Für die eigene Meinung gestorben

MAINVIERTEL Manchmal dauert es eben etwas länger: 23 Jahre nach der ersten Idee wurde am Dienstag der Wunsch der Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) und des Stadtjugendrings (SJR) Wirklichkeit, als der bislang namenlose Platz vor dem Jugendkulturhaus "Cairo" offiziell "Fred-Joseph-Platz" benannt wurde.
Zahlreiche Würzburger Georgs-Pfadfinder, darunter natürlich auch viele Mitglieder des Stammes "Fred Joseph", Stadträte und Vertreter der Jugendarbeit waren dabei, als Oberbürgermeisterin Dr. Pia Beckmann am Dienstagabend gleich zwei Schilder enthüllte: Das offizielle Straßenschild und eine Gedenktafel am Eingang zum "Cairo" mit Informationen über den neuen Namenspatron des Platzes.

Fred Joseph, 1911 als Sohn eines jüdischen Vaters in Luzern geboren, wuchs ab 1916 in Würzburg auf. Der junge Apotheker trat zunächst dem Rhönclub bei und fand, als dieser 1933 von den Nazis verboten wurde, seine Berufung als Jugendleiter der DPSG im Stamm "Eyseneck", der zur Dompfarrei gehörte. Als auch die Pfadfinder-Bewegung ins Visier der Nazis geriet und schließlich verboten wurde, bekam Fred Joseph Probleme mit der Gestapo, weil er sich weiter für seinen Stamm engagierte, heimlich Treffen abhielt und verbotene Rundbriefe verteilte.

1936 wurde er in Würzburg zum ersten Mal festgenommen und verhört. Anschließend zog er nach Pforzheim, wo er eine DPSG-Gruppe gründete. Im Januar 1942 wurde Fred Joseph wegen seiner Aktivitäten in Mannheim zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung kehrte er zurück nach Würzburg, wurde hier im November 1942 durch die Gestapo verhaftet und starb am 21. Januar 1943 im Konzentrationslager Auschwitz. "Er hat sich für die Jugend und seine Ideale eingesetzt und dafür mit seinem Leben bezahlt", sagte Oberbürgermeisterin Pia Beckmann. Bereits am Montag wurde an Fred Josephs Schicksal mit der Verlegung eines "Stolpersteins" in der Bibrastraße, wo sein Wohnhaus stand, erinnert.

"Er war ein wunderbarer Mensch, charakterlich sehr stark", sagt eine Frau, die es wissen muss, über Fred Joseph: Die heute 90-jährige Rosel Wagner arbeitete vor über 70 Jahren mit Fred Joseph in der Adler-Apotheke, nach dem Krieg gründete sie die Pfadfinderinnenschaft in der Diözese Würzburg. Fred Joseph habe im Herbst 1942 gewusst, dass es für ihn gefährlich wird, sagte Frau Wagner: "Aber er wollte seine Pfadfinder nicht im Stich lassen."

Der Platz vor der Jugendbegegnungsstätte und der Jugendherberge passt gut zu seinem Namensgeber. Jochen Wahlen, Vorsitzender des Stadtjugendrings, wertete die Benennung des Platzes als positives Signal für die Jugendarbeit in Würzburg: "Die Politik nimmt wahr, was in den Jugendverbänden geleistet wird." Der Wunsch der Pfadfinder, eine Straße oder einen Platz in der Stadt nach Fred Joseph zu benennen, stammt bereits aus dem Jahr 1983. Fred Joseph könne auch für die heutige Jugendarbeit Vorbild sein, betonten zwei Vertreter des nach ihm benannten DPSG-Stammes aus der Sanderau: "Auch heute kostet es Mut, eine eigene Meinung zu vertreten oder anders sein zu wollen."

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