GOSSMANNSDORF

Familie Kraft will nach 50 Jahren die Gaststätte „Anker“ selbst führen

Wo heute in einem überdachten Hof Tische und schicke Ledersessel stehen, dampfte früher mal ein Misthaufen. Der „Anker“ in Goßmannsdorf war ein Dorfgasthaus mit allem, was dazugehörte – Kühe, Pferde, Schweine und Hühner lebten in den Stallungen.
Theken-Team: Harald und Kevin Kraft wollen sich als Gastronomen versuchen. Foto: Claudia SCHUHMANN

Harald Kraft hat den „Anker“ von seinen Eltern geerbt, die ihn allerdings nur bis in die 1960er Jahre bewirtschafteten. Nachdem die letzte Pächterin aufgehört hat, wollen sich Harald Kraft und seine Familie nun selbst als Gastronomen versuchen.

Kontraste prägen jetzt das Bild des Wirtshauses. Der Anbau ist modern gestaltet, während die alte Gaststube noch immer die Atmosphäre der 1970er Jahre atmet. Die alten hölzernen Tische, Stühle und Bänke wollte Kerstin Kraft unbedingt weiter verwenden, um das „Kneipenflair“ zu erhalten. „Sie sind die Seele der Kneipe“, sagt die Ehefrau von Harald Kraft, die abwechselnd mit Sohn Kevin hinterm Tresen stehen wird.

Vieles wurde renoviert in dem alten Anwesen, in dem Harald Kraft seine ersten Lebensjahre verbrachte. „Wir haben die alten Raufasertapeten heruntergerissen“, sagt Kraft. Alle Wände seien gelb gewesen, ergänzt seine Frau. Spuren, die 40 Jahre Tabakkonsum hinterlassen haben. Auch die technische Ausstattung des Hauses hat Harald Kraft im Laufe der vergangenen zehn Jahre erneuert.

Harald Krafts Vater Alfred hatte mit seiner Frau Klothilde den „Anker“ jahrelang geführt. Dann gab er das Gasthaus auf, um auf der gegenüber gelegenen Hofstelle eine Landwirtschaft zu betreiben. Von diesem Zeitpunkt an führten verschiedene Pächter das traditionsreiche Dorfgasthaus.

Manfred Schleger dürfte von ihnen der prägendste gewesen sein, denn er machte in den 1970er Jahren aus dem Wirtshaus eine Bierkneipe, die bald einen legendären Ruf genoss. „Da gab es am Abend öfter Halligalli“, schmunzelt Harald Kraft und erinnert sich unter anderem an die amerikanischen Soldaten, die den „Anker“ gerne frequentierten.

Viel weiter zurück als die Erinnerungen von Harald Kraft reichen die von Marianne Breunig. 1941 zog sie zu der Gastwirtsfamilie in die Wohnung über dem „Anker“. Das damals achtjährige Mädchen war mit der Kinderlandverschickung aus Mönchengladbach nach Goßmannsdorf gekommen. Als Mariannes Mutter ein Jahr später ums Leben kam, blieb die Mönchengladbacherin für immer in Franken.

In der Gaststätte half sie mit, bis sie 1963 auszog. In der Zeit nach dem Krieg seien zahlreiche Würzburger Geschäftsleute in den „Anker“ gekommen, weil sie die gute Küche schätzten, sagt Marianne Breunig.

Ab 1946 sei der „Anker“ das Vereinslokal des TSV Goßmannsdorf gewesen. Nicht nur im Wirtshaus selbst war immer etwas los. Gegenüber gab es einen Saal, in dem man sich regelmäßig zum Tanz traf. Dann wurde jedes Mal groß aufgetischt. Der Koch habe sich besonders bei den Salaten ins Zeug gelegt, erzählt Marianne Breunig.

Ein Biergarten mit überdachter Kegelbahn lockte im Sommer ebenfalls viele Gäste an. „Die Buben aus dem Dorf haben sich ein paar Pfennige dazu verdient, indem sie die Kegel wieder aufstellten“, erklärt die alte Dame.

Sie hat noch heute den hölzernen Flur in der Wohnung über der Gastwirtschaft vor Augen. „Den habe ich immer gebohnert, bis er glänzte“, sagt sie stolz. Aber schon lange will in den niedrigen Räumen niemand mehr wohnen. Auch Junggastronom Kevin Kraft nicht, dessen stattliche Körpergröße nicht mit den alten Türen harmoniert. Deshalb wird die Wohnung auch weiterhin leer stehen. Familie Kraft plant, das Lokal zunächst donnerstags, freitags und samstags ab 20 Uhr zu öffnen.

Es soll nur kleine Gerichte wie Pizza, Flammkuchen oder Brotzeit geben. Dafür bringt es Kevin Kraft aber auf eine Bierauswahl mit 26 Sorten. Die Eröffnung wird am Samstag, 24. November, groß gefeiert. Kerstin Kraft hofft, dass es im neuen „Anker“ wieder so sein wird wie früher: „Da ging es quer durch alle Altersklassen.“

Die Pächter im Anker

Bis 1966: Familie Kraft führt den im Familienbesitz befindlichen „Anker“ als traditionelles Dorfgasthaus.
1966 - 1972: Hans Meißner und Arthur Gast führen das Gasthaus in dieser Tradition weiter.
1972 - 1974: Kathinka Schleger bietet etwas gehobenere Küche an.
1974 - 1985: Manfred Schleger macht aus der Gaststätte eine beliebte Bierkneipe.
1985 - 2002: Bernd Schmitt
2002 - 2012: Heidi Hehn seit 2012: Kevin Kraft steigt mit Unterstützung seiner Eltern Harald und Kerstin ein.

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