WÜRZBURG

Geburtstagsfeier an 129 Kulturpunkten

25 Jahre Dachverband Freier Würzburger Kulturträger (DFWK) – das muss gefeiert werden. Das dachten sich auch DFWK-Vorsitzender Ralf Duggen und seine Vorstandskollegen. Dass es etwas Kulturelles sein müsste – klar. Herausgekommen ist am Ende der Überlegungen das Projekt „Kulturpunkte“, bei dem am Sonntag, 15. März, 129 bildende Künstlerinnen und Künstler, Musiker und Bands, Fotografen, Autoren, Tonstudios, Galerien, Museen und Theater in Stadt und Region Kulturinteressierte dorthin einladen, wo ihre Kunst entsteht. 80 Stationen gibt es in der Stadt, 49 weitere im Landkreis Würzburg. Von 13 bis 18 Uhr gestatten sie einen Blick hinter die Kulissen und geben Auskunft über ihre Arbeit und deren Entstehung.

Ralf Duggen Foto: Theresa Müller

Zunächst habe man, erzählt Ralf Duggen, an so etwas wie einen „Kulturmarathon“ als Geburtstagsfeier gedacht. „Zum Beispiel zwei Tage lang ununterbrochen Musik und anderes in der Posthalle“, was vielleicht ein bisschen zu viel des Guten gewesen wäre. Es gab auch die Idee für einen „Halbmarathon“, mit 25 Stunden Programm, aber das alles habe sich für den ehrenamtlich tätigen DFWK-Vorstand als organisatorisch zu aufwändig und riskant erwiesen. Und, so der DFWK-Vorsitzende weiter, hätten die Bands dann wahrscheinlich ohne Gage auftreten müssen. Und außerdem sollte es nicht darum gehen, den Verband in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Künstler selbst.

So entstand die Idee der Kulturpunkte. Die Künstler sollten ihre Ateliers, Proberäume, Bühnen und ähnliches für einige Stunden öffnen, um einen Einblick in ihre alltägliche Arbeit zu gewähren. Für den Dachverband ergab sich aus diesem Konzept der positive Nebeneffekt, dass er von aufwändigen Organisationsaufgaben befreit ist, wenn die Künstler ihre Türen für das Publikum öffnen.

Ganz ohne Aufwand ging es natürlich trotzdem nicht. Denn schließlich mussten ja zunächst Künstler ausfindig gemacht und motiviert werden, sich an der Aktion zu beteiligen. Von Beginn an sei klar gewesen, so Duggen, dass man sich nicht nur auf Künstlerinnen und Künstler aus dem Stadtgebiet beschränken wolle. Auch mussten die Beteiligten nicht zwangsläufig DFWK-Mitglieder sein. Das machte aber die Organisation nicht gerade leichter, denn so musste man potenzielle Teilnehmer über unterschiedlichste Plattformen erreichen und ansprechen.

„Das war ein ganz schönes Gezerre“, blickt Ralf Duggen zurück. Aber dank Facebook, der U&D-Website, einer Präsentation im Kulturbeirat und den Verteiler des Landkreis-Kulturherbstes, der Unterstützung vieler verbände und zahlloser Telefonate sei es schließlich gelungen, die Idee zu den Künstlern zu bringen. Aber, räumt Duggen ein, „das war schon maximal aufwändig“. Erschwerend kam hinzu, dass vor dem Anmeldeschluss am 15. Januar die Weihnachtszeit lag, in der viele Künstler naturgemäß nicht oder nur schwer erreichbar gewesen seien.

Ein kunterbuntes Experiment

Dass am Ende knapp 130 Mitwirkende auf der Teilnehmerliste standen, „macht uns schon ein bisschen stolz“, sagt der Organisator zur Resonanz auf das Konzept, das einerseits ein Experiment, aber auch nicht ganz neu ist: Es ist, erklärt Duggen, eine Art Erweiterung des Tages der offenen Ateliers – nur eben spartenübergreifend. Kunterbunt wie das Plakat der Veranstaltung ist auch die Mischung der Kulturschaffenden geworden, die sich in Stadt und Region an den Kulturpunkten beteiligen werden.

Gewünscht hätte sich Ralf Duggen freilich, dass sich mehr Bands und Musiker bereit erklärt hätten, ihre Proberäume für Besucher zu öffnen. Aber man habe wohl unterschätzt, dass Proberäume für die Musiker etwas sehr Intimes darstellen, wo man nur ungern Unbeteiligte empfängt. Dies habe ihn überrascht, sagt Duggen. er hofft aber, dass diese Skepsis bei einer eventuellen künftigen Wiederholung gewichen sein wird.

Zunächst einmal gilt es, die Premiere erfolgreich zu gestalten. Und da gilt für die Gäste vor allem eines: Sie müssen sich sputen. Denn es bleiben ihnen nur fünf Stunden Zeit, um die Kulturpunkte, die über das ganze Stadtgebiet und viele Gemeinden in der Region verteilt sind, anzusteuern. Eine Alternative dazu habe es nicht gegeben, denn man hätte es den Künstlern beispielsweise nicht zumuten können und wollen, ihre Räume an zwei Tagen zu öffnen und auf eigene Kosten Gäste zu empfangen.

Und noch etwas macht Ralf Duggen Sorgen: Die für den 15. März in Würzburg angekündigte Demonstration aus dem rechten politischen Spektrum. Duggen hofft, dass dadurch nicht zu viele Wege zu den Kulturpunkten im Stadtgebiet versperrt werden.

Die komplette Liste der teilnehmenden Künstler und die von ihnen vorgesehenen Programmpunkte gibt es hier: www.dachverband-wuerzburg.de/354.html. Als Wegweiser gibt es außerdem eine 20-seitige Broschüre, in der alle Teilnehmer mit ihren Kulturorten vorgestellt werden.

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