Veitshöchheim

Fehlanzeige: Qualitätsverbesserung in der Kita

Die Veitshöchheimer Kindergarten-Leitungen schieben Frust und sind enttäuscht über die Umsetzung des Gute-KiTa-Gesetzes des Bundes in Bayern.
Enttäuscht von der Umsetzung des Gute-KiTa-Gesetzes des Bundes in Bayern sind v.l.n.r. Gabi Treutlein (Leiterin Kindergarten St. Martin), Ingrid Schinagl (AWO-Geschäftsführerin), Petra Langer (Leiterin Kuratie-Kindergarten), Christiane Backmund (Verwaltungskraft der drei katholischen Kindergärten Veitshöchheims) und Angelika Vey-Rossellit (Leiterin Bilhildiskindergarten). Foto: Dieter Gürz

Mit Bedenken in die Zukunft sehen die Leitungen der fünf Veitshöchheimer Kindergärten mit insgesamt elf Regel- und neun Krippengruppen. Wie sie bei einem Pressegespräch im Bilhildiskindergarten erläuterten, sind sie enttäuscht von der Umsetzung des Gute-KiTa-Gesetzes des Bundes in Bayern. Diese bringe für ihre Einrichtungen keinerlei Qualitätsverbesserungen.

Dabei wollte der Bund mit seinem am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Gute-KiTa-Gesetz 5,5 Milliarden Euro bis 2022 in eine gute, qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung investieren. Davon fließen an Bayern 861 Millionen Euro, die der Freistaat je zur Hälfte in Gebührensenkungen und neues Personal einsetzen will.

Schon seit 1. April 2019 umgesetzt hat Bayern zur Entlastung der Eltern die Ausweitung des Beitragszuschusses von 100 Euro pro Monat auf die gesamte Kindergartenzeit, sodass die Eltern in den drei katholischen Kindergärten in Veitshöchheim je nach Buchungszeit monatlich nur noch zwischen zehn und 80 Euro zahlen müssen.

Mehrbuchungen aufgrund Beitragsnachlass

Wie Kuratie-Leiterin Petra Langer erklärt, ist ihr Kindergarten in der Woche an 47 Stunden geöffnet, während eine Vollzeitkraft nur 39 Stunden arbeite. Die  Beitragsentlastung der Eltern habe dazu geführt, dass diese vermehrt ihre Kinder länger abgeben, was vermehrt Personal in den Randzeiten erfordere. Auch Gabi Treutlein, die Leiterin des bereits ab 7 Uhr geöffneten Martins-Kindergartens berichtet über vergleichsweise deutlich mehr Buchungszeiten in den Randzeiten. Sonst waren es nach ihren Worten früh zehn Kinder. Nun seien es 35.

"Unsere Nöte werden immer mehr," klagt Langer. Schuld ist nach Meinung aller Leiterinnen der zu eng gestrickte Personalschlüssel. Der Freistaat empfehle für je zehn Buchungszeitstunden der angemeldeten Kinder eine Arbeitsstunde des pädagogischen Personals anzusetzen. Buchungszeiten von Krippenkindern werden doppelt angerechnet, Inklusionskinder viereinhalb mal und Kinder von nicht deutschsprachigen Eltern 1,3 mal.

Personalschlüssel zu eng

Dieser Personalschlüssel von 1:10 funktioniere aber nur einigermaßen und solange, wie niemand ausfalle, sagt Ingrid Schinagl von der AWO.  Ausfälle, beispielsweise durch Urlaub, Krankheit oder eine Schwangerschaft seien jedoch öfters der Fall. "Es ist sehr schwierig, schnell Ersatz zu finden." Petra Langer fügt hinzu: "Wenn unserem Team von 17 Mitarbeitern, wo schon alle drin hängen, plötzlich zwei Mitarbeiter fehlen,  kracht das ganze System zusammen."

Die Leiterinnen sind deshalb der Meinung, dass einzig und allein der von der Bertelsmann-Stiftung vorgeschlagene Personalschlüssel von 1:7,5 in Kindergartengruppen und 1:3 in Krippen eine entscheidende Qualitätsverbesserung bringen würde. Dies sei aber ohne gesetzliche Festlegung durch den Freistaat für die örtlichen Kindergärten nicht finanzierbar.

Verwaltungsbonus bringt wenig

Der vom Freistaat angekündigte Verwaltungsbonus von 12 500 Euro , so erklärten die Leiterinnen unisono, bringe keine Qualitätsverbesserung. So leisten sich  die katholischen Kindergarten-Träger im Ort für ihre drei Kindergärten bereits jetzt mit Christiane Backmund eine Verwaltungskraft für die wirtschaftliche Betriebsführung aus ihrem Geldbeutel. Der AWO-Ortsverein beschäftigt schon seit Längerem eine Geschäftsführerin.

Trotz dieser Verwaltungskraft, so Vey-Rossellit vom Bilhildiskindergarten, beanspruchen Verfügungszeiten, Vorbereitung, Führung von Elterngesprächen, Dokumentationen und Teamsitzungen mindestens ein Drittel ihrer wöchentlichen Arbeitszeit von 39 Stunden. Sie würde aber mit ihrer vollen Zeit in den Betreuungsschlüssel für die Fachkräfte eingerechnet. Hinzu komme, dass die Träger auch kein Geld  für die Kräfte bekommen, die Essen kochen, Hausmeisterdienste und Reinigungsarbeiten verrichten.

Die Leiterinnen sehen sich zudem immer höheren Anforderungen ausgesetzt. Sie verwiesen dabei auf Kinderschutzkonzept, Datenschutz und Konzeptionserstellung. So brauchte Vey-Rossellit vor zwei Jahren noch einen Ordner, letztes Jahr schon zwei und heuer schon vier Ordner nur für die Verträge mit den Eltern.

Entlastung durch Tagespflegepersonen marginal

Neben dem Verwaltungsbonus soll es laut Bayerns Sozialministerin zur Entlastung des Kita-Personals ein Förderprogramm für die Festanstellung von 2000 Tagespflegepersonen geben. Davon versprechen sich die Veitshöchheimer nur eine marginale Entlastung. Denn laut Statistik des StMAS gab es Ende 2018 in Bayern 8600 Kindereinrichtungen.

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