WÜRZBURG

Festung: Warten auf das große Umräumen

Auf der Festung Marienberg gibt es schöne Details – und viel zu sanieren. Foto: THOMAS OBERMEIER

Laut gefeiert wird an diesem Wochenende der hundertste Geburtstag des Mainfränkischen Museums – mit einem großen Familienfest auf der Festung. Die Zukunft des Museums wird dagegen noch im Stillen vorbereitet.

Bekannt ist, dass das Museum sein angestaubtes Image verlieren und ein modernes Landesmuseum werden soll – mit einer ähnlichen Strahlkraft wie das Landesmuseum für Bayerische Geschichte, das derzeit in Regensburg entsteht. So haben es Ministerpräsident Hort Seehofer und Finanzminister Markus Söder vor einigen Monaten versprochen.

Bislang finden sich Besucher auf der 600 Meter langen Burganlage schwer zurecht: Am barocken Zeughaus führt eine kleine Tür ins Mainfränkische Museum. Der Biergarten ist ebenfalls gut versteckt. In der Echterschen Vorburg mit der Pferdeschwemme gibt es einen Museumsladen, einen Kiosk und die Toilettenanlage und in der inneren Burg wieder ein Museum sowie die Burggaststätten und das Tagungszentrum.

Jetzt hat der Freistaat eine attraktivere Aufteilung angekündigt: Ins Zeughaus sollen die Veranstaltungsräume kommen. Im der Vorburg sind Besucherservice und Gastronomie geplant und die innere Burg soll musealer Schwerpunkt werden: Großzügige Ausstellungsräume für Mainfränkisches Museum und Fürstenbau-Museum.

„Diese Grundidee entspricht im Wesentlichem dem, was das 2010 erstellte Gutachten ergeben hat,“ sagt Kulturreferent Muchtar Al Ghusain zum Konzept der Neugestaltung. Details der Planung werden derzeit vom Freistaat in einer Machbarkeitsstudie erarbeitet und sollen dann mit der Stadt und dem Bezirk Unterfranken, die das Museum bislang gemeinsam tragen, besprochen werden.

Zu diesen Details gehören neben Kosten und Zeitplan auch die Suche nach einer neuen Unterkunft für das Staatsarchiv – denn dessen meterlange Aktenschränke müssten weichen, wenn in den schönen Räumen künftig die Museumsbesucher den Blick auf die Stadt genießen sollen. „Ich könnte mir vorstellen, dass das Staatsarchiv auf das Areal der Leighton Barracks verlegt wird“, sagt Landtagsabgeordneter Oliver Jörg (CSU). Er macht sich schon länger für Investitionen des Freistaats auf der Festung stark. Ob für das Archiv ein Altbau genutzt oder neu gebaut werde, sei letztendlich eine Kostenfrage.

Fest steht bereits, dass Umbau und die seit Jahren anstehende Sanierung der Grundsubstanz der Gebäude teuer wird: Knapp 100 Millionen Euro kalkuliert der Hausherr Freistaat dafür. Rund 30 Millionen Euro sind im Kulturkonzept des Freistaates bis 2018 für die dringlichsten Sanierungen vorgesehen. Und der Rest?

„Ich gehe nicht davon aus, dass die Stadt sich an den Baukosten beteiligen muss – die Festung ist schließlich das Eigentum des Freistaates“, erklärt Al Ghusain. Dagegen will CSU-Politiker Jörg die Stadt nicht ganz aus der Pflicht nehmen, einen Teil der Sanierung der Museumsräume mitzufinanzieren. Einig sind sich Al Ghusain und Jörg in der Einschätzung, dass es in nächster Zeit noch einige Gespräche zu diesem Thema geben wird.

Dabei soll dann auch die genaue Bedeutung des Begriffs „Landesmuseum“ geklärt werden. Bedeutet er, dass der Freistaat das Museum komplett unter seine Fittiche nehmen wird, das von Stadt und Bezirk Unterfranken gemeinsam betrieben wird? Al Ghusain verneint: „Das glaube ich nicht. Wir werden uns auch künftig am Betrieb beteiligen.“ Derzeit unterstützen Stadt und Bezirk den Zweckverband des Museums mit knapp zwei Millionen Euro.

Al Ghusain kann sich vorstellen, dass der Freistaat dem Zweckverband beitritt und mit dessen zusätzlichem Beitrag die geplanten Neuerungen bezahlt werden. Dabei wäre der Freistaat dann zwar der größte Geldgeber, doch Bezirk und Stadt hätten weiter ein Mitspracherecht. Bereits nächstes Jahr will der Freistaat das Museum mit zwei Millionen Euro unterstützen.

Mindestens zwölf Jahre wird es dauern, bis alle Umbauten in der Festung abgeschlossen sein werden. Und wann kann es los gehen? Laut Al Ghusain wäre der nächste Schritt, dass die bayerische Schlösser- und Seenverwaltung mit der Stadt über die Machbarkeitsstudie spricht.

Warum ist das bislang noch nicht passiert? Gibt es neue Details zu Planung oder Kosten? Thomas Rainer, Pressesprecher der Schlösser- und Seenverwaltung, sagt zu diesen Fragen wenig: „Die Machbarkeitsstudie ist in der Zielgeraden. Mehr kann ich im Moment nicht sagen“. Der Grund für die Zurückhaltung könnte der Gleiche sein, der CSU-Politiker Jörg momentan davon abhält, das Projekt weiter voranzutreiben. „Das hat im Wahlkampf nichts verloren.“ Nach der Landtagswahl gehe es weiter.

Fest auf der Festung

Für die ganze Familie ist das Jubiläumsfest auf der Festung gedacht: Von jeweils 10 bis 18 Uhr sind am Samstag, 31. August, und Sonntag, 1. September, Musik, Theater, Kunsthandwerk, Führungen und vieles mehr zum Staunen und Mitmachen geboten. Eintritt: Sieben Euro, Kinder bis ein Meter Körpergröße frei, darüber zwei Euro.

Schlagworte

  • Bayerische Geschichte
  • CSU
  • Festungen
  • Machbarkeitsstudien
  • Mainfränkisches Museum
  • Markus Söder
  • Muchtar Al Ghusain
  • Oliver Jörg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!