WÜRZBURG

Filmwochenende ein Ort für Oscar-Gewinner

Die Chinesin und der Italiener: Die Chinesin Shun Li arbeitet in dem italienischen Streifen „Io sono Li“ als Bedienung in einer Hafenkneipe in Italien. Als sie den Fischer Bepi kennenlernt, beginnt eine Freundschaft, die sowohl bei den Einheimischen als auch bei den zugewanderten Chinesen auf Ablehnung stößt. Das Werk läuft beim Internationalen Filmwochenende. Foto: Verleih

Film ab! Vom 14. bis 17. März läuft das 39. Internationale Filmwochenende in Würzburg. „Flucht. Asyl. Immigration.“ lautet das Schwerpunktthema. Dass das Festival ein gutes Pflaster für eine große Karriere sein kann, hat sich erst dieser Tage wieder gezeigt. Der frisch gekürte österreichische Oscar-Gewinner Michael Haneke war 1990 Gast beim Filmwochenende.

Der Regisseur setzt damit die Serie der Oscar-gekrönten und -nominierten Filmschaffenden wie Wim Wenders, Michael Ballhaus, Pepe Danquart, Brude Beresford und Phil Noyce fort, die einst beim Filmwochenende ihre Werke präsentierten. Haneke, jetzt in Hollywood für seinen Film „Amour“ ausgezeichnet, zeigte vor 23 Jahren am Main „Der siebente Kontinent“, ein Film über Sprachlosigkeit und menschliche Kälte, sowie den Streifen „Wer war Edgar Allan?“. Die Suche nach der Identität eines Herrn Allan schien dem Main-Post-Rezensenten Achim Schollenberger damals aber alles andere als Oscar-verdächtig. Er beschrieb das Werk als „langatmig, zäh und einschläfernd“.

Das kann man von seinem Regisseur indes nicht behaupten, wie sich Berthold Kremmler, langjähriger Vorsitzender des Festival-Veranstalters Filminitiative, an dessen Besuch erinnert. Haneke habe sich „als ein sehr interessanter Mensch“ gezeigt, auf der einen Seite „distanziert“, gleichzeitig aber „herzlich“, ohne kumpelhaft zu sein. Was Haneke vo sich gab, habe er als „sehr klug und durchdacht“ in Erinnerung. Haneke sei neugierig und an der Reaktion des Publikums auf seine Filme sehr interessiert gewesen.

Ob auch beim 39. Filmwochenende ein späterer Oscar-Preisträger dabei ist, wird sich zeigen. Rund 50 internationale Produktionen vieler Genres werden an den Spielstätten Cinemaxx in der Veitshöchheimer Straße und im Programmkino Central in der Hofstraße zu sehen sein. Im Central wird am Donnerstag, 14. März, um 19 Uhr das Festival mit dem deutsch-norwegischen-Spielfilm „Zwei Leben“ eröffnet. Dessen Regisseur Georg Maas war bereits 2005 in Würzburg zu Gast – und das mit Erfolg. Sein Film „Neufundland“ gewann den Publikumspreis.

Gefälschte Identität

„Zwei Leben“ erzählt die Geschichte einer in Norwegen lebenden Deutschen, die die Liebe ihres Lebens, ihre Familie und ihr gesamtes Dasein auf einer gefälschten Identität aufgebaut hat.

Wie immer kommen Regisseure, Schauspieler und Produzenten zum Festival, um ihre Werke vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren. Festivalchef Hannes Tietze freut sich mit dem Schwerpunkt Flucht, Asyl und Immigration ein aktuelles Thema zu präsentieren, mit dem sich 17 Filme aus elf Ländern beschäftigen. Kein Medium biete sich mehr an als der Film, die vielfältigen Aspekte dieses Themas zu hinterfragen, sich ihm dokumentarisch, dramatisch oder auch humorvoll zu nähern.

„Filme erreichen die Herzen der Menschen, konfrontieren sie mit fremden Schicksalen, geben Denkanstöße und fördern den interkulturellen Dialog“, sagt Tietze.

Film der Mönchberg-Schüler

Wie nahe Würzburg und seine Bürger mit dem Thema Flucht und Asyl konfrontiert sind, zeigt sich nicht nur an der Gemeinschaftsunterkunft in der Veitshöchheimer Straße, sondern auch an der Mönchbergschule. Dort lernen Kinder von Flüchtlingen aus 35 Nationen miteinander. Einige Schüler bringen zum Filmwochenende einen selbst gedrehten Film mit, der deutlich macht, wie gut interkulturelle Verständigung funktionieren kann.

Vivovolo e.V., Asyl-AK und Heimfocus, sind Hilfsorganisationen, die das Los der Flüchtlinge im Würzburger Raum verbessern wollen. Sie werden ihre Arbeit auf dem Filmwochenende vorstellen. Dessen aktuelle Botschaft formuliert die Wiener Flüchtlingshelferin Ute Bock so: „Wir müssen die Gesetze ändern. Man muss anfangen beim kleinen Mann auf der Straße. Die auf der Straße herumrennen und blöd reden, die muss man überzeugen.“

Oscar-Preisträger am Rathaus: Michael Haneke (Zweiter von rechts, stehend) überragte schon 1990 seine Kollegen. Anlässlich des OB-Empfangs zum Internationalen Filmwochenende stellten sich die Filmschaffenden (von links) Mohamed Chouikh, Christiane Mückenberger, Paul de Nooijer (sitzend) und Ladislav Galeta dem Fotografen. Foto: ArchivA. Schollenberger

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