OCHSENFURT

Frischer Wind in alten Mauern

Haus für die Kunst: Verlegerin Simone Barrientos und Schriftsteller Leander Sukov haben sich auf Anhieb in Ochsenfurt und ihr neues Heim in der Altstadt verliebt.
Haus für die Kunst: Verlegerin Simone Barrientos und Schriftsteller Leander Sukov haben sich auf Anhieb in Ochsenfurt und ihr neues Heim in der Altstadt verliebt. Foto: Claudia Schuhmann

Raus aus der Metropole, rein ins unterfränkische Kleinstadtleben: Simone Barrientos und Leander Sukov haben Berlin den Rücken gekehrt und sind in Ochsenfurt heimisch geworden. Seit März lebt das Paar in einem großen alten Haus in der Kolpingstraße. Simone Barrientos betreibt dort den Verlag Kulturmaschinen, und Schriftsteller Leander Sukov, der schreibt. Auch in der Unterfränkischen Kulturwoche mischen die beiden schon kräftig mit.

Es hat gefunkt zwischen den beiden Berlinern und dem alten gelben Haus in der Altstadt. Und das Feuer der Leidenschaft lodert noch immer. Begeistert zeigt Simone Barrientos ihr neues Heim. Die Oberlichter im Dach, den zugewachsenen Innenhof, die heimelige Dachterrasse, die engen Stiegen. Leander Sukov ist nur vom Hals abwärts zu sehen, wenn er in der Tür seines Arbeitszimmers steht. Einen Mann von 1,96 Metern hatte der Baumeister wohl nicht im Sinn, als er im 16. Jahrhundert das Gebäude errichtete.

Furchtlose Autodidaktin

„Berlin ging uns gehörig auf die Nerven“, erzählt Simone Barrientos. 30 Jahre lang hat sie dort gelebt, die letzten acht Jahre gemeinsam mit dem aus Hamburg stammenden Leander Sukov. Die 50-Jährige ist gelernte Elektrikerin und Werbegestalterin, hat sich aber als Autodidaktin furchtlos in alle möglichen Berufe gestürzt. Beim Film hat sie gearbeitet, in Kneipen, als Sprecherin, für Architekten und als Dolmetscherin für Spanisch. 2008 hat sie dann den Verlag Kulturmaschinen gegründet. Wie kam es dazu?

„Erstens“ zählt sie auf, „muss man dazu verrückt sein. Zweitens will man bestimmte Autoren unbedingt veröffentlicht sehen. Und drittens: Man muss total verrückt sein.“ Etwa 40 Autoren veröffentlichen ihre Werke bei Kulturmaschinen. Autoren, die bei großen Verlagen schwer unterkommen. Oder solche, die gern zu einem kleinen Verlag wechseln wollen. So wie Franz Josef Degenhardt, der zu den bekanntesten deutschen Liedermachern zählte.

Der Verlag ist keinem bestimmten Genre verhaftet. „Die Qualität muss stimmen“, sagt Simone Barrientos. Da sich der Buchmarkt mehr und mehr aufs Internet verlagert, ist im Grunde völlig egal, wo ein Verlag seinen Sitz hat.

Für Simone Barrientos und Leander Sukov war klar, dass es Ochsenfurt werden würde, als sie das Haus in der Kolpingstraße im Internet angeboten fanden.

„Noch am selben Tag fuhren wir nach Ochsenfurt und haben uns in das Haus und in das Städtchen verliebt“, erzählt die 50-Jährige lachend. Nur Kater Pepe hat sich anscheinend noch nicht richtig eingelebt und verbirgt sich lieber, sobald Fremde im neuen Heim erscheinen.

Ein Kulturschock im positiven Sinne sei der Umzug gewesen, sagt die Berlinerin, die eigentlich Mecklenburgerin ist. Ihre bisherigen Erfahrungen mit Ochsenfurt und seinen Bewohnern waren ausschließlich erfreulicher Natur. „Es ist eine lebendige Stadt voll von überraschenden Menschen“, findet Simone Barrientos. Hier wollen die beiden bleiben, wollen das kulturelle Angebot bereichern. Ein rustikaler Raum im Erdgeschoss eignet sich für Lesungen und kleine Bühnenstücke. Etwa 30 bis 50 Besucher passen dort hinein.

Lesungen in der Kemenate

Seine Premiere als Veranstaltungsort wird das alte Haus bei den unterfränkischen Kulturtagen erleben. Da es aus unerfindlichen Gründen auch als „Kemenate“ bekannt ist, soll die Lokalität unter diesem Namen beworben werden. Simone Barrientos und Leander Sukov werden zwei Lesungen mit fränkischen Geschichten veranstalten und eine weitere für Kinder.

Für die Zukunft können sich die beiden aber noch viel mehr vorstellen. Sicher werden Autoren kommen und aus ihren Werken vorlesen. Geplant sind außerdem Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der vhs Ochsenfurt, der Stadtbibliothek und der Buchhandlung im Turm, die übrigens Büchern aus dem Verlag Kulturmaschinen ein eigenes Schaufenster gewidmet hat.

Workshops für Philosophie, Schauspiel oder kreatives Schreiben, Kostüme basteln für Fasching – Simone Barrientos kann sich vieles vorstellen. Zunächst aber ist sie auf der Suche nach Musikern, denn die 50-Jährige singt auch leidenschaftlich gern. Am liebsten auf spanisch.

Die Lesungen im Rahmen der Unterfränkischen Kulturwoche finden statt am Dienstag, 1. Juli, um 20 Uhr sowie am Donnerstag, 3. Juli, um 15 Uhr (Lesestunde für Kinder ab 8 Jahren) und um 22 Uhr (Nachtlesung), jeweils in der Kolpingstraße 10. Weitere Informationen im Internet unter www.kulturmaschinen.com.

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