Würzburg

Filmwochenende Würzburg: Diese Filmtipps geben die Festivalmacher

Von Donnerstag, 30. Januar, bis Sonntag, 2. Februar, läuft das 46. Internationale Filmwochenende in Würzburg. Was sind die Favoriten der Mitglieder der Filminitiative?
Diese Woche startet das 46. Internationale Filmwochenende im Central-Kino im Bürgerbräu. Foto: Thomas Obermeier

Nach der offiziellen Eröffnung an diesem Mittwoch heißt es von Donnerstag bis einschließlich Sonntag "Film ab!" beim 46. Internationalen Filmwochenende. Bei über 60 verschiedenen Spiel- und Dokumentarfilmen, kann die Entscheidung schon einmal schwer fallen. Für Unentschlossene oder diejenigen, die sich einfach nicht festlegen können, haben Cineasten des Veranstalters Filminitiative den Festivalbesuchern ihre Lieblingsfilme zusammengestellt.

Cutterhead

Florian Hoffmann. Foto: Filminitiative

Florian Hoffmann, Kabarettist, Mitglied der Programmgruppe: Mein Favorit in diesem Jahr ist "Cutterhead" – ein ebenso packender wie preisgekrönter Kammerspiel-Thriller aus Dänemark. Eigentlich will die junge Journalistin Rie nur einen Trupp Bauarbeiter interviewen, der U-Bahn-Tunnel aushebt. Doch während ihres Besuchs auf der Baustelle kommt es zu einer Katastrophe... Was folgt, sind 60 nervenaufreibende Minuten, in denen es ums nackte Überleben geht – tief unter der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Wie Regisseur Rasmus Kloster Bro hier aus kleinstem Raum und kleinster Besetzung ganz großes Kino zaubert, begeistert mich immer wieder.

"Cutterhead" läuft am Donnerstag, 22 Uhr, im Siebold-Museum und am Samstag 23.30 Uhr im Kino 3.

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Träume

Werner Schmitt. Foto: Filminitiative

Werner Schmitt, Festivalorganisation und Programmgruppe: "Träume" ("Dreams") ist der 29. Film von dem Filmmaßstäbe setzenden japanischen Regiegiganten Akira Kurosawa ("Die sieben Samurai"). Er bebildert acht Träume, die ihn ein Leben lang beschäftigten. Dabei setzt er sich mit Ängsten, Hoffnungen und Kindheitserinnerungen auseinander. Manche haben Albtraumcharakter, andere wirken märchenhaft. Ein meditativer Bilderbogen, in dem existenzielle Themen wie Liebe, Tod, Einsamkeit und die Kunst auf eine einzigartige Weise verhandelt werden. Diese acht Träume beschreiben die Leidenschaft der Malerei (Herumlaufen in Van Gogh-Bildern), die atomare Bedrohung (Vorwegnahme von Fukushima) und den Zerfall Japans.

"Träume" läuft am Sonntag, 19 Uhr, im Siebold-Museum. 

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Coup

Patrick Blume. Foto: Filminitiative

Patrick Blume, Journalist, hilft beim Programm und an der Kasse: Die 80er: Unfragbare Fragen fragt Mann nicht Google, sondern den "Playboy"-Berater. Wer Aktien hält, besitzt einen Stapel Papier. Der namenlose Protagonist verbringt die Nächte in Rockerkneipen und die Tage als Bankangestellter. Bis er seinen Arbeitgeber um Millionen betrügt und sich erfolgreich absetzt – nur um dann alles wieder rückgängig zu machen. Aus dem Off kommentiert der echte Rocker-Banker von damals in lakonischem Hamburgisch die Spielszenen. "Coup" ist keine akribische Rekonstruktion eines Verbrechens, sondern das – höchst unterhaltsame – Porträt eines Geschichtenerzählers.

"Coup" läuft am Samstag, 17.15 Uhr, im Kino 1 und Sonntag, 13 Uhr, im Siebold-Museum.  

Give Me Liberty

Heike Mix. Foto: Filminitiative

Heike Mix, Festivalorganisation und Moderation: Vic, Fahrer eines Busses für Menschen mit Behinderung, nimmt jeden – auch den Zuschauer – mit auf eine atemlose Spritztour durch Milwaukee. Nicht nur das Thema Inklusion, auch der "Amerikanische Melting Pot" wird in "Give Me Liberty" mit seinen Freuden und großen Problemen differenziert sowie mit viel Witz und völlig unvorhersehbaren Szenen gezeigt. Eine herzerfrischende, tiefgehende Komödie, die Menschlichkeit feiert und einem keine Sekunde Ruhe gönnt. Der Film war nicht nur Publikumsgewinner auf dem Sundance 2019 und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, er ist auch mein absolutes Highlight. This film is beautiful - you got to grab it.

"Give Me Liberty" läuft am Freitag, 21.15 Uhr,im Kino 3 und am Samstag, 15 Uhr, Kino 1.

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L'uomo che comprò la luna

Richard Schwaderer.
Foto: Theresa Müller

Richard Schwaderer, Literaturwissenschaftler, Mitglied der Programmgruppe: L'uomo che comprò la luna ("Der Mann, der den Mond kaufte") ist eine wunderbare, ebenso absurde wie poetische Komödie von Paolo Zucca über seine Heimat Sardinien, wo verrückte Typen, aber auch gewitzte Poeten zu Hause sind – weit entfernt von allen Costa-Smeralda-Klischees. Der Regisseur spielt dabei mit bewundernswerter Eleganz mit Versatzstücken aus vielen Genres – Western, James Bond, Science-Fiction - und mixt daraus einen gepfefferten satirischen Cocktail, den ich allen Fans des surrealen Humors nur empfehlen kann. Eine wunderbare, absurde und poetische Komödie über "Sardinien als Lebensform".

"L'uomo che comprò la luna" läuft am Donnerstag, 16 Uhr, im Kino 2 und am Sonntag, 15.30 Uhr, im Kino 3.

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Das Wunder von Taipeh

Viviane Bogumil Foto: Bogumil

Viviane Bogumil, Vorstand, organisatorische Festivalleitung: John Seidler, der für das Festival nach Würzburg kommt, hat für seine Doku eine Geschichte ausgegraben, die selbst Wikipedia nicht kennt: 1981 ging die SSG 09 Bergisch Gladbach in Taiwan überraschend als Sieger der ersten Frauenfußballweltmeisterschaft hervor. Bis 1970 war Frauenfußball in Deutschland noch offiziell verboten, die Teilnahme der "Roten Teufelinnen" in Fernost wurde vom DFB daher geduldet, nicht gefördert. Angereichert mit historischem Filmmaterial erzählen ehemalige Spielerinnen anekdotenreich von heute absurd anmutenden Bedingungen, Chauvinismus und dem Kampf nach Anerkennung.

"Das Wunder von Taipeh" läuft am Samstag, 14.45 Uhr, im Siebold-Museum und am Sonntag, 11 Uhr, im Kino 2. 

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Noah Land

Taylan Zorlu. Foto: Filminitiative

Taylan Zorlu, Programmgruppe: "Noah Land" ist ein turbulenter Vater-Sohn Roadtrip. Der letzte Wunsch des Alten ist, in seinem Heimatdorf unter dem Baum, den er vor 50 Jahren dort vor dem Verlassen des Ortes gepflanzt habe, begraben zu werden. Von seinem Sohn trennen ihn Entfremdung und verloren gegangenes Vertrauen, dieser wagt den Versuch, unlösbare Probleme zu lösen. Dabei hat er scheinbar selbst sein Leben nicht im Griff. Der eindringliche Kampf eines alten sturen Mannes, der seinen strauchelnden Sohn herausfordert, entwickelt sich zu einer packenden Charakterstudie.

"Noah Land" läuft am Freitag, 16.45 Uhr, im Kino 2 und am Samstag, 21.30 Uhr, im Kino 3.

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Space Dogs

Hannes Tietze. Foto: Filminitiative

Hannes Tietze, Kinobetreiber, Mitglied der Programmgruppe: Die Moskauer Hündin Laika war das erste Lebewesen, welches von Menschen ins All und einen sicheren Tod geschickt wurde. Ausgehend von ihrer Geschichte und der Legende, dass ihr Geist in die Straßenhunde Moskaus eingegangen ist, entwickelt sich "Space Dogs" zu einer augenöffnenden Kinoerfahrung, die sich jeder Kategorisierung entzieht. Historisches Filmmaterial und sensationelle Aufnahmen von Moskauer Straßenhunden geben dem Zuschauer eine völlig neue Perspektive und stellen drängende Fragen zum Verhältnis von Tier und Mensch, Kreatur und technischem Fortschritt. "Space Dogs" fordert den Intellekt des Zuschauers und lässt ihn verändert zurück.

"Space Dogs" läuft am Donnerstag, 22 Uhr, im Kino 3 und am Samstag, 11 Uhr, im Kino 2.

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Lovemobil

Katharina Schulz. Foto: Filminitiative

Katharina Schulz, Programmgruppe: Milena aus Bulgarien und Rita aus Nigeria arbeiten als Prostituierte in der niedersächsischen Provinz und warten täglich in ihren Wohnmobilen auf Freier. Aber was heißt es eigentlich, als Prostituierte zu arbeiten? Wer sind die beiden Frauen und wie sieht ihr Alltag aus? Welche Kämpfe liegen hinter ihnen, was sind ihre Wünsche und Träume? Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss hat Milena und Rita drei Jahre lang begleitet. Der Dokumentarfilm gibt diesen starken Frauen, die meistens im Unsichtbaren leben, eine Stimme. Ein mutiger, feinfühliger und gesellschaftlich relevanter Film.

"Lovemobil" läuft am Donnerstag, 20 Uhr, und Freitag, 19.15 Uhr, im Siebold-Museum.

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Firecrackers

Christian Molik. Foto: Filminitiative

Christian Molik, Programmgruppe, Vorstand der Filminitiative: Als rasant kann man viele Filme beschreiben – "Firecrackers“"ist dies von der ersten bis zur letzten Minute und darüber hinaus! Der Kanadierin Jasmin Mozaffari ist ein ausgezeichnetes Spielfilmdebüt gelungen, das intensive Spiel der prämierten Darstellerin Michaela Kurimsky lässt kaum Luft zum Atmen, und man hat beim Verlassen des Kinosaals Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Die Erkenntnis aus Mozaffaris aus dem Leben gegriffener Erzählung, wie weit unsere zivilisierte Gesellschaft innerlich noch entfernt ist von geschlechtlicher Gleichwertschätzung, wirkt nach.

"Firecrackers" läuft am Freitag, 23.15 Uhr, im Kino 1 und Sonntag, 21 Uhr, im Kino 3.

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Dogs Don't Wear Pants

Matteo Saam. Foto: Filminitiative

Matteo Saam, ERP-Systembetreuer und Mitglied der Programmgruppe: Mich fasziniert besonders "Dogs Don't Wear Pants" aus Finnland. Der Chirurg Juha verliert bei einem tragischen Unfall seine Frau und wandelt danach apathisch durch seinen Alltag, bis er eines Tages durch Zufall Domina Mona trifft. Ihre Praktiken ermöglichen Juha, sich seiner verstorbenen Frau wieder näher zu fühlen. Doch der Preis, den er dafür bezahlen muss, wird immer höher... Obwohl der Film im SM-Milieu spielt, ist er an keiner Stelle obszön oder voyeuristisch, sondern genau das Gegenteil: subtiles Charakterdrama und zärtliche Romanze - angereichert mit einer Portion nordischem Humor und unheimlich elegant gefilmt.

"Dogs Don't Wear Pants" läuft am Freitag und Samstag, 23.15 Uhr, im Kino 2.

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Self Made Cameraman

Olga Gleiser. Foto: Theresa Müller

Olga Gleiser, Programmgruppe: Im Jahre 1912 wurde der erste estnische Filmemacher, Johannes Pääsuke, beauftragt, das Gebiet Setumaa im Südosten Estlands zu porträtieren. Er sammelte mehr als 1300 Fotos von der Landschaft, drehte aber nur  sieben Minuten Filmmaterial. Was ist mit dem Rest geschehen? Der Film von Hardi Volmer versucht, dies aus heutiger Perspektive nachzuvollziehen. Johannes Pääsuke und sein Assistent Harry Volter, ein baltisch-deutscher Medizinstudent, gespielt von den bekannten estnischen Komikern Ott Sepp und Märt Avandi, reisen mit dem Zug und der Pferdekutsche von Tartu nach Petzer und Verska und erleben zahlreiche Abenteuer.

"Self Made Cameraman" läuft am Donnerstag, 19.45 Uhr, im Kino 3 und Samstag, 12.45 Uhr, im Kino 2.

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Die Dohnal

Susanne Bauer Filminitiative Foto: Filminitiative

Susanne Bauer, Sonderpädagogin, Mitglied der Programmgruppe: Sie haben den Namen Johanna Dohnal noch nie gehört? Kein Problem. Der Dokumentarfilm von Sabine Derflinger bringt Ihnen die Feministin und Politikerin näher. Dabei ist die Kombination aus Archivmaterial und aktuellen Beiträgen von Wegbegleiterinnen und Familienangehörigen sehr beeindruckend gelungen. Der Film ist für alle interessant - Frauen jeden Alters und alle politisch interessierten Menschen. Er gibt nicht nur Impulse zu Frauenthemen, er zeigt auch, wie man als Politikerin Haltung bewahrt. Wir freuen uns zudem sehr, die Cutterin Niki Mossböck begrüßen zu dürfen, die sich den Fragen des Publikums stellen wird.

"Die Dohnal" läuft am Samstag, 17 Uhr, im Kino 3 und Sonntag, 13 Uhr, im Kino 2.

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Mit dem Anruf kommt der Tod

Internationales Filmwochenende. Die Tipps der Festivalmacher. Foto: Stefan Bausewein

Jan Rosenow, Journalist, Mitglied der Programmgruppe: Im Jahr 2019 jährte sich die friedliche Revolution in der DDR zum 30. Mal. Grund genug, zurückzublicken und in der Retrospektivreihe "Plus Minus 89" prägnante Filme aus dieser Zeit der Umwälzungen zu präsentieren. Besonders möchte ich dem Publikum den Krimi "Polizeiruf 110: Mit dem Anruf kommt der Tod" ans Herz legen. Obwohl der von Jörg Schüttauf brillant gespielte Täter fast von Anfang an bekannt ist, baut der Film eine nervenzerfetzende Spannung auf. Zusammen mit dem authentischen Kolorit der Nachwendezeit und dem actionreichen Finale bietet der Film beste Unterhaltung. Hauptdarsteller Jörg Schüttauf wird zudem beim Filmwochenende zu Gast sein.

"Mit dem Anruf kommt der Tod" läuft am Samstag, 19 Uhr im Siebold-Museum.

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