München

Geht Söders Hightech-Förderung vor allem nach München?

In Würzburg entwickelte Mini-Satelliten sind Weltspitze. Doch die Forscher befürchten, dass Nordbayern bei der Raumfahrttechnik ausgehungert werden soll.
Im Glanz der unter Leitung von Professor Klaus Schilling an der Uni Würzburg entwickelten Satelliten-Technik sonnt sich Bayerns Politik gerne. Staatliche Raumfahrt-Förderung scheint nun aber wohl trotzdem vor allem nach München zu fließen. Foto: Angelika Kleinhenz

Gerne sonnen sich Bayerns Spitzenpolitiker immer wieder im Glanz der einzigartigen Mini-Satelliten, die unter Leitung von Prof. Klaus Schilling in Würzburg entwickelt werden: Ein wichtiger Beitrag für Bayerns "Wettbewerb um die Weltspitze" seien diese, lobte Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) schon 2016. Von einer "echten Zukunftstechnologie" sprach Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) in diesem Frühjahr, als ein Team um Schilling den mit stolzen 14 Millionen Euro dotierten Forschungspreis des Europäischen Forschungsrates gewann.

Viel Lob also für die Hightech-Forschung aus Würzburg. Da sollte doch in Zeiten, in denen sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Förderung der Raumfahrt in Bayern selbst auf die Fahnen geschrieben hat, die Finanzierung kein Problem mehr sein. Doch weit gefehlt: In Söders Milliarden schwerer Hightech-Agenda tauchen die Mini-Satelliten nicht mehr ausdrücklich auf.

Würzburger Hightech-Forscher künftig nur noch Junior-Partner in München?

Jetzt legt die Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage des FDP-MdL Helmut Kaltenhauser nahe, dass die weltweit angesehenen Würzburger Forscher in der Hightech-Förderung des Freistaats tatsächlich keine Rolle mehr spielen: Zwar habe sich "die Arbeitseinheit" der Raumfahrt-Informatik an der Uni Würzburg "durchaus Verdienste erworben", heißt es darin wenig enthusiastisch. Der Bereich sei mit nur vier Professoren "von denen einer kurz vor der Ruhestandsversetzung steht" aber doch "deutlich kleiner", als die 18 Lehrstühle an der TU München. Statt neues Geld in Unterfranken zu investieren, wäre es deshalb "wünschenswert, wenn die Würzburger Professoren ihre Kompetenzen im Wege von Kooperationen" künftig in die Münchner Raumfahrt-Fakultät einbrächten, findet das Münchner Ministerium.

Zwar hatte Söder ebenfalls angekündigt, die Vermarktung von Uni-Wissen in Bayern forcieren zu wollen. Doch von einer dauerhaften Finanzierung des von Professor Schilling seit 2007 erfolgreich betriebenen Würzburger Zentrums für Telematik (ZfT) hält seine eigene Regierung ebenfalls nichts: Nur durch begrenzte "Projektförderungen" könne man die viel gelobten Kompetenzen in Unterfranken "gezielt sichern", teilt das Ministerium schriftlich mit.

Würzburg: Bei Satellitentechnik vorne - und trotzdem finanziell "ausgehungert"?

Von einem Auslaufmodell mit pensionsreifer Leitung könne jedenfalls keine Rede sein, hält Prof. Schilling auf Nachfrage dieser Redaktion dagegen: "Ich habe schon noch Einiges vor." In der Tat sei aber zu befürchten, "dass Nordbayern bei der Raumfahrt-Förderung etwas ausgehungert wird", kritisiert der 63-Jährige. Dabei könne sich ein erst 2018 in Würzburg eingerichteter internationaler Elite-Studiengang für Satellitentechnologie vor Bewerbern kaum retten. Die Mini-Satelliten passten zudem exakt in ein neues Zukunftsprogramm, für das die Europäische Raumfahrtbehörde ESA 14,4 Milliarden Euro zur Verfügung stellt - ein riesiger Förder-Kuchen, von dem mit Unterstützung des Freistaats ein großes Stück nach Würzburg fließen könnte, wirbt Schilling.

Doch auch FDP-Mann Kaltenhauser befürchtet, dass Söders Wissenschaftsministerium die staatliche Raumfahrt-Förderung vor allem nach München leiten will: Dort gebe es schon jetzt eine dauerhaft finanzierte Satelliten-Entwicklung, obwohl die Raumfahrt-Informatik in Würzburg bundesweit einmalig sei, kritisiert der Unterfranke. Nur eine verlässliche Finanzierung könne aber "sicherstellen, dass spezialisierte Exzellenz-Forschung wie hier in Würzburg auf Dauer in der Region erhalten bleibt".

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