Ochsenfurt

Faust: Kein Drama mit der Tragödie

Für den, dem Goethes Klassiker zu schwierig und zu unverständlich ist, hat Puppenspieler Thomas Glasmeyer ein Rezept parat.
Unter den Händen seines Schöpfers Thomas Glasmeyer entfaltet der hölzerne Doktor Faust eine erstaunlich ausdrucksstarke Gestik.
Unter den Händen seines Schöpfers Thomas Glasmeyer entfaltet der hölzerne Doktor Faust eine erstaunlich ausdrucksstarke Gestik. Foto: Gerhard Meißner

"Da steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor" - so wie Goethes Faust mag es manchem Schüler gegangen sein, der mit dem Klassiker gequält wurde, ohne ihn wirklich verstanden zu haben. Puppenspieler Thomas Glasmeyer weiß Abhilfe. Mit seiner Bearbeitung "Fauste!" zeigte er im Sommerhäuser Kellertheater Vogelhaus, dass sich das Meisterwerk auch ebenso witzig wie verständlich präsentieren lässt, ohne ihm zu viel Schaden zuzufügen.

Doktor Faust, der in der Midlife-Crisis steckt und einen Pakt mit dem Teufel eingeht, um sein Wissen ins Übernatürliche zu erweitern. Mephistopheles, der ihm zugleich ein Leben voller Sinnesfreuden verspricht, ohne zu verraten, dass er zuvor mit Gott um das Seelenheil des Gelehrten gewettet hat. Ein Ritt auf den Brocken, wo die Hexen Faust in der Walpurgisnacht ein Elixier verabreichen, das ihm die Jugend zurückbringt, mit der er Gretchen betört und schließlich schwängert. Als Gretchen nach dem Mord an ihrem Kind im Kerker landet, unternimmt Faust noch einen halbherzigen Befreiungsversuch, lässt Gretchen aber dann in seinem Elend allein.

Goethes Vorlage war eine populäre Volkssage aus dem Mittelalter. Thomas Glasmeyer macht aus der Tragödie ein 90-minütiges Vergnügen, indem er Zitate mit eigenen Reimen und Anspielungen aus der Gegenwart verflicht und sprachgewaltig vorträgt.  Seine Stimme leiht er seinen Puppen, die gemeinsam mit ihrem Schöpfer auf der Guckkasten-Bühne agieren und dabei eine erstaunlich ausdrucksstarke Gestik entfalten.

Als Faust am Ende stirbt, schnappen sich die Engel seine Seele und retten sie  vor der bösen Geisterwelt. Mephistopheles steht als der Betrogene da, Gott hat ihn übertölpelt. Thomas Glasmeyer nimmt sich nach der Vorstellung noch lange Zeit fürs Publikum, erzählt, wie seine Bearbeitung entstanden ist und lädt ein, selbst das Puppenspiel zu probieren. Auf unterhaltsame Weise haben die meisten den Faust an diesem Abend ein wenig besser kennengelernt. Eine erstaunliche Leistung, meint eine Zuschauerin. "Man muss das Stück wirklich verinnerlicht haben, so etwas fertig zu bringen", sagt sie.

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