Würzburg

Gefängnis für Mordversuch mit einer Machete

Zwei Brüder aus dem Raum Bamberg gegen zwei Cousins aus Würzburg: Das war die Ausgangslage einer blutigen und lebensgefährlichen Attacke mit einer Machete nach einem Disko-Streit im Juni 2018 in der Würzburger Innenstadt. Eines der Opfer wurde dabei lebensgefährlich, das andere schwer am Knie verletzt. Am Dienstag wurde der 28-jährige Haupttäter vom Würzburger Landgericht wegen versuchten Mordes und zweifacher gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Es war eine schwierige Gemengelage für das Gericht

Es war eine schwierige Gemengelage, die die 1. Strafkammer erst nach über vier Monaten Prozessdauer ausreichend aufklären konnte, um ein Urteil zu sprechen. Auslöser für die spätere Attacke mit der Machete war ein Streit zwischen dem 28-jährigen Oberfranken und einem der späteren Opfer auf der Tanzfläche einer Innenstadt-Diskothek. Die Auseinandersetzung eskalierte, so dass die Streithähne mitsamt Begleitung von den Türstehern auf die Straße gesetzt wurden.

Dort schien die Situation gegen 3 Uhr nachts zunächst geklärt und der Streit beendet. Dem war aber nicht so: Der 28-Jährige, davon waren die Richter nach der ausführlichen Beweisaufnahme mit zahlreichen Zeugen überzeugt, wollte sich bei seinem Kontrahenten für die während des Streits erlittenen Beleidigungen rächen.

Der Cousin ging dazwischen und streckte den Angreifer mit einem Faustschlag nieder

Die Kammer geht davon aus, dass er sich von seinem jüngeren Bruder, der an diesem Abend seinen 22. Geburtstag feierte, mit dem Auto vor der Disko abholen ließ. Dann fuhr das Brüderpaar den beiden Cousins und deren Freundinnen nach, die sich auf dem Weg zum Taxistand am Rathaus befanden. Als sie sie in einer dunklen Gasse fanden, stieg der 28-Jährige aus, nahm die Machete aus dem Kofferraum und lief mit den Worten "Den bring' ich um!" auf seinen Kontrahenten zu. Aus Rache "wollte er ihm tödliche Verletzungen beibringen", betonte der Vorsitzende Richter Hans Brückner.

Das genügte, um den Tatbestand des versuchten Mordes zu verwirklichen, auch wenn es dann anders kam: Der Cousin ging dazwischen und streckte den Angreifer mit einem wuchtigen Faustschlag nieder, so dass dieser die geplante Attacke nicht durchführen konnte. Im folgenden Kampf schlug und stach der 28-Jährige immer wieder mit der Machete auf den Cousin ein, der dabei insgesamt sieben Stiche davontrug, von denen einer lebensgefährlich war.

Die beiden Täter konnten mit leichten Verletzungen zunächst unerkannt fliehen

Gleichzeitig prügelten sich der jüngere der beiden Oberfranken, der dabei einen Schlagstock verwendete, und das ursprünglich geplante Opfer des Machetenangriffs. Als der Mann seinem stark blutenden Cousin zu Hilfe eilte, erlitt er durch einen Schlag mit der Machete eine schwere Verletzung am linken Knie.

Beobachtet wurde das Geschehen von mehreren Mitarbeitern einer Shisha-Bar und von Anwohnern, die durch den Lärm geweckt wurden. Die beiden Täter konnten mit leichten Verletzungen zunächst unerkannt fliehen. Sie wurden Anfang Juli 2018 festgenommen, bevor sie Deutschland auf der Flucht verlassen konnten.

Allen Bemühungen der Verteidiger zum Trotz glaubte das Gericht den Aussagen der Zeugen

Allen Bemühungen der Verteidiger zum Trotz glaubte das Gericht den Aussagen der Zeugen, die die Version der beiden Angeklagten widerlegten. Die Brüder hatten behauptet, sich nur gewehrt zu haben, als ihnen die beiden Cousins zusammen mit einer größeren Gruppe Männer auf der Straße auflauerten.

"Die Kammer hat keinerlei Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen der Zeugen", betonte Brückner, der bei der Urteilsverkündung den Verteidiger des 28-Jährigen scharf kritisierte: Der Rechtsanwalt aus Bamberg habe seinen Mandaten "mit seiner Einlassung ins offene Messer laufen lassen", obwohl der Tathergang auch durch ein Überwachungsvideo bestätigt wurde.

Der jüngere Bruder wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt – der Mordversuch seines Bruders könne ihm nicht zugerechnet werden, so der Vorsitzende. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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