WÜRZBURG

Filmtage: Kino-Neustart führt nach Italien

Zwei Frauen büxen aus: Szene aus „La pazza gioia“ („Die Überglücklichen“), eine Komödie mit dramatischen Zügen. Foto: Neue Visionen Filmverleih

Die Italienischen Filmtage in Würzburg und das Central Programmkino – das ist eine besondere Verbindung. 2010 begann die Geschichte des Central in der ehemaligen Aula der Mozartschule mit dieser Filmreihe. Am kommenden Wochenende nun, auf den Tag genau nach sechs Jahren, startet das neue „Central im Bürgerbäu“ erneut mit Werken des italienischen Autorenkinos.

Bella Italia im mainfränkischen Novembergrau? Es sind nicht gerade Postkartenansichten, die bei den Filmtagen von einem Land gezeigt werden, das schon Goethe auf seiner Reise quer durch den Stiefel bis nach Sizilien inspiriert und fasziniert hat. Die Macher vom Circolo Culturale Italo-Tedesco, dem italienisch deutschen Kulturtreff in Würzburg, nähern sich Italien und seinen Menschen auf ganz differenzierte Weise: Heiter und bedrückend, poetisch und gesellschaftskritisch sind die elf Filme, die wie gewohnt in der italienischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt werden.

Dass die Filmtage zur Eröffnung des neuen Central-Kinos in den zwei Sälen im Gewölbekeller auf dem Bürgerbräu-Gelände laufen, ist für den Romanisten und Mit-Organisator Prof. Richard Schwaderer eines von zwei „glücksverheißenden Vorzeichen“. Das andere ist der Dokumentarfilm „Fuocammare“ („Seefeuer“) von Gianfranco Rosi – er hat bei der Berlinale 2016 den „Goldenen Bären“ gewonnen und die Programm-Macher in Würzburg haben ihn aktuell aufgenommen. Über ein Jahr lange lebte Filmemacher Rosi auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa. Er filmte Einheimische, Fischer, Ärzte, Rettungshelfer – ohne ihre Einsätze zu kommentieren. An kaum einem anderen Ort ist die Flüchtlingstragödie so greifbar und dramatisch. Damit setzen die Würzburger Filmtage auch eines der zentralen Themen der Zeit auf die Agenda, mit denen sich Italien – neben der sozialen Spaltung und dem politischen Werteverfall im Land – konfrontiert sieht.

Laut Schwaderer umfassen die Filmtage wieder die ganze Breite der Genres, „vom Dokumentarfilm über soziale und psychologische Dramen bis hin zur Komödie, die natürlich auf keinen Fall fehlen darf.“ Nicht wenige der Beiträge setzten sich kritisch mit der italienischen Gesellschaft auseinander, andere zeichneten sich durch eine besonders berührende Atmosphäre aus.

Zur Erinnerung an den 40. Todestag von Altmeister Luchino Visconti (1906-1976) ist sein frühes Meisterwerk „Bellissima“ aus dem Jahr 1951 zu sehen, in dem Anna Magnani eine beeindruckende Rolle verkörpert. Schwaderer freut sich über die fruchtbare Kooperation zwischen dem „Circolo“ und dem Central sowie dem Filmverleih Kairos in Göttingen und „Made in Italy“ in Rom. Dadurch gelinge es, diese besonderen Filmwerke nach Würzburg zu holen.

Schirmherr der 8. Italienischen Filmtage – zur Premiere 2009 gastierte man noch im „Corso“ in der Kaiserstraße – ist Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Er ist den Initiatoren dankbar für ihren Einsatz. Alle gezeigten Filme seien auf Festivals in Italien und in anderen europäischen Ländern auf große Aufmerksamkeit bei Publikum und Kritikern gestoßen und hätten zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Sie zeigten die thematische und stilistische Bandbreite der aktuellen italienischen Filmproduktion.

Offiziell eröffnet werden die Filmtage am Freitag, 4. November, um 19 Uhr bei kulinarischen Kleinigenkeiten. Zum Auftakt wird um 20 Uhr der Film „Se Dio vuole“ („Um Himmels willen“) über einen ebenso erfolgreichen wie arroganten Herzchirurgen gezeigt und „Lea“ (20.30 Uhr), das Porträt einer Frau im Kampf gegen die kalabrische Mafia ('Ndrangheta).

Das Programm der 8.Italienischen Filmtage

Freitag, 4. November:

19.00 Uhr Eröffnung

20.00 Uhr Se Dio vuole

20.30 Uhr Lea

22.00 Uhr Vergine giurata

22.15 Uhr Fuocoammare
 

Samstag, 5. November:

18.15 Uhr Fuocoammare

18.30 Uhr Lea

20.15 Uhr La pazza gioa

20.30 Uhr Vergine giurata

22.00 Uhr Non essere cattivo

22.15 Uhr Fuocoammare
 

Sonntag, 6. November:

11.00 Uhr Bellissima

11.15 Uhr Se Dio vuole

18.15 Uhr Bella e perduta

18.30 Uhr Per amor vostro

20.15 Uhr La stoffa dei sogni

20.30 Uhr Latin Lover
 

Montag, 7. November:

17.30 Uhr Troja (Kooperation mit Röntgen-Gymnasium)

18.15 Uhr Vergine giurata

20.15 Uhr Bella e perduta

21.00 Uhr Non essere cattivo
 

Dienstag, 8. November:

18.15 Uhr Lea

18.30 Uhr La stoffa dei sogni

20.15 Uhr Non essere cattivo

20.30 Uhr Se Dio vuole
 

Mi, 9. November:

18.15 Uhr La stoffa dei sogni

18.30 Uhr Latin Lover

20.15 Uhr Per amor vostro

20.30 Uhr Fuocoammare

Alle Filme auf Italienisch mit deutschen Untertiteln

Haben wieder interessante Filme ausgesucht: Heidrun Podszus (Central-Kino) und Romanist Richard Schwaderer. Foto: Andreas Jungbauer

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