WÜRZBURG

Festungsaufzug: Der Bürgerwille soll entscheiden

Eine mögliche Trasse der Festungsbahn.
Eine mögliche Trasse der Festungsbahn. Foto: ProBau/Wolfgang Fey

Schon als es in den 1980er Jahren Pläne für einen Aufzug von der Stadt hoch zur Festung gab, wurde darüber heftig diskutiert. Und auch am Samstag war das Interesse groß, als knapp 60 Personen der Einladung des Würzburger CSU-Landstagsabgeordneten Oliver Jörg gefolgt waren, das Thema in Menna's Time Out in der Frankfurter Straße mit Fachleuten zu diskutieren.

Neben „normalen“ Bürgern waren auch die Landtagspräsidentin Barbara Stamm, der CSU-Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder, Peter Motsch, Vorsitzender der CSU-Fraktion im unterfränkischen Bezirkstag, Joachim Fuchs, Leiter des staatlichen Bauamtes Würzburg, Peter Seibert, Baudirektor der Bayerischen Seen- und Schlösserverwaltung, und aus den Reihen des Stadtrates Christine Bötsch, Sonja Buchberger, Nadine Lexa (alle CSU) und Wolfgang Baumann (ZfW) sowie als Referent Willi Dürrnagel (CSU) gekommen.

Die Entscheidung des Freistaates, die Festung durch die Einrichtung eines Fränkischen Landesmuseums neu zu beleben, das mit seiner Strahlkraft in den gesamten süddeutschen Raum wirken solle, habe die Debatte neu belebt, sagte Jörg in seiner Begrüßung. Es gelte eine Lösung zu finden, wie die vielen Gäste, die zukünftig erwartet würden, die Festung besser und barreirefrei erreichen könnten. „Was ist dabei mit dem Denkmalschutz vereinbar, was ist finanzierbar und was nicht“, sagte Jörg. Auch müsse man erst sehen, ob die Würzburger so etwas wollten, bevor man Gespräche mit den zuständigen Stellen beginne.

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Festungsaufzug Würzburg

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Willi Dürrnagel machte in seinem Beitrag keinen Hehl aus seiner Skepsis gegen ein solches Projekt. Er zeigte die Pläne des vor 30 Jahren seiner Ansicht nach „glücklicher Weise“ zurückgezogenen Projektes eines Schrägaufzuges in einem Stollen vom Spitäle zum Husarenkeller. Er nannte unter anderem das Parkproblem im engen Mainviertel und die mögliche Beeinträchtigung der Standfestigkeit der Festungsmauern bei einer Untertunnelung. „Warum hat man sich denn bislang nicht bemüht, die Festung besser zu erschließen?“, fragte Dürrnagel. „Da gibt es viel zu tun.“ Er sei aber aufgeschlossen, zu sehen, was machbar sei.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm mahnte Dürrnagel, die alten Pläne seien im Archiv und da sollten sie auch bleiben, besser sei es, die neuen jetzt kritisch zu begleiten. „Man muss vorurteilsfrei in die Diskussion gehen, die Architektur von vor 30 Jahren hat sich weiterentwickelt“, so Stamm.

Im Anschluss stellte Wolfgang Fey von der Projektentwicklung ProBau ein Konzept für eine Standseilbahn vom Ende der Treppe an der Tellsteige bis hinauf vor oder auf den Festungswall vor. Barrierefrei, elektrisch betrieben und umweltfreundlich könne die Bahn so bis zu 1000 Personen in der Stunde vom Tal auf hinauf zur Festung und umgekehrt bringen, sagte Fey.

Im Hinblick auf ein Fränkisches Landesmuseum und die zu erwartenden Besucherströme sei die leichte Erreichbarkeit der Festung unumgänglich. Fey rechnete vor, dass derzeit bei knapp 900 000 Übernachtungen pro Jahr zwar knapp 400 000 Besucher in die Residenz strömten, weniger als 30 000 davon fänden jedoch den Weg hinauf zur Festung Marienberg. „Dabei fragt sich doch jeder, der auf der Alten Mainbrücke steht und zur Festung blickt, wie komme ich da hin?“, so Fey.

Joachim Fuchs, Leiter des Staatlichen Bauamtes, zeigte anschließend einige Arbeiten von Studenten der Technischen Hochschule Deggendorf, die sich bereits 2014 in Projektarbeiten Gedanken über die Erreichbarkeit der Festung gemacht hatten. Eins stehe fest, so Fuchs: „Wer Würzburg nicht von oben gesehen hat, der hat Würzburg nicht gesehen.“ Unter anderem wurde eine Seilbahn quer über das Maintal vom südlichen Ende des Willy-Brandt-Kais an der Löwenbrücke hinauf zur Festung gezeigt.

In der anschließenden Diskussion brachten auch Besucher ihre Vorstellungen vor. Das reichte von der vorher schon gezeigten Seilbahn mit Blick auf Festung, Stadt und Fluss, über eine verbesserte Shuttlebus-Anbindung mit einem Aufzug vom derzeitigen Besucherparkplatz durch die Kasematten, bis hin zum Vorschlag, die Festung von der Leistenstraße aus mittels Aufzug zu erschließen.

„Wir werden zwei oder drei Möglichkeiten herausarbeiten und dann näher beleuchten“, sagte Jörg in seinem Resümee. „Auch über die in der Diskussion angeregte ÖPNV-Verbesserung sollten wir nachdenken. Vor allem müssen wir uns einig sein, was wir wollen. Ich plane hier nicht und stecke viel Geld in die Planungen und dann kommt dagegen ein Bürgerentscheid.“

Dem stimmte Peter Seibert von der Schlösserverwaltung zu. „Das entspricht auch unserer Linie. Im Austausch mit der Bürgerschaft muss ein machbarer Konsens entstehen. Ausgangspunkt sind immer die Bürger, was wollen die“, sagt Seibert.

Oliver Jörg stellt sich einen Runden Tisch zur Planung vor, an dem Vertreter der Stadt, des Denkmalschutzes, der Schlösserverwaltung und des Finanzministeriums gemeinsam über eine Verbesserung der Erreichbarkeit der Festung Marienberg sprächen. Die Signale aus München ließen ihn hoffen, dass so ein Runder Tisch in naher Zukunft verwirklicht werden könnte, sagt Jörg.

Im Anschluss begleitete ein Teil der Teilnehmer den Landtagsabgeordneten und Planer Fey zu einem Ortstermin an den Festungsberg wo letzterer seine Pläne noch einmal erläuterte.

Informations- und Diskussionsveranstaltung 
zur Erreichbarkeit der Festung Marienberg       -  Ortstermin am Festungsberg mit Wolfgang Fey (links) und Peter Seibert, Baudirektor der bayerischen Seen- und Schlösserverwaltung.
Ortstermin am Festungsberg mit Wolfgang Fey (links) und Peter Seibert, Baudirektor der bayerischen Seen- und Schlösserverwaltung. Foto: Daniel Peter
Informations- und Diskussionsveranstaltung 
zur Erreichbarkeit der Festung Marienberg       -  Diskussionsrunde im Menna's Time Out. Das Interesse war groß.
Diskussionsrunde im Menna's Time Out. Das Interesse war groß. Foto: Daniel Peter

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