REGION WÜRZBURG

Ferien im Stall

Zwischen Kälbchen und Traktoren hat die 14-jährige Susann Aster aus Randersacker Urlaub gemacht – und ist begeistert.
Auf dem Traktor mitfahren macht Spaß, findet Susann Aster (links). Fürs Foto tauschen Kerstin Scherer und sie kurz die Plätze.
Auf dem Traktor mitfahren macht Spaß, findet Susann Aster (links). Fürs Foto tauschen Kerstin Scherer und sie kurz die Plätze.

Ungeduldig recken die Kälber ihre Köpfe durch die Stäbe der Boxen. Die Ohren sind erwartungsvoll in Richtung Feldweg gespitzt, auf dem soeben das Auto mit Bäuerin Kerstin Scherer aus Geißlingen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) und der Jugendlichen Susann Aster aus Randersacker einfährt. Die 14-Jährige springt aus dem Wagen und macht sich auf dem Bauernhof sofort an die Arbeit. In einem Anbau richtet sie die Milch für die jüngsten Kälber in einer großen Kanne und steckt einen Heizstab hinein. „Wenn die Milch nicht warm ist, bekommen sie Durchfall“, erklärt Susann Aster, die im Rahmen der Aktion „Landleben auf Zeit“ drei Wochen auf dem Erlebnisbauernhof „Jakobshof“ von Familie Scherer in Geißlingen lebte und begeistert mitarbeitete.

Während die Milch wärmt, verteilt die 14-Jährige frisches Stroh in den Boxen und tauscht das Wasser in den Tränkeimern aus. Das Futter für die älteren Kälber fährt sie in einer Schubkarre heran. Inzwischen ist die Milch körperwarm. Susann verteilt sie auf grüne Eimer, steckt auf jeden einen großen Schnuller und trägt vier auf einmal zu den hungrigen Kälbchen. Kaum sind die Eimer in die Gitter eingehängt, suchen die Tiere nach den Schnullern. Für einige Minuten ist nur leises Schmatzen zu hören. Dann lässt sich ein Kalb nach dem anderen zufrieden ins Stroh plumpsen – Zeit für ein Verdauungsschläfchen. Noch ein paar Streicheleinheiten für die beiden jüngsten Kälbchen, erst wenige Tage alt und noch ein wenig wackelig auf den Beinen, dann sammelt Susann die Eimer ein und säubert sie am Wasserhahn.

„Kälbchen tränken und auf dem Traktor mitfahren“, das ist für Susann mit das Schönste am Leben auf dem Bauernhof. Nach zwei Wochen zu Gast bei Familie Scherer ist das Füttern der Kälber „ihre“ Aufgabe geworden, die sie selbstständig erledigt, während ihre Gasteltern im großen Stall nebenan die Kühe melken. Aber eigentlich mag die 14-Jährige jede Arbeit, die anfällt. Vom Pflanzen, Ernten und Unkrautrupfen im Gemüsegarten über das Füttern der Hühner – „heute sind es zwei Eier“ – bis zu den Lesestunden mit dem achtjährigen Jakob. Gleich drei „Geschwister“ hat die 14-Jährige aus Randersacker quasi über Nacht bekommen: Johannes (15), Laura (14) und den quirligen Jakob. „Sie passen vom Alter gut zusammen“, sagt Kerstin Scherer. Auch die Freizeit verbringt die Familie gemeinsam. „Wir spielen Spiele“, erzählt Susann. Oder alle gehen zusammen ins Freibad oder ins Kino.

Kerstin Scherer möchte, dass Susann so viel wie möglich vom Landleben sieht. „Wir nehmen sie für alle Abläufe mit raus“, erzählt die Bäuerin. So war Susann bei der Getreideernte und beim Silieren dabei und durfte sich auch einmal selbst ans Lenkrad eines Traktors setzen – natürlich mit einem Erwachsenen auf dem Beifahrersitz. Gemeinsam mit Bernd Scherer kletterte sie auf die Silos, um die Temperatur im Inneren zu messen. „Die darf nicht zu hoch sein, damit sich keine Schimmelpilze oder Toxine bilden“, erklärt die 14-Jährige. Auch als der Tierarzt mit dem Ultraschallgerät kam, um zu prüfen, welche Kühe trächtig sind, war Susann dabei: „Da sieht man das Herz pumpen, und die Rippen und das Zwerchfell.“ Nur die Geburt der beiden jüngsten Kälbchen, die hat die ganze Familie verpasst – die lagen eines Morgens plötzlich im Stall.

Susann ist eine von sechs Jugendlichen im Gebiet der Diözese Würzburg, die in diesem Jahr das „Landleben auf Zeit“ erproben. Bereits seit den 1960er Jahren gibt es dieses Angebot, weiß Rosemarie Spielberg, ehemalige Diözesanvorsitzende der Landfrauenvereinigung und seit nahezu 20 Jahren bei der Organisation dieser Aktion aktiv. Wobei heute der „ganzheitliche Zusammenhang“ eine wichtige Rolle spiele. „Die Jugendlichen lernen die Entstehung und Verarbeitung von Lebensmitteln kennen“, erklärt Spielberg: „Sie erleben, wie man einen Gemüsekopf abschneidet und zubereitet, sie sehen, wie Tiere auf die Welt kommen.“ Dazu komme die Herausforderung, sich in eine fremde Familie und unbekannte Umgebung einzufügen.

Susann jedenfalls findet am Ende ihres Aufenthaltes angelangt, es hätte auch noch länger sein können. Würde sie den Besuch auf einem Bauernhof weiterempfehlen? „Auf jeden Fall! Das ist etwas, was man nicht jeden Tag erlebt“, sagt die 14-Jährige.

Landleben auf Zeit

Ferien auf dem Bauernhof, das ist für die meisten Kinder und Jugendlichen ein aufregendes Erlebnis. Als Kind verbrachte auch Susann Aster (14) aus Randersacker ihre Ferien gerne auf dem Land. Im Rahmen der Aktion „Landleben auf Zeit“ lebte sie nun drei Wochen auf dem Erlebnisbauernhof „Jakobshof“ von Familie Scherer in Geißlingen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Sie half im Garten, fütterte Hühner und Kälbchen und fuhr bei der Ernte auf dem großen Schlepper mit. Organisiert wurde die Aktion von der Landfrauenvereinigung des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) in der Diözese Würzburg. Susann ist eine von sechs Jugendlichen im Gebiet der Diözese Würzburg, die in diesem Jahr das „Landleben auf Zeit“ erproben.

 

Infos: Referat Frauenseelsorge in der Diözese Würzburg, Kilianshaus, Kürschnerhof 2, 97070 Würzburg, Tel. (09 31) 38 66 52 01, E-Mail: frauenseelsorge@bistum-wuerzburg.de.

Tierisch gut: Kälbchen zu tränken gehört zu den Lieblingsaufgaben von Susann Aster aus Randersacker, die im Rahmen der Aktion „Landleben auf Zeit“ drei Wochen auf dem Bauernhof von Familie Scherer in Geißlingen verbrachte.
Tierisch gut: Kälbchen zu tränken gehört zu den Lieblingsaufgaben von Susann Aster aus Randersacker, die im Rahmen der Aktion „Landleben auf Zeit“ drei Wochen auf dem Bauernhof von Familie Scherer in Geißlingen verbrachte. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiss
Auf einem Bauernhof muss man zupacken können: Schwungvoll schaufelt Susann Aster aus Randersacker das Futter für die älteren Kälber in eine Schubkarre.
Auf einem Bauernhof muss man zupacken können: Schwungvoll schaufelt Susann Aster aus Randersacker das Futter für die älteren Kälber in eine Schubkarre. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiss

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