WÜRZBURG

Firmenlauf: Blinde Kidisti Weldemichael war zwölftbeste Frau

Von Geburt an blind: Paralympics-Kandidatin Kidisti Weldemichael mit Begleitläufer Frank Schwehla. NORBERT SCHWARZOTT
Von Geburt an blind: Paralympics-Kandidatin Kidisti Weldemichael mit Begleitläufer Frank Schwehla. NORBERT SCHWARZOTT Foto: Foto:

Bereits beim Start hat sich die schlanke und kleine Frau gemeinsam mit ihrem Laufpartner in die vorderste Reihe eingeordnet. Kidisti Weldemichael wirkt ebenso konzentriert wie Frank Schwehla. Als Moderator Peter Maisenbacher endlich das Signal zum Start gibt, durchzuckt es die Körper beider Läufer.

Schulter an Schulter und verbunden mit einer einfachen aus Schnürsenkeln gebundenen Schlaufe, in das sie ihre Hände eingehakt haben, sprinten sie gemeinsam in die enge Kurve, die gleich nach dem Start aus dem Dallenbergbad hinausführt: „Wir waren lange Zeit an fünfter Stelle, sind dann aber etwas zurückgefallen“, erzählt später Schwehla. Denn seine Partnerin konnte das nicht sehen: sie ist seit dem Jahr 2004 blind und kann nur noch Dunkel und Hell voneinander unterscheiden.

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Das dichte Teilnehmerfeld des vor sechs Jahren von Alexander Fricke gegründeten Würzburger Firmenlaufs hat es beiden nicht einfach gemacht. Mit 2740 Läufern in über 150 Teams hat er einen neuen Rekord erreicht. Mit 130 Teilnehmern hat das größte Team s.Oliver gestellt. Bis das gesamte Starterfeld das Dallenbergbad verlassen hatte, brauchten die Läufer 4:40 Minuten.

Für die 21-Jährige in Eritrea geborene Frau war der 7. Würzburger Firmenlauf mehr als eine Spaßveranstaltung. Für sie war der Lauf eine wichtige Trainingseinheit, um das Zusammenwirken mit ihrem Laufpartner auf der ihr unbekannten 7,4 Kilometer langen Strecke zu erproben: „Es ist mein Traum, Ende August in London bei den Paralympics für Deutschland die 1500 Meter Strecke zu laufen“, sagt sie. Dafür trainiert sie mit Frank Schwehla von der Laufgemeinschaft Würzburg als sicherem Halt an ihrer Seite: „Am Vierröhrenbrunnen da war es auf dem nassen Pflaster rutschig und da hat Kidi hat etwas Angst gehabt“, erzählt Schwehla. Auch mussten sie zu Beginn über die niedrige Hecke am Radweg springen und am Ende die Wendeltreppe zur Adenauerbrücke überwinden. „Er hat mich super geführt“, sagte sie hinterher. Am Ende ist sie als Zwölfte bei den Frauen im Ziel mit einer guten Zeit von 34.47 Minuten. Dabei war „Kidi“, wie alle die lebensfreudige junge Frau nennen, nur eine von 16 überwiegend sehbehinderten Teilnehmern des Berufsförderungswerks Würzburg, das in Veitshöchheim seinen Sitz hat und Blinde und Sehbehinderte auf einen Beruf vorbereitet.

Schwülwarme Temperaturen

Anton Bach ist Betriebsrat bei der Firma Reich in Mellrichstadt und im Ehrenamt als Versichertenberater für die Deutsche Rentenversicherung tätig: „Ich laufe auch sonst viel und nehme am Rhön-Grabfeld-Cup teil“, erzählt er. Dabei hat der 57-Jährige, der sich ein schwarzes Tuch piratenartig als Sonnenschutz um den Kopf gebunden hat, durchaus sportlichen Ehrgeiz. „Schließlich wirbt die DRV selber für das Laufen, um die Arbeitskraft bis ins Alter zu erhalten“, sagt er. Immerhin haben die DRVler so eine stolze Gruppe mit 47 Teilnehmern zusammen gekommen, die alle ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Laufzeit ist nicht alles!“ getragen haben.

Herzlich geht es zu beim Zieleinlauf: Hier warten bereits Firmenkollegen, die es bei den schwülen Temperaturen vorgezogen haben, selber nicht mitzulaufen und dafür umso mehr ihre Kollegen bei fetziger Techno-Musik bejubeln. Manche laufen Arm in Arm über die Ziellinie.

Ärger auf der Arbeit, Mobbing im Büro? An diesem Abend im Dallenbergbad war davon keine Spur. Nach und nach verwandelt sich die Liegewiesen des Schwimmbades in eine Festwiese: Größere Gruppen haben sich mit Zelt und Biertischgarnituren ihren eigenen kleinen Biergarten geschaffen. „Na, wir sind vor allem wegen der Party danach mitgelaufen“, erzählt Sabine Proksch vom Rechenzentrum der Uni Würzburg.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder vom Firmenlauf im Internet unter wuerzburg.mainpost.de

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