kempten gegen Fajfr wegen des Tatvorwurfs der Misshandlung von Schutzbefohlenen stehen laut Pressesprecher Ferdinand Siebert noch diverse Zeugenvernehmungen aus.

Derweil trainiert Fajfr weiter Kinder im Bundesleistungszentrum der Deutschen Eislauf-Union (DEU) und fährt mit ihnen auch zu internationalen Wettbewerben. Über die Vorwürfe gegen Fajfr berichten Medien bundesweit. Nun hat auch das Magazin "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe den Fall des Eiskunstläufers aus Würzburg aufgegriffen.

Hat Fajfr sich seit Verurteilung geändert?

Zwischenzeitlich sind weitere Vorwürfe gegen Karel Fajfr zu Tage getreten, die dieser auf Nachfrage dieser Redaktion allesamt zurückweist. Wie im Fall Droysen geht es um seelische und körperliche Gewalt im Training. In strafrechtlicher Hinsicht wären diese Fälle verjährt. Doch die strafrechtliche Relevanz ist nicht ausschlaggebend. Vielmehr geht es um die Frage, ob Vorfälle, in denen Schutzbefohlene mutmaßlich von einem Trainer als Strafmaßnahme körperliche Schmerzen zugefügt bekommen oder bewusst gedemütigt und psychisch geschädigt werden, sportlich-ethisch hinnehmbar sind.

Im Raum steht auch und vor allem die Frage: Hat sich Fajfr seit seiner strafrechtlichen Verurteilung im Jahr 1995 mit zweijähriger Haftstrafe auf Bewährung und dreijährigem Berufsverbot unter anderem wegen Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen geändert? Genau das behauptet die Deutsche Eislauf-Union (DEU), seit der umstrittene Trainer 2002 aufs Eis zurückgekehrt ist und im Bundesleistungszentrum in Oberstdorf Kaderläufer des Verbandes trainiert. 

Wutanfall? 

Dass es, wie Fajfr gegenüber dieser Redaktion erklärt, bis zum Fall Droysen 2019 nie Beschwerden über ihn gegeben habe, bezweifeln Beobachter und Verbands-Insider. Eine Funktionsträgerin des Verbandes erklärte gegenüber dieser Redaktion, dass es intern sehr wohl Beschwerden gegeben habe.  Eine Sportlerin hätte sich 2008 an sie gewandt. Das Mädchen habe erklärt, sie leide bei Fajfr unter Psychoterror und Fajfr habe ihr zudem in einem Wutanfall einen Schoner an den Kopf geworfen. Zudem habe er sie fest am Oberarm gepackt und geschüttelt, wenn sie etwas nicht richtig gemacht habe. Er habe unter anderem gebrüllt: "Du bist zu fett, werd' lieber Köchin!". Das Mädchen bestätigt heute diese Vorwürfe, Fajfr indes bestreitet sie.  

Er habe nie einen Schoner nach einem Mädchen geworfen, nicht einmal in Richtung einer Läuferin, erklärte Fajfr-Anwalt Leeser auf Anfrage. Doch die Funktionsträgerin und die Eisläuferin erinnern sich an ein Gespräch über den Vorfall mit der Leiterin der Fachsparte Eiskunstlauf im Bayerischen Eissportverband, Sissy Krick, infolgedessen aber keine Reaktion von Verbandsseite mehr gekommen sei. Fajfrs Anwalt erklärt dazu: "Herr Fajfr wurde weder von Frau Krick, noch von einer anderen Person auf Beschwerden angesprochen." Eine Anfrage der Redaktion an Sissy Krick, ob sie mit Fajfr über den Vorfall gesprochen habe, ließ Krick unbeantwortet.  

Alfons Hörmann, Präsident des DOSB, hier bei einer Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes. Foto: Guido Kirchner, dpa

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) steht im Fall Fajfr zunehmend im Fokus. Als Dachverband ist er für die Deutsche Eislauf-Uni0n (DEU) zuständig. Die Pressesprecherin verweist auf eine vereinbarte Vertraulichkeit gemeinsamer Gespräche mit der DEU-Führung und beschränkt sich auf allgemeine Aussagen und Zielsetzungen bezüglich Gewaltprävention im Sport. Fraglich bleibt bei dieser Haltung, warum der DOSB Trainer Karel Fajfr laut eines Beschlusses von 2010 aus "moralisch-ethischen" Gründen nicht mehr mit zu Olympischen Spielen nimmt.

Er hat mit seinen Vorwürfen gegen seinen Ex-Trainer den Stein ins Rollen gebracht: Der frühere Eiskunstläufer Isaak Droysen aus Würzburg. Foto: Studioline Andy H.

"Für die Entscheidung, Fajfr nicht mitzunehmen, gibt es gute Gründe", hatte Hörmann 2014 noch gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärt. Fajfr musste 2014 sein Olympia-Paar Maylin und Daniel Wende von Deutschland aus coachen. Daniel Wende, enger Vertrauter Fajfrs und seit Jahren dessen Co-Trainer, ist gerade zum neuen Stützpunktleiter des Bundesleistungszentrums in Oberstdorf ernannt worden.                 

Fest steht auch: DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist seiner Heimat Oberallgäu eng verbunden, will dort im März für die CSU Landrat werden. Sein Amt als DOSB-Präsident, so hat Hörmann bereits verlauten lassen, wolle er auch als Landrat trotz des enormen Zeitdrucks weiter wahrnehmen. Im Sportamt, so berichten Eltern gegenüber dieser Redaktion, gingen seit Jahren regelmäßig Beschwerden von Eltern ein. Auf Anfrage beim zuständigen Beamten des Sportamtes heißt es jedoch: "Gerne verweise ich nochmals darauf, dass wir zu keiner Zeit Kenntnis eines rechtswidrigen Verhaltens in den Sportstätten oder von einer Gewaltanwendung irgendeines Trainers gegenüber Schüler hatten."

Hinweis: In einer früheren Fassung enthielt dieser Beitrag weitere Aussagen über Alfons Hörmann, zu denen wir eine Klarstellung veröffentlicht haben.

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