ZIEGELANGER/WÜRZBURG

Flaschennot im Winzerland

Zumindest für die Abfüllung der Basisweine reichen derzeit die Literflaschen bei Winzer Max Martin in Ziegelanger aus. Foto: Matthias Hoch

Es gibt ihn, den Flaschenengpass beim Frankenwein. Sagt nicht nur Winzer Max Martin im Zeiler Stadtteil Ziegelanger (Lkr. Haßberge), sagt auch der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann. Was, und darauf legt der Präsident großen Wert, überhaupt nicht mit dem auch mengenmäßig großartigen Ergebnis des Jahrgangs 2018 zusammenhängt. Der Grund für den Engpass liege vielmehr bei den Flaschenlieferanten, einigen Glashütten, von denen allein zwei aufgrund von Revisionsarbeiten derzeit nicht produzieren und damit auch nicht liefern können, berichtet der „Fränkische Tag“.

Silvaner in weißen Flaschen

Max Martin kann seinen neuesten Silvaner, eher untypisch abgefüllt in weißen Literflaschen, dennoch an die Kundschaft ausliefern. „Wir planen natürlich rechtzeitig, was wir benötigen und wir bestellen auch rechtzeitig“, so der junge Winzer. Heißt, bereits unmittelbar nach der Lese geht?s mit der Planung los. Wird überlegt, wie viele Flaschen für den Jahrgang benötigt werden. Die Erntemenge ist zu definieren und hernach festzulegen, was als Basiswein, rebsortendefinierter oder Lagenwein in Literflaschen oder Bocksbeutel abgefüllt wird. Obwohl sich in den Weinregalen der Händler und Supermärkte auch immer mehr andere Flaschenformen finden, die typisch fränkische Bocksbeutelform hat übrigens längst nicht ausgedient. Noch ist es immer so, dass die guten Tropfen in Bocksbeutel abgefüllt werden. Ein Drittel dessen, was ein Jahrgang in Franken hervorzubringen vermag, wird auf diese Weise gläsern „verpackt“. Der Winzer, der bei seiner Planung zwar rechtzeitig genug mit der Bestellung dran war, sich aber in der Menge verschätzte und deshalb jetzt nachbestellt, muss halt einige Wochen länger warten. „Der Kunde merkt das gar nicht“, ist sich Artur Steinmann sicher. Und dem Wein tut?s auch nichts, weil er sich in den Edelstahltanks eh besser entwickeln kann als in der Flasche.

Bei der Weinproduktion gibt?s für die fränkischen Winzer eh einen Grenzwert. Mehr als 90 Hektoliter Wein je Hektar sind nicht erlaubt. Im Fall einer größeren Ernte können die Traubenerzeuger zwar auch einmal bis zu 108 Hektoliter gehen, das aber nur ausnahmsweise. Der Gesetzgeber will damit die Qualität des Weins sicherstellen. Vorschriften, die staatlicherseits auch genauestens auf ihre Einhaltung überprüft werden. Jeder Winzer hat ein Weinbuch zu führen, mit genauer Angabe der geernteten Mengen. Und kontrolliert werde natürlich auch in den Betrieben, unterstreicht Steinmann. Zu viel produzierte Mengen müssen zwar nicht weggeschüttet werden, aber sie werden zwangsdestilliert. Heißt: Der edle Rebensaft wird zu Industriealkohol verarbeitet.

Genügend Bocksbeutel bestellt

Der Ziegelangerer Winzer Max Martin hat bereits einen Teil seines jüngsten Jahrgangs abgefüllt. Im Januar seien zunächst einmal die Basisweine an der Reihe gewesen, erläutert er. Die landen zumeist in Literflaschen, Material das rechtzeitig bestellt wurde. Wenn es nun an die Lagenweine und Bocksbeutel geht, kommt der junge Winzer auch noch zurecht. Abfüllen muss er eh noch mehrmals, natürlich in der Hoffnung, dass die nachbestellten Flaschen auch eintreffen, wenn die letzten Reserven verfüllt sein sollten.

Gerade beim Bocksbeutel hätten die Winzer vorausschauend bestellt, sagt auch Michael Bock vom Fränkischen Weinbauverband in Würzburg. Dass die Glashütten derzeit praktisch leer seien, wäre deshalb zumindest in Franken kein größeres Thema. Die Flaschennot ist demnach zumindest im fränkischen Winzerland noch beherrschbar.

Wo Glas produziert wird

In Deutschland gibt es rund 25 Glashüttenstandorte. Sie produzieren jährlich Glasbehälter mit einem Gewicht von insgesamt etwa vier Millionen Tonnen. In Franken sind vor allem drei Firmen tätig, die ihre Standorte hauptsächlich im Landkreis Kronach haben: Heinz-Glas, Gerresheimer und Wiegand-Glas. Während Heinz und Gerresheimer in erster Linie die Kosmetikbranche bedienen, ist die Firma Wiegand in Steinbach am Wald auf den Getränkemarkt fokussiert.

„Glas ist generell knapp“, bestätigt Nikolaus Wiegand, geschäftsführender Gesellschafter der Firma mit insgesamt 1950 Mitarbeitern an vier Standorten. Die Situation könnte sich nächste Woche noch verschärfen, denn dann wird in Steinbach am Wald eine verschlissene Glasschmelzwanne ersetzt. Bis die neue, dann größere Wanne einsatzfähig ist, vergehen zwei Monate. Die neue Wanne – eine von elf in der Wiegand-Gruppe – hält dann wieder zehn Jahre und läuft rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

Weinflaschen sind 35 bis 40 Prozent der Produktion bei Wiegand, beim Bocksbeutel ist die Firma sogar Marktführer mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent. Die Produktpalette umfasst alle gebräuchlichen und auch individuelle Mehrweg- und Einweg-Glasverpackungen. Daneben aber auch seit mehr als 20 Jahren PET-Flaschen.

Die Nachfrage sei im Moment sehr hoch, dadurch stiegen auch die Preise. Als Gründe nennt Wiegand die „Superweinernte im Jahr 2018 in ganz Europa“ und den Trend zur Individualglasflasche mit Markenlogo bei den Mineralbrunnen. Früher seien es die Kunden gewohnt gewesen, bis 13 Uhr anzurufen und am nächsten Tag alles geliefert zu bekommen. Jetzt müssten sie früher planen. (litz)

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