Hettstadt

Fußgänger und Radler bemängeln Unvernunft der Autofahrer

Die Beschilderung ist eindeutig: Anlieger frei und höchstens 30 Kilometer pro Sunde. Nach dem Ausbau des Gehägswegs verleitet die Strecke aber zum Rasen. Foto: Herbert Ehehalt

Der als Gemeindeverbindungsstraße zwischen Hettstadt und der B8 gewidmete Gehägsweg verleitet nach dessen Ausbau als Rad- und Wirtschaftsweg dazu, deutlich schneller zu fahren als angeordnet. Entsprechend äußerten sich zahlreiche Fußgänger und Radler bei einer Befragung durch diese Redaktion. Dabei ist die Beschilderung eindeutig - sollte man meinen. In die Schlagzeilen geraten war der damalige marode, damals schon nur für Anlieger zulässige Betonweg im Januar dieses Jahres durch einen tragischen Verkehrsunfall. Am Dreikönigstag war eine 26-jährige junge Frau beim Gassi gehen mit ihrem Hundvon einem Fahrzeug erfasst und getötet worden.

Nach der Sanierung des etwa 2,5 Kilometer langen Wegs durch die Gemeinde Hettstadt wurde dieser am Wochenende wieder eröffnet. Eine im Wegverlauf angesiedelte Gärtnerei mit Hofladen hatte dazu "bei Kaffee und Kuchen zu schwungvoller Live-Musik von leichter Klassik bis Wiener Unterhaltung" zu einem "Tag der offenen Tür" eingeladen. Der Ausbau des Weges, als Teil des Kernwegenetzes der Öko-Modellregion Waldsassengau, wurde durch das Amt für ländliche Entwicklung, das Landratsamt und den Zweckverband Naherholung gefördert.

Ein an einem Baum befestigtes Kreuz aus Birkenholz erinnert nach wie am Gehägsweg an den tödlichen Unfall vom Dreikönigstag. Foto: Herbert Ehehalt

"Wegen des schrecklichen Unfalls vom Dreikönigstag haben wir seitens der Gemeinde in Abstimmung mit dem Gemeinderat von einer feierlichen Übergabe bewusst Abstand genommen. Deshalb gab es bei der Veranstaltung der Gärtnerei keine offiziellen Reden, oder irgendwelche symbolische Zeichen der Freigabe des Gehägswegs", sagte Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher (CSU/UBH). Dennoch waren alle am Ausbau beteiligten Fördergeber, Ingenieure, Vertreter der Baufirma und Mandatsträger durch die Gemeinde zu der Veranstaltung in der Gärtnerei willkommen.

Wie schon vor dem Ausbau verweist ein großes Schild an der Staatsstraße 2298 auf die Zufahrt zur Gärtnerei mit Hofladen. Nach den angebrachten Verkehrsschildern besteht jedoch ein Durchfahrtsverbot für Motorräder und Pkws. Ein kleines Zusatzschild besagt allerdings: "Anlieger frei". Zudem gilt auf dem bei Autofahrern populären Schleichweg zwischen Hettstadt und der Bundesstraße 8 bei Mädelhofen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde. Wie zu merken ist, fühlen sich die wenigsten daran gebunden.  Der Weg scheint nämlich durch zwei befestigte Schotterstreifen an den Seiten breiter als zuvor. Diese wurden einerseits gebaut um die Förderrichtlinien zu erfüllen, zugleich soll der Begegnungsverkehr mit breiten landwirtschaftlichen Fahrzeugen erleichtert werden.

Häufig geht die 20-jährige Leonie Müller mit ihrem Hund "Oskar" am Gehägsweg Gassi. So wie an jenem 6. Januar dieses Jahres auch. "Es hätte damals auch mich erwischen können, statt Sabrina", sagt die junge Frau betroffen. "Seit der Weg ausgebaut ist, fahren mehr Fahrzeuge hier. Weil die neue Teerstrecke dazu verleitet schneller zu fahren, gehe ich mit einem mulmigen Gefühl meist auf dem angrenzenden befestigten Schotterstreifen", berichtet sie. Auch der 87-jährige Beat Gmür bestätigt diese Schilderungen. "Mit dem Rad musste ich vor den Autos schon häufiger auf den Randstreifen ausweichen. Die neue Strecke verleitet einfach zum Rasen", empfindet der Radler.

"Seit der Weg ausgebaut ist, fahren mehr Fahrzeuge hier."
Leonie Müller - Hundehalterin

Auch Daniel Hölzhammer, Kommandant der Hettstadter Feuerwehr, nutzt den neu ausgebauten Weg, allerdings nur mit Inline-Skates oder dem Fahrrad. Nach seinen Erfahrungen nach dem Ausbau, "sollten schnellstens Möglichkeiten gefunden werden, die Geschwindigkeiten zu reduzieren." Gleichzeitig appelliert der Kommandant "an Vernunft und gegenseitige Rücksicht aller Nutzer." Gerade bei den Feuerwehrlern der Gemeinde ist der Unfall noch in Erinnerung. Die getötete 26-Jährige war ein engagiertes aktives Mitglied.

Die Schilder sind eindeutig. Nach dem Ausbau des Gehägswegs verleitet die Strecke aber zum Rasen. Foto: Herbert Ehehalt

Unterdessen bestätigt Longin Schubert, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Würzburg-Land einen steten Austausch mit der Gemeinde um die Verkehrssituation zu entschärfen. "Eigentlich sollte der schreckliche Unfall als mahnendes Bespiel dienen", meint Schubert. Wegen der Widmung als Gemeindeverbindungsstraße seien damit aber bestimmte verkehrsrechtliche Richtlinien verbunden. Eine Ausdehnung der kommunalen Verkehrsüberwachung, wie sie vom Gemeinderat auch für den Gehägsweg beschlossen wurde, sieht Schubert allerdings skeptisch. "Diese kann nur innerhalb geschlossener Ortschaften zur Anwendung kommen", verweist Schubert auf die rechtliche Grundlage. Stattdessen empfiehlt Schubert nachträgliche bauliche Veränderungen zur Geschwindigkeitsreduzierung.

"Eigentlich sollte der schreckliche Unfall als mahnendes Bespiel dienen"
Longin Schubert - Polizeiinspektion Würzburg-Land

Entsprechende Überlegungen gibt es nach Aussage von Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher innerhalb des Gemeinderates. Neben zusätzlichen Beschilderungen und Fahrbahnmarkierungen sollen auch Querfräsungen als akustische Markierungen als Hinweis für eine zu hohe Geschwindigkeit angebracht werden.

Die Beschilderung ist eindeutig: Anlieger frei und höchstens 30 Kilometer pro Sunde. Nach dem Ausbau des Gehägswegs verleitet die Strecke aber zum Rasen. Foto: Herbert Ehehalt

Schlagworte

  • Hettstadt
  • Herbert Ehehalt
  • Andrea Rothenbucher
  • Gärtnereien
  • Hofläden
  • Raser
  • Tod und Trauer
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
5 5
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!