Heidingsfeld

Frau in Würzburg überfahren: War es ein illegales Autorennen?

Unfall mit Raser: Am Sonntagabend wurde an der Straßenbahn-Haltestelle Andreas-Grieser-Straße in der Mergentheimer Straße in Heidingsfeld eine Frau überfahren. Foto: Berthold Diem

Dass die 42-jährige Fußgängerin den Unfall am frühen Sonntagabend überlebt hat - reiner Zufall: Gegen 17.15 Uhr war sie von einem 20-Jährigen mit einem hochmotorisierten Mercedes AMG auf der Mergentheimer Straße in Würzburg überfahren worden. Der junge Mann, so berichteten mehrere Zeugen, habe sein schwarzes Auto (Neupreis ab 115 430 Euro) zunächst stark beschleunigt, sei dann mit hoher Geschwindigkeit auf die Kreuzung zur Andreas-Grieser-Straße zugefahren. Dort, direkt an der gleichnamigen Straßenbahn-Haltestelle, sei er bei Rot über die Ampel gerast und habe die Fußgängerin, die in diesem Moment bei "Grün" die Straße mit ihrem Hund überqueren wollte, erfasst.

"Die Dame hatte Glück im Unglück", so Polizeisprecher Philipp Hümmer am Montag. "Sie erlitt Prellungen am ganzen Körper und eine Gehirnerschütterung, ist aber außer Lebensgefahr." Die Polizei habe noch am Unfallort den Führerschein sowie das Fahrzeug des jungen Mannes sichergestellt. Doch geklärt ist der Fall damit nicht: Die Ermittler vermuten, dass es sich um ein illegales Autorennen handelte und suchen nun nach einem zweiten beteiligten Fahrzeug, einem silbernen Mercedes mit MSP-Kennzeichen. Er soll zur selben Zeit mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Mergentheimer Straße unterwegs gewesen sein.

Nach einem Unfall war die Mergentheimer Straße in Würzburg am Sonntagabend (1. Dezember) mehrere Stunden gesperrt. Foto: Berthold Diem

Unfallfahrer ist polizeibekannt

Wie die Polizei gegenüber dieser Redaktion bestätigte, ist der 20-jährige Unfallfahrer für die Ermittler kein Unbekannter. Er sei schon mehrfach wegen Verkehrsdelikten in Erscheinung getreten, etwa wegen gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr. Nun wird gegen den Mann wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und weiterer Delikte ermittelt.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Immer wieder werden unbeteiligte Passanten oder Autofahrer schwer oder sogar tödlich verletzt, weil sich Halbstarke illegale Autorennen liefern – auch in der Region. Für das Jahr 2018 verzeichnet die Polizeistatistik in Unterfranken drei Strafanzeigen wegen illegaler Autorennen. "Im Jahr 2019 ist die Tendenz steigend", sagt Polizeisprecher Hümmer.

So rasten zum Beispiel im März 2019 zwei Autofahrer den Heuchelhofberg in Würzburg mit über 100 Stundenkilometern hinauf, ein Auto landete dabei im Gleisbett der Straßenbahn. Verletzt wurde dabei niemand. Im April 2019 kam es in der Würzburger Innenstadt zu einem nächtlichen Rennen. Dort lieferten sich die Fahrer eines Mercedes und eines stark motorisierten BMW ein Kräftemessen in der engen und kurvigen Pleichertorstraße.

Neuer Straftatbestand seit 2017

Um gegen illegale Autorennen strenger vorgehen zu können, wurde im Oktober 2017 ein neuer Straftatbestand eingeführt. Paragraf 315d des Strafgesetzbuchs stellt "verbotene Kraftfahrzeugrennen" unter Strafe. Schon im ersten Jahr nach der Einführung verurteilten bayerische Gerichte 40 Menschen wegen der Teilnahme an illegalen Autorennen. Kommen dabei Personen zu Schaden, kann eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren verhängt werden.

Schlagzeilen machte indes das Berliner Landgericht, als es im März zwei Raser wegen gemeinschaftlichen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilte. Das erste Urteil hatte der Bundesgerichtshof zuvor aufgehoben. Die Männer hatten bei einem illegalen Rennen auf dem Ku'damm den Jeep eines Unbeteiligten gerammt. Der 69-jährige Arzt im Ruhestand starb.

Zeugen, die Angaben zum Unfall in Würzburg oder dem zweiten Mercedes machen können, werden gebeten, sich bei der Polizei unter Tel. (0931) 457-2230 zu melden.

Raserunfälle in Bayern
176 Menschen sind laut Statistischem Landesamt bei Unfällen wegen zu hoher oder nicht angepasster Geschwindigkeit im Jahr 2018 in Bayern ums Leben gekommen, 64 im ersten Halbjahr 2019.
Raserunfälle sind vor allem ein von jungen Männern verursachtes Problem. Bei Unfällen mit Verletzten wegen nicht angepasster Geschwindigkeit in Bayern waren in den Jahren 2017 und 2018 fast drei Viertel (72 Prozent) der Fahrer männlich. Etwa jeder Fünfte (21 Prozent) war zwischen 25 und 35 Jahren alt, wie aus den Verkehrsunfallstatistiken des Landesamts hervorgeht.

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