Rottendorf

Familienstützpunkt soll Rottendorfer Eltern unterstützen

Im Haus der Begegnung in Rottendorf könnte ein Familienstützpunkt entstehen, der vierte im Landkreis Würzburg. Foto: Ammon

Rottendorf erhält voraussichtlich einen Familienstützpunkt der Jugendhilfe. In der jüngsten Sitzung stimmten die Gemeinderäte einstimmig für einen Antrag der Rottendorfer Bildungsachse, einem Zusammenschluss der örtlichen Bildungseinrichtungen. Zunächst prüft jedoch die Gemeinde, ob eine Umsetzung möglich ist. Das Modell wurde vor einigen Jahren in Würzburg entwickelt, wo einer der ersten Stützpunkte eingerichtet wurde.

Im Landkreis gibt es bereits vier Familienstützpunkte, in Giebelstadt, Kürnach, Waldbüttelbrunn und Ochsenfurt. Klaus Rostek, der Leiter des Jugendamtes des Landkreises, beschrieb diese als "eine Art Wegweiser für Familien". Dabei sollten ausdrücklich nicht nur benachteiligte oder Problem-Familien angesprochen werden. "Das Angebot richtet sich an alle Eltern", betonte er. Jugendhilfe bedeute nicht nur zugunsten von Kindern in Familien zu intervenieren. Eine darüber hinausgehende Aufgabe sei die Familienbildung, die sich mit Fragen der Erziehung von der Geburt bis zur Volljährigkeit befasse.

Niederschwellige Angebote

Familienstützpunkte sollen, so Rostek, mit "niederschwelligen Angeboten" helfen, den Kontakt zu den Eltern aufzubauen. Dabei sieht er einen Schwerpunkt auf Angeboten rund um das Kleinkind und bei Zuwandererfamilien. Themen, denen sich der Familienstützpunkt widmet, könnten etwa das Abstillen, das nächtliche Durchschlafen des Kindes, Erste Hilfe am Kind, gesunde Ernährung oder auch Jugendschutz, Alkohol und Drogen sein. Dies könnte in Form von Einzelgesprächen, einem Elterntreff zur Bringzeit im Kindergarten, einem Babycafé, Kursen oder Vorträgen erfolgen. Auch könnten Experten, etwa ein Kinderarzt, eine Familienhebamme oder ein Drogenberater, hinzugezogen werden.

Rostek sieht wachsenden Bedarf in der Familienbildung, gerade auch im ländlichen Raum. "Es gibt ein hohes Maß an Verunsicherung bei den Eltern", stellte er fest. Viele fühlten sich mit der Vielzahl an Erziehungsratgebern überfordert. Auch sei es heute oft nicht mehr selbstverständlich, dass die Kenntnisse über die Generationen hinweg weitergegeben werden. "Was früher Eltern oder Großeltern gemacht haben, machen jetzt die Eltern untereinander."

Die Stundenzahl für einen angestellten Sozialpädagogen ist allerdings zunächst auf zehn Wochenstunden begrenzt. Sollte es ausreichend Nachfrage geben, könnte die Gemeinde sie jedoch auf eigene Kosten aufstocken. Von Familienstützpunkten könnten zudem Netzwerke von Unterstützern ausgehen.

Familienumfrage ausgewertet

Die Rottendorfer Bildungsachse hat im Mai letzten Jahres eine Familienumfrage durchgeführt: Von 684 angeschriebenen Familien haben 167 geantwortet. Von diesen wünschen sich 97 eine Kontakt- und Anlaufstelle für Familienbelange. Davon haben die meisten Kleinkinder. "Bedarf ist da", folgert Ruth Braun, Leiterin des Jugendzentrums und Vertreterin der Bildungsachse, aus der Umfrage. Sie sieht zudem über die Familienbildung hinausgehend großen Handlungsbedarf beim Ausfüllen von Anträgen für Hartz IV, Wohngeld oder Zuschüsse für Freizeitangebote. "Das fällt den Familien extrem schwer, auch weil es schambesetzt ist", erklärte sie. Vor allem Migrantenfamilien benötigten hierfür Hilfe.

Für einen Familienstützpunkt ist ein Träger nötig, auch die Gemeinde könnte dies übernehmen. Als feste Anlaufstelle steht in Rottendorf das Haus der Begegnung, wo sich bereits auch die Nachbarschaftshilfe befindet, zur Verfügung.

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