REGION WÜRZBURG

Fernwasser-Kunden müssen mehr bezahlen

Trinkwasser wird ab 2015 teuer. Darauf können sich die vom Zweckverband Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM) belieferten Gemeinden und ihre Bürger heute schon einstellen.
Wertvolles Trinkwasser: Das unverzichtbare Lebensmittel wird teurer, kurioserweise auch, weil davon weniger verbraucht w... Foto: Jens Büttner/dpa

Außerdem ist zu erwarten, dass es nicht bei der für nächstes Jahr geplanten Erhöhung um etwa acht Cent auf dann etwa 1,04 Euro pro Kubikmeter bleibt. Das ist der Preis, den Gemeinden als Abnehmer zahlen. In den Folgejahren wird es wahrscheinlich weitere Preissteigerungen geben.

Seit 2008 hat der FWM Verluste von 2,26 Millionen Euro angehäuft, wie Geschäftsführer Walter Höfling erklärt. Die Ursache liegt darin, dass der FWM, wie andere Wasserversorger auch, immer weniger Trinkwasser absetzen kann. Durch die abnehmende Bevölkerung und einen sparsameren Umgang mit dem kostbaren Nasse sinkt der Verbrauch. Die Fixkosten für die FWM-Anlagen bleiben jedoch gleich und die Energiekosten für Pumpstrom steigen sogar an. Damit wird jeder Kubikmeter Wasser teurer.

Absatz deutlich gesunken

Hat der FWM in seinen besten Jahren rund fünf Millionen Kubikmeter Wasser verkauft, so rechnet er 2015 nur noch mit einem Absatz von 4,1 Millionen. Ein Verlust von 236 000 Euro allein im nächsten Jahr. Umgelegt auf alle Abnehmergemeinden entspricht das der Erhöhung um acht Cent pro Kubikmeter.

Da trifft den FWM zusätzlich hart, dass die Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH (TWV), die seit langer Zeit vom FWM beliefert wird, eine Kündigung des Wasserliefervertrags zum nächstmöglichen Zeitpunkt anstrebt, wie deren Geschäftsführer Armin Lewetz bestätigt. Lewetz zufolge registriert auch die TWV einen Rückgang des Wasserverbrauchs, was mittelfristig bedeutet, dass die Würzburger kein Wasser mehr zukaufen müssen. Bislang hat die TWV dem FWM rund eine Million Kubikmeter Wasser im Jahr abgenommen, also ein Viertel des gesamten Verkaufs.

Ein Vertragsausstieg ist laut Lewetz zum 31.12.2016 möglich. Die wahrscheinliche Folge: eine Erhöhung der Wasserpreise im FWM-Gebiet, denn dann müssten weniger Abnehmer die Fixkosten unter sich teilen.

Doch auch das ist nicht das Ende der Fahnenstange. In der Vergangenheit hatte die TWV die Betriebsführung für die FWM-Anlagen übernommen. Diesen Vertrag hat die FWM inzwischen gekündigt.

Neuerdings kümmert sich die Fernwasserversorgung Franken (FWF) aus Uffenheim um die FWM-Anlagen. Laut Höfling spart dieser Wechsel in der Betriebsführung jährlich 250 000 Euro ein. Der Haken: Nun will der FWM zwei neue Wasserleitungen bauen, um sein Versorgungsnetz mit dem der FWF kurzzuschließen. Eine Leitung soll von Reichenberg nach Kist führen und so die beiden Wasserversorger verbinden. Für die 6,3 Kilometer lange Strecke rechnet Höfling mit 4,8 Millionen Euro Kosten. Dieser Zusammenschluss gilt als unumstritten, weil er zwischen den FWM-Leitungen im Osten und im Westen einen Ringschluss über FWF-Gebiet und somit eine höhere Versorgungssicherheit herstellt, sollte einmal ein Leck auftreten.

Fraglich ist dagegen der Nutzen einer zweiten Trinkwasserleitung, die der FWM bauen möchte. Sie soll vom Hochbehälter Zellingen zum Maindüker bei Thüngersheim führen. Die Strecke ist etwa 3,7 Kilometer lang, soll 1,6 Millionen Euro kosten und zwei FWM-Leitungen miteinander verbinden. Nur: Diese Verbindung gibt es schon, allerdings gehört dieser Streckenabschnitt zum Netz der TWV. Nachdem sich aber FWM und TWV gerade vertraglich voneinander lösen, glaubt der FWM, nun auch die Anlagen entflechten zu müssen.

Durchleitung muss garantiert sein

Dabei könnte die TWV wie bisher auch auf diesem Teilstück das FWM-Wasser durchleiten. Dafür müsste die FWM dann zwar ein Netzentgelt bezahlen; das ist allerdings eine gängige Vereinbarung, wie sie Strom- und Gasversorger deutschlandweit anwenden. FWM-Geschäftsführer Höfling will nun prüfen, ob die TWV diese Durchleitung auf Dauer garantieren würde. Möglicherweise sei der Leitungsbau zwischen Zellingen und Thüngersheim verzichtbar. Zu wünschen wäre es, denn wenn der FWM neue Leitungen baut, ist wieder zu erwarten, dass der Wasserpreis für die Kunden steigt.

TWV-Geschäftsführer Lewetz weist zudem darauf hin, dass FWM und TWV sowieso einen Folgevertrag bräuchten, in dem geregelt werden sollte, dass man sich in Notlagen gegenseitig mit Wasser aushilft. Also bräuchte es weiterhin Verbindungen zwischen den Leitungsnetzen. „Die sichere Versorgung der Bürger mit Trinkwasser hat Vorrang“, sagt Lewetz, „das ist ein hohes Gut.“

Fernwasserversorgung Mittelmain

Der Zweckverband Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM) versorgt rund 230 000 Einwohner in 25 Kommunen mit seinem Trinkwasser. Das Versorgungsgebiet erstreckt sich vom Landkreis Main-Spessart, wo der FWM eigene Brunnen hat, über den Landkreis Würzburg bis zur Stadt Würzburg.

Verbandsvorsitzender ist derzeit Landrat Eberhard Nuß (Lkr. Würzburg).

Jährlich verteilt der FWM etwa 4,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Etwa 2,5 Millionen Kubikmeter erzeugt er selbst. 1,6 Millionen Kubikmeter bezieht er von der Fernwasserversorgung Franken und verteilt sie weiter. Die Kommunen, die zumindest zum Teil FWM-Wasser beziehen, sind: Birkenfeld, Eisingen, Erlabrunn, Güntersleben, Helmstadt, Hettstadt, Höchberg, Karbach, Kist, Leinach, Lohr, Neubrunn, Neustadt, Randersacker, Reichenberg, Retzstadt, Rimpar, Roden, Thüngersheim, Uettingen, Veitshöchheim, Waldbüttelbrunn und Zellingen.

Weitere Abnehmer sind die Autobahndirektion Nordbayern (Aussiedlerhöfe Uettingen und Parkplatz Fronberg bei Helmstadt), Gut Gieshügel, Gut Greußenheim, St. Josefs-Stift Eisingen, Trinkwasserversorgung Würzburg und Wassergewinnung Würzburg Estenfeld.

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