Gaukönigshofen

Gegen das Vergessen

Bei der Gedenkstunde in der Gaukönigshöfer Synagoge schrieb auch Reinhard Kraft die Namen von einstigen jüdischen Gemeindemitgliedern auf das Glas. Mit auf dem Bild Gertraud Renner, die alljährlich die Gedenkstunde organisiert. Foto: Hannelore Grimm

"Wir schreiben ihre Namen auf zerbrechliches Glas. Ihr Leben wurde zerstört und ihre Pläne wurden zerbrochen." Mit diesen Worten rief Gertraud Renner während der Gedenkstunde in der Synagoge die 29 aus Gaukönigshofen stammenden und von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürger in die Erinnerung zurück.

Zu den Besuchern, die in der bewegenden Veranstaltung die Namen von kleinen Kindern, Frauen und Männern auf die Glasplatte schrieben, zählte auch Reinhard Kraft aus dem Ortsteil Wolkshausen. Der Bildhauer schuf die an die Deportation erinnernden steinernen Koffer, die derzeit noch in der Synagoge ihren Platz haben. Laut Bürgermeister Bernhard Rhein sind die Gepäckstücke wichtige Zeichen aus einer Zeit, die sich nie wiederholen darf. Noch wichtiger ist seinen Worten nach das Gedenken an den 10.November 1938, an dem die Synagoge geschändet worden ist.

Eine besonders stimmungsvolle Note bekam die Gedenkstunde durch die anrührenden, melancholischen jüdischen Weisen die die Mitglieder der Musikkapelle Harald Eck, Doris Sollner, Barbara Haaf, Berhard Nagl und Christine Schwab intonierten.

Wie Gertraud Renner in Erinnerung brachte, wurden in der Nacht die jüdischen Anwesen im Unterdorf von SA-Leuten, Parteimitgliedern und Mitläufern heimgesucht. Mit den Pogromen, die in der Nacht zuvor in ganz Deutschland gewütet haben, gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Minderheit über und das öffentliche Leben der Juden kam völlig zum Erliegen.

Mit den von Gertraud Renner zusammengefassten Aussagen des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wurde während der Gedenkstunde den Zuhörern verdeutlicht, dass in Deutschland der Antisemitismus ebenso steigt wie die Übergriffe gegen ausländische Mitbürger. Nach den Worten von Gertraud Renner ist von den Menschen das Gedenken ebenso gefragt wie das Wach-Sein und das Eintreten für Humanität und christliche Nächstenliebe.

Abschließend an das wichtigste jüdische Gebet, das "Kaddisch", standen in der Synagoge weiße Rosen bereit, die die Besuchern auf den Stolpersteinen ablegen konnten.

Schlagworte

  • Gaukönigshofen
  • Hannelore Grimm
  • Antisemitismus
  • Ausländer
  • Bernhard Rhein
  • Christentum
  • Josef Schuster
  • Juden
  • Juden in Deutschland
  • Judentum
  • Nationalsozialisten
  • Parteimitglieder
  • Synagogen
  • Zentralrat der Juden in Deutschland
  • Öffentlichkeit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!