UNTERPLEICHFELD/HAUSEN

Freie Wähler sind begeistert

Kurz-Demo: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger ging in Unterpleichfeld mit Mitgliedern der Bürgerinitiative für einen Moment des Protestes auf die Straße. Foto: I. Konrad

„Das war eine starke Veranstaltung mit vollem Haus und großem Aufwand“, lobte Hubert Aiwanger die kleine Ortsgruppe der Freien Wähler in Hausen und versprach, dass er seinen Besuch in Unterfranken „in guter Erinnerung behalten“ wird. Zwei Tage war der Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler im Raum Gemünden und im nördlichen Landkreis Würzburg „an der Basis“ unterwegs. Und auch er hat Eindruck hinterlassen.

„Gefühlte 100 Termine“ habe er gehabt, scherzte der 44-jährige Niederbayer und bedankte sich bei den Landtagsabgeordneten Günther Felbinger und Hans Jürgen Fahn, die ihn durch ihre Stimmkreise begleiteten. Aiwanger zeigte sich offen und interessiert. Er ließ sich auf die Themen vor Ort ein, war für jeden ansprechbar, wurde interviewt, unterhalten, bewirtet und oft fotografiert. Er führte Ehrungen durch, erteilte Lob nach allen Seiten und nahm „einen Kofferraum voller Frankenwein“ mit heim. „Das ist ein Vollprofi“, waren sich Parteifreunde und politische Rivalen einig. Aiwanger habe spürbar Power. Er trete selbstsicher auf, spreche mit kräftiger Stimme und Gestik. Das kenne man aus dem Fernsehen, aber live sei die Präsenz deutlich greifbarer, hieß es.

Bei der Kundgebung in Hausen vor 120 Gästen genügten dem Freie-Wähler-Chef ein paar Stichpunkte, um eine Stunde lang frei zu sprechen. Er redete vor allem über die Stärkung des ländlichen Raums und der Kommunen, über „volkswirtschaftliche Fehlentwicklungen“ im Bereich Schule und Gesundheitswesen. Der Politiker wetterte gegen die Bürokratie bei Maut oder Mindestlohn, sah Handwerker oder Landwirte als „Leistungsträger dieser Gesellschaft“ und „unsere Lebensmittelerzeuger“ und forderte mahnte „mehr Kooperation und weniger Konfrontation in der bayerischen Landespolitik“. Aiwanger erläuterte seine Vorstellungen von barrierefreien Bahnhöfen, der Verbesserung des ÖPNV, einer „vernünftigen Energiepolitik“.

Riedener Kläranlage

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Aiwanger-Besuch in Hausen

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Den Hausenern sprach er aus der Seele, als er die „uralte Forderung der Freien Wähler“ betonte, „die öffentliche Daseinsvorsorge in öffentlicher Hand zu belassen“. „Schlaumeier“ hätten bei Privatisierungen zu kurz gedacht. Nun würden „Investmenthaie ohne Gesicht Altbewährtes ruinieren und es uns wieder vor die Füße werfen“. Die Probleme der Gemeinde mit dem Konzern „Tank & Rast GmbH“ bezüglich einer Beteiligung an den Investitionskosten für die neue Kläranlage in Rieden führte er deutlich auf die Privatisierung der Autobahnraststätten zurück.

Geplagte B 19-Anwohner

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Aiwanger-Besuch in Unterpleichfeld

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Obwohl sich Aiwanger bei der Riedener Kläranlage persönlich ein Bild vor Ort machte, die ihm servierten fränkischen Bratwürste lobte und der örtlichen Musikkapelle ein dickes Lob zollte, vermissten manche Zuhörer in Hausen „mehr lokalen Bezug“ in der Rede. Die knapp 50 Interessierten im Unterpleichfelder Pfarrheim hatten da mehr Glück. In die Problematik der geplagten Anwohner der B 19 in den Ortsdurchfahrten Unterpleichfeld, Bergtheim, Opferbaum und Eßleben und deren Wille nach Verkehrsberuhigung und Ortsumgehung war Aiwanger bestens involviert. Er brandmarkte das Ablehnen der Machbarkeitsstudie im Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags, riet der Bürgerinitiative weiter zu „permanenten politischen Druck“ und schlug Maßnahmen vor, um „als freche Bürgerinnen und Bürger das Nadelöhr einmal im Monat für eine halbe Stunde bewusst zu verstopfen“. Zudem wies der Freie-Wähler-Chef in seiner „ersten Einschätzung“ auf den Fördertopf der „Sonderbaulast“ hin, mit dessen Hilfe sich „im Freistaat Bayern durchaus etwas bewegen lässt“.

In Unterpleichfeld ging er mit Mitgliedern der Bürgerinitiative für einen Moment des Protestes auf die Straße, erkundete eine Strecke entlang der B 19 zu Fuß, führte ausführliche persönliche Gespräche und traf sich mit den Kreis- und Ortsverantwortlichen seiner Partei im Café.

Der Tag im Landkreis Würzburg war auch ausgefüllt mit einem Besuch beim Erthal-Sozialwerk auf dem Holzäckerhof bei Bergtheim und mit einem Vor-Ort-Gespräch über geplante Windkraftanlagen.

Aiwanger bezeichnete „Unterfranken als schönste Region Bayerns“ und „herrlichen Landstrich“ und nahm damit wohl gezielt seine Zuhörer für sich ein. Das Frankenlied ordentlich mitzusingen, das muss er vielleicht noch üben. Dennoch hat die Bürgernähe und Natürlichkeit Aiwangers durchwegs beeindruckt.

„Noch keine der anderen Parteien hat es geschafft, einen Landesvorsitzenden hier begrüßen zu dürfen“, platzte Ortsvorsitzender Günther Grieshaber in Hausen beinahe vor Stolz aus allen Nähten. Aiwangers begeisterte Anhänger applaudierten lang und stürmisch.

Auch kritische Zuhörer anderer Couleur hatten ihm aufmerksam zugehört. „Ich stimme zwar nicht mit allem Gesagten überein, aber reden kann er“, zeigten sich auch CSUler im Dorf beeindruckt. In der Opposition sei das Kritisieren halt einfach. Alle waren sich jedoch einig: „Dass er da war, war super.“

 
Ortsbesichtigung der Kläranlage in Rieden: Die Gemeinde Hausen streitet sich um die Anbindung der Rastanlage Riedener Wald mit der Autobahn Tank & Rast GmbH. Im Bild: (von links) Thomas Zürrlein, Manfred Dülk, Günther Grieshaber, Helmut Suntheim, Hubert Aiwanger, Peter Weber, Alfons Konrad, Hans Jürgen Fahn, Dagmar Pfister und Peter Wagner. Foto: Irene Konrad

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