Würzburg

Gang aufs Klo: Warum es an der Uni keine Wasserspender gibt

Viele Studenten bringen mittlerweile ihre eigenen, wiederverwendbaren Trinkflaschen mit an die Uni und sparen so Plastik und Müll. Nur auffüllen können sie sie nirgends.
Die Studierendenvertretung fordert, dass auf dem Campus-Gelände Wasserspender aufgestellt werden. Während sich die Uni-Leitung gesprächsbereit zeigt, hält das Studentenwerk wenig von der Idee.  Foto: Getty Images

Obwohl mittlerweile fast 30 000 Studenten an der Uni Würzburg eingeschrieben sind, gibt es auf dem gesamten Campus-Gelände keinen einzigen öffentlichen Trinkwasserspender. Das sorgt für Unmut. Denn wer zwischen zwei Vorlesungen seine Trinkflasche auffüllen will, muss dafür die Waschbecken in den Toiletten benutzen. 

Das sei keine dauerhafte Lösung, kritisiert die Studierendenvertretung. In den vergangenen Jahren seien immer mehr Studenten dazu übergegangen, wiederverwendbare Flaschen zu benutzen, um so Plastik und Müll einzusparen – ganz im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie der Uni Würzburg. Doch dann müsse es auch Möglichkeiten geben, die Flaschen aufzufüllen, kritisiert Aaron Valent vom Sprecherinnen- und Sprecherrat. Die Studenten seien teilweise von früh bis spät in der Uni. "Da schleppe ich nicht das Wasser für den ganzen Tag mit mir mit", betont der 22-Jährige. 

Die Zahl der Studenten in Würzburg ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gewachsen. Viele von ihnen ärgert es, dass sie ihre Flaschen nur auf der Toilette auffüllen können. Foto: Daniel Peter

Keime in der Leitung?

Das gleiche Problem gebe es in den Mensen und Cafeterien. Zwar fanden im vergangenen Jahr dazu bereits Gespräche statt – jedoch ohne Erfolg. Das Studentenwerk lehnte die Forderung mit dem Hinweis auf die hohen Hygienestandards ab. Die Erfahrungen würden zeigen, dass die Leitungen der Wasserspender häufig mit Keimen belastet seien, erklärte das Studentenwerk auf Nachfrage dieser Redaktion. Es sei deshalb nicht möglich, die erforderliche Wasserqualität dauerhaft zu garantieren. 

Außerdem bringe die Instandhaltung bei monatlich etwa 100 000 bis 200 000 Mensa-Gästen hohe Kosten mit sich: Es müssten extra Leitungen gelegt und die Wasserbehälter regelmäßig ausgetauscht werden, wofür es wieder eigenes Personal bräuchte. Es sieht also so aus, als müssten die Studenten auch künftig weiter aufs Klo gehen, um ihre Flaschen aufzufüllen. "Hygienischer ist das wohl kaum", sagt Studentenvertreter Valent mit ironischem Unterton.

Die Uni-Leitung, die für die verschiedenen Fakultätsgebäude verantwortlich ist, signalisiert dagegen Gesprächsbereitschaft. Obwohl bisher kein Antrag der Studentenvertreter eingegangen sei, betont eine Sprecherin, dass ein solcher Wunsch "wohlwollend geprüft" würde. 

Keine Probleme mit der Hygiene

Ein Vorbild könnte die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) sein: Dort finanziert die Hochschulleitung schon jetzt vier Wasserspender – drei in Würzburg, einen in Schweinfurt. Diese würden täglich gereinigt und nach der Trinkwasserverordnung geprüft, teilt eine Sprecherin mit. Hygieneprobleme habe man keine.

Auch der Hersteller erklärt, dass die Wasserspender so konstruiert seien, dass sie in jedem Uni-Gebäude, in Mensen und Cafeterien aufgestellt werden könnten. In den Geräten seien spezielle Desinfektionsmodule verbaut, die die Ausbreitung von Keimen verhindern, so dass die Wasserqualität auch den hohen Standards in Krankenhäusern genügen würde. 

Eine Nachfrage bei anderen Hochschulen – außerhalb von Unterfranken – bestätigt dies. So gibt es beispielsweise auch an der Uni in Erlangen und Nürnberg einen Wasserspender, in Augsburg sind es sogar sechs Stück. Probleme mit Sachbeschädigung oder Hygiene gebe es dort keine. Die Uni München setzt dagegen auch auf die Waschbecken-Lösung. In der Landeshauptstadt sollen die Sanitäranlagen stückweise umgerüstet werden, damit die Studenten dort ihre Flaschen auffüllen können.

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