Röttingen

Frankenfestspiele: Ein frecher, frischer Konzert-Cocktail

Susanne Jansen bei ihrer Jazz-Einlage, herbeigesehnt von Chansonsänger Dietmar Horcicka und Moderator Daniel Ebert. Foto: Gerhard Meißner

Was bitte war jetzt das? Langjährige Stammgäste der Röttinger Frankenfestspiele, die den Wiener Liederabend früherer Tage noch gekannt haben, mögen sich verwundert die Augen gerieben haben. Die übrigen Zuschauer schienen zu Recht begeistert von einem Konzertabend, wie ihn die Burg Brattenstein noch nicht erlebt hat. Mehr Rock und Chanson, dafür weniger Operettenklänge.

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Festspiel-Cocktail

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Erlaubt ist, was gefällt, beim Festspiel-Cocktail. Aus den persönlichen Vorlieben und Ideen des Ensembles hat der neue musikalische Leiter Rudolf Hild einen spritzigen Cocktail gemixt, der einmal mehr erkennen ließ, wie viele unterschiedliche Talente bei den Frankenfestspielen zusammenkommen.

Reife Sopranstimme

Mit dem Lied "Ich lade gern mir Gäste ein" aus der "Fledermaus", leidenschaftlich serviert von Michaela Mehring, und "Lippen schweigen" aus "Die lustige Witwe", gesungen von Anne Steffens und Manuel Ried, fing alles noch ganz harmlos an.  Vor allem Anne Steffens, zu sehen als Julia de Weert in "Der Vetter aus Dingsda" empfahl sich dabei mit ihrer reifen Sopranstimme für höhere Aufgaben.

Antje Rietz mit Trompete, wie man sie bereits aus den Festspiel-Konzerten der Vorjahre kennt. Foto: Gerhard Meißner

Dietmar Horcicka, eigentlich als Regisseur der Komödie "Glorious!" engagiert, zeigte mit "Amsterdam" und "La Valse a mille temp" von Jacques Brel, welch begnadeteter Chanson-Interpret in ihm steckt. Susanne Jansen, die als Florence Foster Jenkins in "Glorious!" falsch singen muss, zeigte mit "Summertime" von Georg Gershwin, vorgetragen mit aufgeklebten XXL-Wimpern und wirr-lasziver Choreografie, eine gelungene Mischung aus gefühlvollem Jazz und Parodie.

Tanzeinlage in Gummistiefeln

Letztere scheint William Danne im Blut zu liegen. Als Cornelius Hackl in "Hello, Dolly!" und als Egon von Wildenhagen im "Vetter aus Dingsda" zu sehen, blieb er auch beim Festspielkonzert seiner Buffo-Rolle treu. Mit Kittelschürze und Gummistiefeln bekleidet, trank er zunächst Brüderschaft mit einem Zuschauer, um dann Heinz Erhards "Wenn ich einmal traurig bin" zum Besten zu geben – gepaart mit einer eher schwerfüßigen Tanzeinlage.

Frech-frivol mit einem Auszug aus der "Rocky Horror Show": Sebastian Ciminski-Knille als "Sweet Transvestite" Frank N. Furter. Foto: Gerhard Meißner

Nachdem Marie-Sophie Weidinger, Mirjam Bauer und Regieassistentin Nina Basten zuvor schon solo zu sehen waren, drehten sie gemeinsam mit Sebastian Ciminski-Knille, Marina Pechmann und Tobias Rupprecht noch einmal richtig auf, um das Publikum mit dem frech-frivolen "Sweet Transvestite" und "Time Warp" aus der "Rocky Horror Show" in die Pause zu entlassen.

Totale Finsternis um Merkel und Nahles

Während Daniel Ebert bis dahin durch seine unterhaltsame Moderation und den schnellen Wechsel seiner bunten Sakkos aufgefallen war, eröffnete er an der Seite von Tobias Rupprecht in der Verkleidung von Angela Merkel und Andrea Nahles mit "Totale Finsternis" aus "Tanz der Vampire" den zweiten Teil des Abends. Angela H. Fischer mit Auszügen aus ihrem Sologrogramm mit Hildegar-Knef-Liedern, Miriam Klein mit dem Rocksong "Proud Mary" und Tobias Rupprecht mit "I want to break free" von Queen bereiteten den Boden für Antje Rietz, ein weiteres Allround-Talent des Ensembles. Als Trompeterin brillierte die Berlinerin ebenso, wie mit ihrem Jodler zum Lied "Nach Regen scheint Sonne".

William Danne trank erst mal Brüderschaft mit einem Zuschauer, bevor er in Kittelschürze und Gummistiefeln ein Lied von Heinz Erhard zum Besten gab. Foto: Gerhard Meißner

In der Titelrolle von "Hello, Dolly!" spielt Antje Rietz zum dritten Mal in Röttingenund ist damit nach dem Wechsel von Intendanz und musikalischer Leitung bereits die dienstälteste Schauspielerin der Frankenfestspiele. Ohne die Leistungen der Vorgänger zu schmälern, ist der Personalwechsel den Festspielen augenscheinlich gut bekommen. Zu einer ganz tollen Gemeinschaft sei das Ensemble während der Festspielzeit zusammengewachsen, hatte Intendant Lars Wernecke eingangs des Konzerts verraten. Mit welcher Spielfreude die Schauspieler und Musiker an die Arbeit gehen, wurde auch im Finale des Konzerts mit "Somebody to love" von Queen deutlich.

Eine kleine Umfrage nach dem Konzert zeigte, dass sich auch die Älteren im Publikum von der neuen, rockigeren Aufmachung des Konzertabends gut unterhalten fühlen. Einer Zuschauerin waren lediglich die "Werbeblöcke" von Daniel Ebert zugunsten des restlichen Festspielprogramms etwas zu viel. Inzwischen haben die Frankenfestspiele Halbzeit. Die Operette "Der Vetter aus Dingsda" ist noch siebenmal zu sehen, die Komödie "Glorious!" und das Musical "Hello, Dolly!" werden nur noch zweimal aufgeführt. Mit "Hello, Dolly" enden die Festspiele am 18. August.

Weitere Infos sowie Tickets zu den Röttinger Frankenfestspielen unter Tel.: (0 93 38) 97 28 55 oder online: www.frankenfestspiele.de. Neben der Operette, dem Musical und der Komödie steht am 13. August noch das Konzert von "Radio Doria - Jan Josef Liefers & Band" auf dem Programm.

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