WÜRZBURG

Freude über die Hilfe aus Würzburg

Siegeszeichen für bessere Zeiten: Nicht mehr lange müssen die japanischen Waisenkinder von Fujinosono im Container leben. Foto: Klein-Langner

„Wir können stolz sein, es ist eines der ersten großen Hilfsprojekte, das nach der Katastrophe fertig wird“, sagt Wolfgang Klein-Langner. Das Projekt, von dem der Japanexperte und langjährige Vorsitzende der Siebold-Gesellschaft spricht, ist der Neubau des Kinderheimes Fujinosono im japanischen Ichinoseki, an dem viele Menschen aus Würzburg und der Region beteiligt sind: Sie haben bislang rund 230 000 Euro für das Haus gespendet, das 60 Waisenkindern nach der Tsunami-, Erdbeben- und Atom-Katastrophe im März 2011 eine neue Heimstatt werden soll. Jetzt steht auch der Eröffnungstermin fest: Am 29. Juni soll das Haus dem Trägerverein übergeben werden.

„Eine erfreuliche Nachricht“, sagt Klein-Langner, der erst im November den Fortschritt der Bauarbeiten vor Ort begutachten konnte. Seine 26. Japanreise führte ihn – in Begleitung seiner Frau – erneut nach Ichinoseki, wo er bei den Kindern wie Betreuern eine leicht positive Stimmung ausmachte: „Mit der nun absehbaren Eröffnung haben sie eine Perspektive.“

Bei Klein-Langners vorangegangenen Besuchen sah es in Fujinosono weit trüber aus. Im Herbst 2011 waren viele Kinder noch traumatisiert von der Katastrophe im Frühjahr, wollten aus Angst vor einem neuen Beben nicht einmal allein zur Toilette gehen. Auch bei seiner Visite im Frühjahr 2012 sah Klein-Langner „kein lachendes Kind“. Diesmal konnte er zumindest lächelnde Kinder beim Spielen fotografieren.

Die Japaner und Japanerinnen zwischen vier und 18 Jahren leben seit Ende 2011 in 16 Containern, nachdem der vom Erdbeben geschädigte Altbau abgerissen wurde. Bei der Planung des Neubaus gab's erst mal einen Dämpfer: Ursprünglich mit 6,2 Millionen Euro veranschlagt, stiegen die voraussichtlichen Kosten fast auf das Doppelte. Das lag nicht zuletzt daran, dass viele Baufirmen in der nur 150 Kilometer vom Atom-Unglücksort Fukushima entfernten Region nicht mehr existierten, Arbeiter und Material waren Mangelware.

Auch Schutzraum bei Erdbeben

Der Ausweg: Man speckte ab, will vorerst die alte Inneneinrichtung verwenden und drückte die Kosten auf knapp unter zehn Millionen Euro. „Die Finanzierung des Baus ist durch die bisher eingegangenen Spenden sichergestellt“, erklärt Peter Baron vom Unterstützerkreis für Fujinoso. Das Projekt entsteht unter der Federführung des Malteser Hilfsdienstes, der zusammen mit der österreichischen Caritas Spenden zusammenträgt und Sponsoren sucht.

„Derzeit wird die Bodenplatte gegossen“, erzählt Klein-Langner. Drei Monate seien für die Errichtung des Rohbaus kalkuliert und weitere drei für die restliche Fertigstellung. An Sicherheitsstandards spare man nicht. Das neue Kinderheim soll im erdbebengefährdeten Japan künftig auch als Schutzraum im Katastrophenfall dienen. Nach Japans Absage an Atomstrom erfolgt die Energieversorgung mit Biogas, Wärmepumpe und Solartechnik. Die Kinder leben künftig in etwa sechs Wohngruppen mit jeweils einem Erwachsenen als „Familienvorstand“.

Die Leitung des über 50 Jahre alten Kinderheimes, das sich aus Zuschüssen eines Trägervereins und Elternbeiträgen finanziert, obliegt Franziskaner-Schwester Caelina Mauer, der rund 30 Mitarbeiter zur Seite stehen. „Die Unterstützung aus Deutschland gibt Schwester Caelina viel Kraft“, berichtet Klein-Langner. Dass andere Bauprojekte fast zwei Jahre nach der Katastrophe noch nicht soweit fortgeschritten sind, liege am Unglück selbst. Dadurch seien beispielsweise viele zur Planung wichtige Grundbuchunterlagen vernichtet worden.

Zur Heimeröffnung Ende Juni will Klein-Langner seine 27. Japanreise starten. Den 73-Jährigen freut es, dass mit dem Kinderheim fast 200 Jahre nach dem ersten Aufenthalt des Würzburger Japanforschers Philipp Franz von Siebold, den Aktivitäten der Siebold-Gesellschaft und der Städtepartnerschaft mit Otsu eine weitere Würzburg-Verbindung ins Land der aufgehenden Sonne geschaffen wurde.

Vor seiner Abreise hofft Klein-Langner, noch etwas Spendengeld für eine neue Inneneinrichtung des Hauses zusammenzubekommen. Dazu dient auch ein Benefizkonzert mit dem 80-köpfigen Orchester der Seirei Junior und Senior High School Nagoya am 27. März im Barbarossa-Saal des Maritim-Hotels.

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