Gedankenspiel: Viel mehr, viel größer, viel unbeschreiblicher       -  Die Wetterbedingungen stimmen. Wir haben herrliche Sicht und heben mit dem Ballon am Sportplatz ab. Ich erlebe etwas Einzigartiges, das ich kaum in Worte fassen kann. Da liegt jetzt das Dorf mit seinen 550 Einwohnern unter mir ganz friedlich da. Ich sehe die Häuser und Straßen, die Pfarrkirche mit dem markanten Turm, das Pfarrhaus, den Sportplatz, die Felder mit der wachsenden Saat, den Wald, die Straßen in die Nachbardörfer.  Ich hatte eigentlich gedacht: Nach elf Jahren als Pfarrer kenne ich Dipbach durch und durch und habe eine Vorstellung von allem. Aber jetzt, so 200 Meter über dem Dorf, spüre ich: Das ist viel mehr und größer und gar nicht in meine begrenzten Vorstellungen und Sinneswahrnehmungen einzupassen.  Über allem, was ich so alltäglich sehe und höre, fühle und denke, erlebe und wahrnehme, gibt es eine Wirklichkeit, die viel mehr und viel größer und viel unbeschreiblicher ist. Vieles geht mir durch den Kopf und durch das Herz: Und in ein paar Tagen wirst du als Pfarrer am Dreifaltigkeitssonntag wieder vom dreifaltigen Gott sprechen, vom Vater, vom Sohn, vom Heiligen Geist. Du wirst Gott verkünden als drei Personen in einem Wesen: Gott, den Schöpfer der Welt, Gott Mensch geworden in Jesus Christus, Gott die belebende Kraft des Heiligen Geistes. In den Gottesdiensten und Gebeten wirst von Gott so sprechen, als ob du Gott durch und durch kennen würden.  Bei der weiteren Ballonfahrt über die fränkischen Dörfer und über den Main Richtung Steigerwald kommt mir der Text eines modernen religiösen Liedes in den Sinn:  „Mehr, mehr, viel mehr als unsre Sprache sagen kann. Anders, anders, ganz anders als unser Sinn es fassen kann.  Alles, mehr als alles, anders als alles ist Gott.“ Und ich sage mir: So musst du von Gott reden: stotternd, feinfühlig und bruchstückhaft, vorsichtig, tastend und ehrfurchtsvoll.  Ich denke mir heute, 20 Jahren nach diesem Aha-Erlebnis: Vielleicht bräuchten wir Pfarrer, Seelsorgerinnen und Seelsorger und alle, die von Gott reden oder singen auch immer wieder einmal eine solche Ballonfahrt, ein solches Darüberschauen und Tieferschauen. Vielleicht erkennt der eine oder andere dann: Mein Reden von Gott ist nur menschlich begrenztes Stückwerk. Gott ist viel unbeschreiblicher als ich Gott beschreiben könnten. Gott ist viel unfassbarer als ich Gott erfassen könnten. Gott ist mehr als ich es in Zahlen und Begriffen ausdrücken könnten.   Gott ist viel mehr und viel größer und viel unbeschreiblicher.

08.06.2017

Die Wetterbedingungen stimmen. Wir haben herrliche Sicht und heben mit dem Ballon am Sportplatz ab. Ich erlebe etwas Einzigartiges, das ich kaum in Worte fassen kann. Da liegt jetzt das Dorf mit seinen 550 Einwohnern unter mir ganz friedlich da. Ich sehe die Häuser und Straßen, die Pfarrkirche mit dem markanten Turm, das Pfarrhaus, den Sportplatz, die Felder mit der wachsenden Saat, den Wald, die Straßen in die Nachbardörfer. Ich hatte eigentlich gedacht: Nach elf Jahren als Pfarrer kenne ich Dipbach durch und durch und habe eine Vorstellung von allem. Aber jetzt, so 200 Meter über dem Dorf, spüre ich: Das ist viel mehr und größer und gar nicht in meine begrenzten Vorstellungen und Sinneswahrnehmungen einzupassen. Über allem, was ich so alltäglich sehe und höre, fühle und denke, erlebe und wahrnehme, gibt es eine Wirklichkeit, die viel mehr und viel größer und viel unbeschreiblicher ist. Vieles geht mir durch den Kopf und durch das Herz: Und in ein paar Tagen wirst du als Pfarrer am Dreifaltigkeitssonntag wieder vom dreifaltigen Gott sprechen, vom Vater, vom Sohn, vom Heiligen Geist. Du wirst Gott verkünden als drei Personen in einem Wesen: Gott, den Schöpfer der Welt, Gott Mensch geworden in Jesus Christus, Gott die belebende Kraft des Heiligen Geistes. In den Gottesdiensten und Gebeten wirst von Gott so sprechen, als ob du Gott durch und durch kennen würden. Bei der weiteren Ballonfahrt über die fränkischen Dörfer und über den Main Richtung Steigerwald kommt mir der Text eines modernen religiösen Liedes in den Sinn: „Mehr, mehr, viel mehr als unsre Sprache sagen kann. Anders, anders, ganz anders als unser Sinn es fassen kann. Alles, mehr als alles, anders als alles ist Gott.“ Und ich sage mir: So musst du von Gott reden: stotternd, feinfühlig und bruchstückhaft, vorsichtig, tastend und ehrfurchtsvoll. Ich denke mir heute, 20 Jahren nach diesem Aha-Erlebnis: Vielleicht bräuchten wir Pfarrer, Seelsorgerinnen und Seelsorger und alle, die von Gott reden oder singen auch immer wieder einmal eine solche Ballonfahrt, ein solches Darüberschauen und Tieferschauen. Vielleicht erkennt der eine oder andere dann: Mein Reden von Gott ist nur menschlich begrenztes Stückwerk. Gott ist viel unbeschreiblicher als ich Gott beschreiben könnten. Gott ist viel unfassbarer als ich Gott erfassen könnten. Gott ist mehr als ich es in Zahlen und Begriffen ausdrücken könnten. Gott ist viel mehr und viel größer und viel unbeschreiblicher.

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