WÜRZBURG

Flugtage am Schenkenturm: Wenn der Magen Loopings schlägt

Waren die Stars beim Flugtag am Würzburger Himmel: The Royal Jordanian Falcons mit ihren schnellen Maschinen.
Waren die Stars beim Flugtag am Würzburger Himmel: The Royal Jordanian Falcons mit ihren schnellen Maschinen. Foto: Thomas Obermeier

„Schau mal Papa, dort wohnen wir“, ruft der 6-jährige Konrad und deutet mit dem Finger auf einen weit hinter und unter dem Fenster entfernten Punkt. Er und sein Vater sehen mit konzentrierter Miene durch die Scheibe. Trotz des Nieselregens am Samstag ist die Innenstadt Würzburgs gut erkennbar. Aus 800 Meter Höhe wirkt jedoch die majestätische Residenz fast wie ein Gebäude aus einem Monopolyspiel. Weil es allen Spaß macht – je jünger, desto größer ist das Vergnügen – dreht Pilot Horst Peter Wölfel noch eine Steilspirale. Dann nimmt er Kurs auf den Flugplatz Schenkenturm, die nächsten Gäste warten schon ungeduldig.

Zuvor muss die einmotorige Beechcraft Bonanza F 36 aber erst einmal sicher zur Erde zurückkehren. Die 700 Meter lange Landebahn erscheint ziemlich kurz, die Anfluggeschwindigkeit ziemlich schnell. Mit routinierten Handgriffen führt der Pilot die nötigen Manöver durch, fast unbemerkt setzt die Maschine schließlich auf dem Asphalt auf. Nach 47 Jahren im Cockpit wirkt der erfahrene Hobbypilot Wölfel sehr souverän. Wer in 56 Tagen um den gesamten Erdball fliegen kann, dem gelingt auch spielerisch leicht die Landung auf seinem Heimatflugplatz.

Heuer bot der Flugsportclub Würzburg (FSCW) erneut den Besuchern der beiden Flugtage ein hochkarätiges Programm. Am verregneten Samstag schwelgte Vereinsvorsitzender Heinz Gräf allerdings etwas wehmütig in Erinnerungen. „1968, bei der ersten Veranstaltung, kamen insgesamt 30 000 Besucher.“ Damals seien sowohl die Flugzeuge wie auch die Vorführungen als „sensationell“ erachtet worden. „Damals waren die Leute noch heiß.“ Dafür sorgten unter anderem tief über den Platz dröhnende Phantom-Kampfjets.

Nach dem sprichwörtlich ins Wasser gefallenen Samstag entschädigte Petrus die 140 fleißigen Helfer des FSCW am Sonntag. Absoluter Höhepunkt waren die zwei Starts der „Royal Jordanian Falcons“, die mit vier Maschinen beeindruckende Formationen in den Himmel zauberten. „Wir sind das erste Mal in Würzburg und wollen hier neue Erfahrungen sammeln“, erklärte deren Direktor Raed Ajeilat. Die jordanischen Kunstflieger waren wegen schlechten Wetters mit Verspätung aus Frankreich und mit Hagelschäden an den Maschinen angekommen. Eine Zeitlang musste der Flugsportclub sogar um den Auftritt der international anerkannten Kunstflugtruppe bangen. Nun genossen die Piloten die „tolle Aussicht auf die schöne Stadt im Maintal“.

Auf der Tragfläche laufen

Peggy Krainz musste am Samstag auch auf ihre Wing-Walking-Aktion, also ihre Darbietung auf den Tragflächen, wegen des Regens verzichten. Doch die holte sie am Sonntag nach. Viel Beifall erhielt zudem Wolfgang Seitz mit seinen Kunstflügen in einer Yak 55. Zu bewundern waren außerdem Segelkunstflüge, waghalsige Fallschirmsprünge sowie Synchronflüge.

Ein interessantes Programm für groß und klein gab es aber nicht nur hoch oben, sondern auch am Boden. „Ich finde den Hubschrauber ganz prima“, meinte Silvia Preuß, die es sich mit ihrem zweijährigen Enkel Ole in einem UH-1D Bell Helikopter der Bundeswehr bequem gemacht hatte. Die Organisatoren hätten ihr und der gesamten Familie „richtig schöne Erlebnisse“ beschert, lobte sie. Einen Rundflug in einer der fünf zur Verfügung stehenden Maschinen lehnte sie jedoch dankend ab. „Dafür bin ich zu ängstlich.“

Nicht so der 13-jährige Andreas Halbig, dem das Abheben „riesigen Spaß bereitete“. Besonders spannend fand er den rasanten Abstieg von 700 auf 300 Meter, bei dem sein Magen regelrechte Loopings schlug. Sein Cousin Florian Halbig meinte lässig, er habe fast keinen Unterschied zwischen der Piper PA 28 und einer großen Passagiermaschine gemerkt. Der dritte Fluggast im Bunde, Markus Schäflein, war zwar vor dem Start etwas nervös, als er aber sanft durch die Luft schwebte, konnte auch er sich entspannt im Sitz zurücklehnen.

Am Ende der beiden Flugtage konnte dritter Vorsitzender Sebastian Knopp diese Bilanz ziehen. „Ich schätze, wir hatten mehr Besucher als die Jahre zuvor.“ Besonders die jordanischen Falken hätten viele Flugfans angezogen. Besondere Vorfälle gab es bei „Würzburg fliegt 2011“ nicht.


Faszination Fliegen: Die Piloten ziehen die Zuschauer in ihren Bann.
Faszination Fliegen: Die Piloten ziehen die Zuschauer in ihren Bann.
Tandemsprung mit Lehrer.
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