WÜRZBURG

Freie Kulturträger: Ersatz für Posthalle ist unabdingbar

Für kleine Konzerte, wie hier das von Akua Naru im Cairo, sieht der Dachverband freier Kulturträger genügend Veranstaltungsorte in der Stadt. Für große Konzerte wäre die geplante Multifunktionshalle geeignet. Nach dem Wegfall der Posthalle fehle aber das „Dazwischen“, meint Vorsitzender Ralf Duggen. Foto: Johannes Kiefer Foto: Johannes Kiefer

Nach Jojo Schulz, dem Betreiber der Posthalle, äußert sich jetzt auch Ralf Duggen vom Dachverband freier Würzburger Kulturträger zu den Plänen für eine Multifunktionsarena an der Grombühlbrücke: Natürlich sei eine Multifunktionsarena für Würzburg wünschenswert und notwendig für Sport, Kongresse und Konzerte. Und trotz aller finanzieller Risiken gerade der laufenden Unterhaltskosten sollte die Chance zu einer Realisierung genutzt werden. Dennoch brauche es eine zweite Veranstaltungshalle als Ersatz für die Posthalle, die in wenigen Jahren einer Neugestaltung der Postareals am Bahnhof zum Opfer fallen wird (wir berichteten).

„Weil erst beides zusammen wirklich Sinn macht“, begründet Duggen seine Forderung. Weil sich beides ergänze und nicht in Konkurrenz trete: „Während die Multifunktionsarena bei 2000 Besuchern anfängt, deckt die Posthalle den von den Veranstaltungszahlen her weitaus größeren Bedarf an Konzerten für 200 bis 2000 Besuchern ab“, so Duggen weiter. Würzburg habe einige gute kleine Konzerträume bis 200 Personen. Für Konzerte, für die diese Clubs zu klein, die Multifunktionsarena aber noch viel zu groß sei, klaffe eine Lücke. Und die könne und müsse eine neue Posthalle schließen.

„Ein konkreten Standortvorschlag habe ich nicht“

„Ein konkreten Standortvorschlag habe ich nicht“, sagt Duggen am Telefon. „Ich weiß, dass der Jojo Schulz eine Planung für den Viehmarktparkplatz am Main gemacht hat. Den Standort halte ich für nicht unproblematisch, aber nicht so, dass man sagen muss, das geht gar nicht“, fährt Duggen fort. „Ein anderer denkbarer Ort wäre das Gelände der Faulenbergkaserne, aber da kenne ich die Details nicht gut genug. Aber den Schuh, einen konkreten Platz zu nennen, wollen wir uns nicht anziehen“, sagt er. „Es soll nur darauf hingewiesen werden dass es geradezu absurd wäre, einen Ort für kleine und einen Ort für ganz große Konzerte zu habe und dazwischen gibt es nichts.“

Für junge, neue, unbekannte Künstler seien die kleinen Locations prima. Aber wenn die Künstler wachsen und bekannter werden, sei der nächste Schritt eben ein großer Club mit deutlich über 200 Plätzen. Für solche Konzerte sei die jetzige Posthalle manchmal fast zu groß). Es gelte also, eine vernünftige, funktionierende und sich ergänzende Konzertstruktur zu schaffen: Mit den kleinen Konzerträumen Bechtolsheimer Hof, Immerhin, Cairo, Blauer Adler und Omnibus, einer kleinen Konzerthalle mit bis zu 1500 Plätzen, in der aber auch Konzerte mit 400 Besuchern funktionieren – und eben der Multifunktionsarena, meint der Vorsitzende des Dachverbands freier Kulturträger Würzburg.

Darauf zu verzichten sei kurzsichtig

Sonst würde der Fall eintreten, dass neue Künstler einmal nach Würzburg kämen, nämlich zu ihrem ersten Konzert in einer kleiner Location – und dann mangels geeigneter Auftrittsmöglichkeit nicht mehr. Gerade der Bereich etwas bekannterer Künstler, die aber noch nicht die ganz großen Arenen füllen, sei riesig, überaus vielfältig und lebendig, meint Duggen. Darauf zu verzichten sei kurzsichtig und auch ein bisschen peinlich.

Zudem sei das Areal der Posthalle weit mehr als „nur“ Veranstaltungshalle: Einer der kleinen Musikclubs, das Immerhin, habe dort sein Zuhause, dazu gebe es eine Vielzahl von Büros aus dem Kreativbereich. Auch dafür müsse bei einer anderen Nutzung des Areals Ersatz gefunden werden – im Idealfall wieder im Umfeld einer neuen Posthalle.

„Würzburg braucht eine große zeitgemäße Veranstaltungshalle“, bekräftigt Duggen. Und mindestens ebenso dringend eine mittlere Konzerthalle. Sonst bleibe Musikfans häufig nur die Fahrt nach Aschaffenburg oder Nürnberg.

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