WÜRZBURG

Gegenwind für Provinz-Kampagne

Als im Oktober 2008 die Würzburg AG als Slogan einer Imagekampagne für Würzburg „Provinz auf Weltniveau“ präsentierte, dauerte es nicht lange bis teils ätzende und spöttische Kritik laut wurde. Zuletzt war dieses Thema etwas in der Versenkung verschwunden, ehe es vor einer Woche bei einer Diskussionsrunde wieder ans Tageslicht befördert wurde.
Hier hat die Würzburg AG ihren umstrittenen Slogan schon leicht modifiziert. Auf diesem Plakatentwurf heißt es ausdrückl... Foto: FOTO Würzburg AG

Die Initiative ergriffen hat dabei die Würzburger Wirtschaftssozietät BFP (Bruno Fraas und Partner). Sie hat den BFB-Business-Campus gegründet, „eine Kontaktplattform, bei der sich Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zum Informationsaustausch treffen“, wie die stellvertretende BFP-Geschäftsführerin Sylwia Maria Bea bei einem Pressegespräch erklärte.

Vor einer Woche nun trafen sich 20 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Tourismus und Gastronomie zu einem Meinungsaustausch über den umstrittenen Slogan der Würzburg AG. Nachdem die Diskussion zuerst die Gemüter erhitzt habe, sei sie zuletzt etwas dahin geplätschert, erläuterte der frühere Landtagsabgeordnete Manfred Ach, der jetzt als „Mentor“ des Business Campus fungiert. Man habe mit dem Gespräch den Diskussionsprozess wieder ins Laufen bringen wollen.

BFP, so Ach, gehe es nicht darum zu polarisieren, wenngleich das Firmenmotto lautet: „Wir bellen nicht, wir beißen.“ Es sei in der Runde vielmehr darum gegangen, Möglichkeiten für eine professionelle Umsetzung der Kampagne auszuloten. Einigkeit habe dabei darüber geherrscht, dass das Image Würzburgs „nach innen und nach außen optimierungsbedürftig“ sei. Bei der Verwaltung und der Politik habe man diesbezüglich „eine gewisse Lethargie“ registrieren müssen, meint Ach.

Aber: Wenngleich Würzburg geografisch in der Provinz liege, sei es doch wenig sinnvoll, diesen Begriff in den Mittelpunkt einer zentralen Vermarktung zu rücken. Noch deutlicher seien bei der Debatte die Vertreter der Würzburger Wirtschaft geworden, aus ihrer Sicht sei der Slogan inakzeptabel, sogar das Wort geschäftsschädigend sei gefallen, berichtete Ach. Für ihn selbst sei er ohnehin nur ein Arbeitstitel, der noch überarbeitungsbedürftig sei. Sylwia Maria Bea wurde noch deutlicher: „Wir wollen an der Kampagne retten, was noch zu retten ist“. Und Ach fügte hinzu: Ein Slogan, der erst erklärt werden müsse, sei alles andere als optimal.

Um die Diskussion jetzt inhaltlich neu zu beginnen, solle jetzt unter seiner Moderation ein „Lenkungskreis“ eingerichtet werden, um dort Strategien zu entwickeln und den Prozess zu steuern, so Manfred Ach. Ziel müsse die Entwicklung einer Kampagne sein, die von allen getragen wird.

Von einem solchen Kreis will Dieter Schneider, in dessen Werbeagentur Buena la Vista der Spruch entstand, gar nichts wissen. Auf Anfrage des Volksblatts sagte Schneider, der auch Vorstandsmitglied der Würzburg AG ist, er wüsste nicht, was er dort diskutieren sollte. Schneider, der an der BFP-Diskussionsrunde teilnahm, bezeichnete das dortige Meinungsbild als ausgeglichen. Längst nicht alle Wirtschaftsvertreter seien gegen den Slogan gewesen. Man befinde sich mitten in einem Prozess und sei seitens der Würzburg AG offen für alle Verbesserungsvorschläge, nur „bis heute ist noch nichts besseres gekommen.“

In dem von Schneider angesprochenen Prozess will er nun den nächsten Schritt machen. Die Kampagne soll demnächst auf eine Online-Plattform gestellt werden, auf der 2500 Marketingleute registriert sind. Diese können sich dort äußern und das Konzept weiterentwickeln. Für diesen „logischen Schritt“ hat Schneider das Modeunternehmen s. oliver als Partner gewonnen, teilte er weiter mit.

In Würzburg, so Schnieders Auffassung, werde längst nicht mehr über den Slogan als solchen diskutiert, sondern über das Selbstverständnis der Stadt, das er so definiert: Keine ander Stadt auf der Welt hat Kultur, Wissen und Gesundheit so verdichtet wie Würzburg. Gepaart mit der unterfränkischen Provinzialität macht dies Würzburg einzigartig.“

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